Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt!

Vom leidvollen Schulalltag eines Zehnjährigen: In seiner Middle-School-Komödie adaptiert Thor Freudenthal den ersten Bestsellerband der Comic-Romane von Jeff Kinney.

Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt 04

Der zehnjährige Greg Heffley ist recht schmächtig, dafür jedoch mit einem übergroßen Selbstbewusstsein ausgestattet. Im wohlbehüteten amerikanischen Zuhause fühlt er sich von seinem pubertierenden großen Bruder Roderick (Devon Bostick) drangsaliert, von seinem kleinen Bruder Manny angenervt und von seinen Eltern (Steve Zahn und Rachael Harris) zwar geliebt, aber eigentlich nur missverstanden und häufig übersehen.  Denn Greg ist in dem schwierigen Alter genau zwischen Kindheit und Pubertät. Und nun droht neues Ungemach: die Middle-School, also die Sekundarstufe des amerikanischen Schulsystems für Schüler von 10 bis 14 Jahren. Greg selbst hält dies für die „bescheuertste Idee aller Zeiten“, denn da „schmeißt man Kinder wie mich, frisch aus der Grundschule, mit riesigen Gorillas zusammen, die sich zweimal täglich rasieren müssen“. Und obwohl coole Jungs so etwas nicht tun, schreibt Greg Tagebuch. Die  Idee hierzu stammt von seiner Mutter, er selbst führt diese „Memoiren“ nur, weil sie sicherlich nützlich sein dürften, wenn er später einmal „reich und berühmt“ ist.

Jeff Kinneys novel in cartoons  begann als Online-Comic und ist seit der Erstveröffentlichung der Printausgabe 2007 auf mittlerweile vier Bände angewachsenen.  Darin schildert ein knapper, teilweise ironischer Text zusammen mit den signifikanten Kinney-Strichmännchenzeichnungen die Höhen und Tiefen des gut beobachteten Schüleralltags. Die humorvoll geschilderten Konflikte, Anekdoten und Situationen verlassen dabei nie die Perspektive des zehnjährigen Ich-Erzählers, wodurch sich der hohe Identifikationsgrad gerade beim jungen Publikum und schließlich der große internationale Erfolg der Kinderbuchserie erklärt.

Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt 08

Den Regeln erfolgreicher Vermarktung folgend, gibt es Gregs Tagebuch in der Inszenierung von Thor Freudenthal (Das Hundehotel, Hotel of Dogs, 2009) und nach dem Drehbuch des Autorenteams um Gabe Sachs und Jeff Judah. nun im Kino. Dass Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt nicht nur eine weitere High-School Komödie geworden ist, verdankt der Film auch der Übernahme der grafischen Ideen aus Kinneys Vorlage: Neben den farbenfrohen Heile-Welt-Bildern von Jack N. Green akzentuieren und kontrapunktieren Kinney-Strichmännchen als animierte Inserts schon mal die recht schnelle, mit viel Voice-over-Kommentar versehene episodische Handlung, die – der Vorlage gleich – auch in Ich- Perspektive präsentiert wird. So etwa, wenn Greg sich oder seine Mitschüler in einer situationsabhängig  ständig wechselnden Beliebtheitsskala einwertet.

Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt 10

Und um Beliebtheit geht es eigentlich in dieser Geschichte. Greg – so hat ihm sein großer Bruder eingebläut – wird als Loser oder Freak in der Mittelschule durch die Hölle gehen. Da es dies zu verhindern gilt, muss Greg zwanghaft der coolste Junge der Schule werden, sonst droht das existenzbedrohende Außenseitertum. Die Pläne und sozialen Anpassungsstrategien, die Greg daher schmiedet, sind mehr oder weniger sämtlich untauglich und führen von einer Katastrophe in die nächste. Dass dies humorvoll anzusehen ist, liegt nicht nur an den recht genretypischen Anhäufungen aller möglichen Peinlichkeiten, sondern auch am ausgewogenen Tempo der Inszenierung mit ihrer betont herausgearbeiteten Schwäche des Protagonisten – dem übersteigerten Ego Gregs. Zudem gelingt es, der mitunter recht klamaukigen Situationskomik eine überzeugende emotional-selbstreflexive Ebene Gregs entgegenzusetzen, was der Figur die nötige Tiefe verleiht, um sie aus bekannten Schemen herauszuheben. Hierzu gehört auch, dass gerade Rowley, der dickste und uncoolste Junge der Schule, Gregs bester Freund ist. In der Figur des Rowley fokussieren sich Güte, Gutgläubigkeit und kindliche Naivität, Werte also, die nach Gregs postuliertem Coolness-Kanon eigentlich inakzeptabel sind. Rowley fungiert hier über die Sidekick-Funktion hinaus als Alter Ego Gregs, quasi als präsentes Gegenmodell zum angestrebten Status. Und dass Rowley am Ende zu Gregs Überraschung erfolgreicher ist als er selbst, ist eine von mehreren unerwarteten Wendungen dieses Films.

Schließlich verdankt Gregs Tagebuch sein Gelingen den soliden Leistungen des jungen Darstellerensembles – allen voran Robert Capron als Rowley und Zachary Gordon als Greg.

Natürlich tummeln sich in Gregs Tagebuch die üblichen Freaks, Nerds, Brutalos und die begehrt-bewunderten, aber recht dümmlichen und vereinzelt auch gewalttätigen Mädchen. Einzig die taffe Mitschülerin Angie, die als Außenseiterin weise Ratschläge und Hilfestellungen zu erteilen versucht – glaubhaft und überzeugend hier die mittlerweile auf solche Rollen spezialisierte Chloe Moretz  (500 Days Of Summer, 2009) –, bricht aus der Menagerie der titelgebenden Idioten aus. Ihre Ratschläge verpuffen aber an der Beratungsresistenz Gregs.

Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt 02

So bleibt es bei Greg, aus seinen Fehlern und Fehlseinschätzungen zu lernen und folgerichtige Schlüsse zu ziehen. Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt illustriert diese Entwicklung leicht, besinnlich und vor allem humorvoll. Denn die Mittelschule ist – zumindest hier – Spiegel und Schule des Lebens.

Trailer zu „Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt!“


Trailer ansehen (2)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.