Zwei vom alten Schlag

Mit dem Rollstuhl zum Training. Stallone und DeNiro untergraben das frühere Image – und betonen es zugleich.

Zwei vom alten Schlag - Plakat

Viele Worte braucht man über die Hauptdarsteller nicht verlieren, ihre Namen sprechen für sich – weshalb Zwei vom alten Schlag seine beste Werbung simpel daraus bezieht, dass es den Film gibt (auch das Filmposter ist im Design bewusst an ein frühes Boxkampf-Plakat angelehnt). Aber Hollywood-Legenden hin oder her: Wer will zwei alte Knacker, die sich merklich ermüdet die Visage polieren, überhaupt noch sehen? Aus diesem Grund baut der Film für den finalen Kampf eine teils rührselige, teils von bissig-peinlichen Momenten durchzogene Vorgeschichte auf. Dabei liegt seine größte Stärke im Motiv der Entlarvung.

Zunächst ist alles beim Alten. Der in die Jahre gekommene Fabrikarbeiter Henry „Razor“ Sharp (Stallone spielt sich einmal mehr selbst, er ist der Facharbeiter Hollywoods, der immer wieder seinen Körper beanspruchen muss) hat seine Boxkarriere bereits vor 30 Jahren an den Nagel gehängt. Ebenso verdrießlich besingt Billy „The Kid“ McDonnen (DeNiro) seine Vergangenheit, im eigenen Club, wo er allabendlich schlechte Witze über sich und andere reißt. Diese intertextuellen Bezüge zu Wie ein wilder Stier (Raging Bull, 1980) sowie zur Rocky-Saga werden wohlstrukturiert, jedoch nicht plump abgehandelt. Die von ihnen gespielten Rollen – der verbrauchte Arbeitsmann, gleichermaßen finanziell wie emotional ausgebrannt; der völlig unansehnliche Clubmanager, bei dem Äußeres und Äußerungen seine schlechten Lebensgewohnheiten widerspiegeln – haben Stallone und DeNiro bereits in jungen Jahren erfolgreich verkörpert. Nun sind sie selbst alt und müssen sich plagen, um die „ruhmreich“-jugendliche Thematik des Faustkampfes wiederzubeleben.

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Die Schändung unserer „Helden“ ist sowohl ernsthaft als auch komisch inszeniert – was in dieser Kombination durchaus realistisch anmutet. Diese Verbindung nimmt dem Film die starke Ambition der letzten Rambo- und Rocky-Fortsetzungen, in denen Stallone trotz seines Alters schlichtweg über sich selbst hinauswuchs, vermeidet aber auch allzu große Peinlichkeiten, die mit einer bewussten Dekonstruktion dieses Alte-Körper-Kinos (und mit einem ähnlichen Ansatz wie bei den bisherigen Ergüssen von Regisseur Peter Segal) einhergehen könnten.

Beide Figuren, Razor und Kid, müssen wieder bei Null anfangen. Es ist bezeichnend, wenn die von (ebenfalls Altmeister) Dean Semler geführte Kamera die Silhouetten von Razor und dessen Trainer (Alan Arkin) beim ersten Frühtraining vor der Morgendämmerung einfängt: Stilistisch erinnert diese Einstellung zunächst stark an Stallones Box-Saga. Wenn aber im selben Bild der Trainer mit dem elektrischen Rollstuhl das Lauftempo vorgibt, wirkt das ebenso ernüchternd wie belustigend. Um sich DeNiros Körperformat anzupassen, verlor Muskelpaket Stallone zudem über 15 Kilo an Körpergewicht, wodurch er seltsam normal wirkt: muskulös, aber kaum aufgepumpt. Und auch wenn Stallone in seinen Expendables-Filmen (2010-2012) beständig mit Wrestlern zusammengearbeitet hat, macht er sich hier an der Seite seines vergleichsweise immer noch schmächtigen Filmpartners über genau jene Erscheinung von Neu- bzw. Überformat im Kampfsport lustig – gleichzeitig beteuernd, dass der eigene einfache Haken noch immer so viel Wirkung zeigt wie früher.

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Die besten Szenen des Films sind jedoch die abseits des Rings und fern von der finalen Versöhnung im Spektakel, das ebenso ambivalent inszeniert ist – wenn sich die beiden Gegner gegenseitig wieder auf die Beine helfen, um das von ihnen mitbeworbene Spiel mit angemessener Würde durchzustehen. Es sind Szenen wie die anfängliche Unbeholfenheit des auf dem Rücken liegenden, merklich gealterten DeNiro, der sein Bauchmuskeltraining in Betreuung seines zeitlebens missachteten und schließlich zum Personal Trainer akquirierten Filmsohns B.J. (Jon Bernthal) nur äußerst mühevoll übersteht. Es sind – albern und doch auch kritisch-entlarvend – die knallgrünen Motion-Capture-Kostüme, in die sich die beiden Ex-Champions wie in unförmige Teletubbie-Ganzkörperkondome hineinzwängen müssen, um der von der Sponsorenfirma geplanten Videospiel-Adaption ihres Kampfes körperlich authentische Züge zu verleihen. In dieser Szene scheint neben der zwangsläufigen Vermarktungsgeilheit von Events – anlässlich des Filmstarts wirbt Warner leider tatsächlich mit solch einem Game – auch die Thematik der Anpassungsschwierigkeit der alten Helden an neue Medien durch. Statt sich „planmäßig“ und auf das Spielkonzept ausgerichtet zu bewegen, schlagen die Haudegen das komplette Technikstudio kurz und klein. Es ist dieser raue, nicht zu leugnende Kampfgeist, begründet auf einer tiefgehenden Rivalität zwischen den beiden Protagonisten, der das Herzstück des Films ausmacht. Und bei Rivalität spielt Alter bekanntlich keine Rolle.

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Auf dem Weg zum finalen Kampf drängen – und das ist dann doch etwas bedauerlich – die versöhnlich-belustigenden Elemente die unaufgeregt inszenierte Vor- bzw. Hintergrundgeschichte stark in den Hintergrund, lassen diese in entscheidenden Momenten gar zur Randzugabe verkommen. Gerne hätte man etwas mehr Konsequenz gesehen, wenn Großpapa Kid vom eigenen Enkel beim Sex mit einer Prostituierten auf dem Rücksitz ertappt wird – das zudem noch von dem Jungen selbst gesteuert wurde. Das polizeiliche Einschreiten wird nach dieser unangenehmen Situation erfreulicherweise nicht ausgeblendet, doch schafft es der Film anschließend, solch grobe, in ihrer Folge absolut ausbaufähige Schnitzer im Verhalten der Charaktere in ein relativ glimpfliches Bett aus Verzeihung und Wohlwollen zu legen. Die Roh- und Zügellosigkeit der Vorbilder-Werke wird in einigen Szenen zitiert, insgesamt aber nur angerissen. An ihre Stelle tritt pubertärer Humor: unfreiwillige Entgasung, B.J.s Name als Sexualpraktik, und so weiter. So bleibt Zwei vom alten Schlag mehr oberflächliche Dramödie als feinsinniges Spektakel.

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Neben der Entblößung, die sicherlich ihren Reiz hat, bleibt am Ende nicht viel mehr als die Selbstfeierei im Gedächtnis, die den gesamten Film hindurch mit eingeblendeten Schwarz-Weiß-Fotos an Scorsese- und Irwin-Winkler-Zeiten gemahnt und eben ganz bewusst auch dort ihre Rechtfertigung sucht – diese aber nur stellenweise zu finden vermag.

Trailer zu „Zwei vom alten Schlag“


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