Greenberg

Ben Stiller und Greta Gerwig glänzen in einem ansonsten ziemlich zerfahrenen Film.

Greenberg

Greenberg. Wie der Film, so heißt die von Ben Stiller gespielte Hauptfigur, die leider, man muss das so deutlich sagen, unausstehlich ist. Ein Querulant, der am laufenden Band an große Firmen Beschwerdebriefe schreibt (zum Beispiel über die Qualität der Druckknöpfe an den Sitzplätzen von American Airlines), ein Egozentriker und ein Empathie-Banause, ein gescheiterter Musiker, der bereits unzählige Freunde enttäuscht und vergrault hat. Eine Herausforderung für einen Schauspieler, die Ben Stiller annimmt und besteht, mit Sternchen. Leider weiß aber sein Regisseur nicht so recht, was tun mit den ganzen Tiraden und Unhöflichkeiten des zutiefst Deprimierten, den Klagen über das, so Greenberg, „an die Menschen verschwendete Leben“.

Greenberg

Noah Baumbach hat 2005 mit Der Tintenfisch und der Wal (The Squid and the Whale) ein bedrückendes Drama über eine zerfallene Familie gedreht, das bei allem eins zu eins abgefilmten Leben doch stringent erzählt war. Dem neuen Film fehlt das völlig. In immer wieder neuen Konfrontationen breitet seine Hauptfigur ihre Neurosen aus und dreht sich dabei im Kreis. Dabei ist es faszinierend, dass Stiller nicht eine Nuance seiner Komödienpersona (Nachts im Museum, Night at the Museum, 2005) durchscheinen lässt, sondern die Rolle des Misanthropen tiefernst spielt, mit nur einem Hauch der Übertreibung. Er ist trotzdem lustig, auf ganz trockene Weise, was besonders dann funktioniert, wenn das ansonsten ausufernde Drehbuch seine auf den Punkt treffenden Momente hat. Davon gibt es einige, aber ein Ganzes will nicht daraus werden.

Greenberg

An dieser Stelle könnte man die Rezension beenden. Wenn da nicht noch Florence wäre (gespielt von Greta Gerwig, einer jungen Schauspielerin und Autorin). Mit ihr beginnt der Film nämlich, und für einige Minuten, wenn noch alles offen ist und man darauf wartet, dass die Geschichte ihre Richtung preisgibt, macht man nichts anderes, als ihr beim Autofahren zuzusehen, in einer im Vergleich zum eher konventionellen Rest des Films ziemlich langen Einstellung. Die Kamera zeigt sie im Profil (wie später noch einige Male, sowohl sie als auch Stiller, ohne dass diese formale Idee dann zu etwas führt), dazu läuft Musik. Könnte einer dieser Alltagsfilme werden, denkt man, junge Leute, die viel reden und noch ihren Platz im Leben suchen. Ich schaue so etwas gern, wenn die Figuren interessant sind, und Greta Gerwig sieht man mit Vergnügen zu.

Greenberg

Florence sucht in der Tat noch ihren Platz im Leben. Kaum dass Greenberg, für dessen Bruder sie arbeitet, in den Film getreten ist, verliebt sie sich ohne viele Umstände in den um 15 Jahre Älteren. Die Szenen mit den beiden sind schöne Studien in sehnsüchtiger Anziehung und neurotischer Abstoßung, mumblecore-artig durch die Gegend geplappert. Leider verschwindet Florence dann für längere Zeitspannen immer wieder aus der Handlung. Ein Hund mit dem melancholischen Namen Mahler und später noch eine Schwangerschaft, auch nicht gerade die originellste Drehbuchidee, bringen sie wieder zurück.  Aber da hat der Film den Zuschauer schon verloren. Was schade ist, denn das Gefühl bleibt, dass unter der wabbeligen Masse von Greenberg eine gute Geschichte verborgen ist.

Trailer zu „Greenberg“


Trailer ansehen (1)

Kommentare


ARTiBERLIN

Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Wahrnehmung von Film sein kann. Und dadurch auch, wie erfrischend diese unterschiedliche Wahrnehmung ist. Ich zum Beispiel fand gerade dieses quälend Unentschlossene in der Interpretation von Florence und besonders Grenberg so spannend. Vielleicht kann ich mich mit diesen Lebensentwürfen (einfach nichts zu tun, was schon schwierig genug ist in einer Welt des Mammons), sehr gut identifizieren, weil ich auch ein Berufsjugendlicher sein will. Eine abseitige, aber lohnenswerte Perspektive Noah Baumbachs auf das, was man Leben nennt. Abseitige Blicke gibt es auch auf www.artiberlin.de






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.