Green Lantern

Ein menschlicher Wächter muss die Galaxis vor einem Wesen retten, das sich aus Angst speist. Die Comicadaption Green Lantern zeigt eindrucksvoll, dass die Einbildungskraft des Helden gegen ein einfallsloses Drehbuch nichts ausrichten kann.

Green Lantern 01

Die beiden großen Comiclabels DC und Marvel stehen sich als Konkurrenten auf Augenhöhe gegenüber, und trotzdem ist der Punktsieger eindeutig auszumachen – zumindest im Kino. Neben vielen Rohrkrepierern hat DC bei den Adaptionen für die große Leinwand nur die populären Batman- und Superman-Franchises einer ganzen Armada verschiedenster wie individueller Marvel-Helden entgegenzusetzen. Einer dieser Rohrkrepierer ist Green Lantern.

Casino Royale-Regisseur Martin Campbell eröffnet seine Comic-Adaption mit einem Off-Kommentar, der zu visuell eindrucksvollen Aufnahmen des Weltraums die Vorgeschichte um das „Green Lantern Corps“ erzählt, das mit den besten Kriegern die Galaxis gegen Feinde verteidigen soll. Diese Wächter speisen sich aus der Kraft ihres Willens, kanalisiert durch einen Ring, mit der sie allein durch ihre Vorstellungskraft Gegenstände erschaffen, fliegen und sich verteidigen können. Ihnen gegenüber steht die „gelbe Kraft der Angst“, die sich der abtrünnige Wächter Parallax zunutze machen wollte. Er wurde jedoch von ihr vereinnahmt und schweift nun als riesenhaftes Wesen mordend und zerstörend durchs Universum. Bei einem Kampf mit ihm wird Abin Sur (Temuera Morrison), der tapferste Krieger des Lantern-Corps, tödlich verletzt und landet auf der Erde. Sein Ring sucht einen Nachfolger, und seine Wahl fällt ausgerechnet auf den Testpiloten Hal Jordan (Ryan Reynolds), der schließlich die Erde gegen Parallax verteidigen muss.

Green Lantern 02

Dass Hal ein wagemutiger Draufgänger mit verantwortungslos-schlichtem Gemüt ist, versteht sich von selbst. In seinem protzigen Gehabe gleicht er Tony Stark in Iron Man (2008), der zunächst auch eher mit kindlicher Freude die Gimmicks seiner Rüstung und seine Fähigkeiten erkundete, als seinen Auftrag wahrzunehmen. In Green Lantern steht dabei ausnahmsweise nicht nur die Rettung der USA oder der Menschheit, sondern gleich die der ganzen Galaxis auf dem Spiel. Eine Galaxis freilich, deren fremde Planeten nur selten in den Fokus rücken. Panoramen des Lantern-Planeten Oa, den Hal Jordan zusammen mit seinem Lehrmeister Sinistero (Mark Strong) überfliegt, sind dabei rare Aufnahmen von einer fremden, faszinierenden Welt, für deren Darstellung die 3D-Technik wie geschaffen scheint. Green Lantern nimmt sich jedoch anders als Avatar (2009) neben den zahlreichen Actionszenen nicht die Zeit, die Flora und Fauna des fremden Planeten in ihrem Detailreichtum abzubilden.

Lang ist die Liste der formalen Zitate in der Inszenierung einzelner Szenen, die bis in die 1980er Jahre zurückreicht. Parallax, in seiner Größe den Himmel verdunkelnd, greift schließlich Coast City an. Neben mit Autos verstopften Straßenzügen sind in Nahaufnahmen ebenso erstaunt wie verängstigt dreinblickende Passanten in leichter Aufsicht zu sehen. Diese formale Referenz auf Weltuntergangsszenarien wie Independence Day (1996) wird erweitert durch Hals hemmende Erinnerungen während eines Flugzeugabsturzes, die an Mavericks Traum in Top Gun (1986) erinnern. In ebenso unvermittelten wie unmotiviert eingefügten Flashbacks werden wir Zeuge, wie Hals Vater bei der Explosion seines Jets ums Leben kam.

Green Lantern 03

Die Sequenz der „Ausbildung“ auf Oa, in der Hal von einem anderen Wächter auf brutale Weise seine Fähigkeiten der Einbildungskraft zu stärken lernt, gehört auch zur Standard-Lektion für Weltenretterfiguren. Dass in diesem Moment Mini-Gun und Kettensäge als erdachtes Kampfzeug zum Einsatz kommen, später eine Autorennbahn wie aus dem Kinderzimmer den Absturz eines Hubschraubers abfedert und beim finalen Kampf eine überdimensionale Faust zum Einsatz kommt, zeugt entweder von einem selbstironischen Bekenntnis zur Comicvorlage oder von infantiler Albernheit der dem Spieltrieb erlegenen Drehbuchautoren. Diese erwiesen sich auch als äußerst kurzsichtig in dem Transport ihrer Botschaften.

Während Spider-Man (2002) noch mit einem Leitspruch um große Macht und proportional steigende Verantwortung pädagogisch wertvoll glänzen wollte, setzt sich bei Green Lantern schon in der Vorlage ein zweifelhafter Kodex um Pflichterfüllung und Omnipräsenz gegenüber „bösen Mächten“ an diese Stelle. Etwas unglücklich gerät zudem das im Subtext hinzugefügte Propagieren vom willensstarken Soldaten, der seine Ängste zu überwinden weiß und so zum „Übermenschen“ mutiert im Kampf gegen eine übermächtige Kreatur. Dieses Motiv ist insbesondere seit Captain America im Superhelden-Universum freilich nicht neu.      

Green Lantern 08

Diese Rekombination von nur allzu bekannten Versatzstücken setzt sich auf der inhaltlichen Ebene fort: Das selbstbewusste, aber ablehnende love interest spiegelt die Charakterschwäche des an seiner Stärke zweifelnden Helden, sein irdischer Gegenpart Hector (Peter Sarsgaard) als ungeliebter Senatorensohn den stets präsenten Generationenkonflikt. Da passt es nur allzu sehr ins Stereotypenraster, wenn in Hectors Aussehen und Mutation das „Hässliche“ zugleich mit dem „Bösen“ codiert wird.

Dennoch ist Green Lantern trotz all seiner unfreiwillig komischen Momente, die sich durch platte Dialoge, grotesk animierte Aliens oder albern verlaufende Duelle speisen, stets unterhaltsam. Zumindest für Freunde von Big-Budget-Trash, die ein allzu freier Umgang mit der Comicvorlage und fragwürdige Menschenbilder nicht zu sehr stören. Neue Fans gewinnen die DC-Comics jedoch durch diese launige 08/15-Adaption nicht. 

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Kommentare


Der Kritiker

Die Kritiken messen den Film mit falschen Maßstäben.

"Green Latern", wie auch "Tron", ist eine neue art des Kinos. Die Handlung tritt in diesen Filmen in den Hintergrund. Diese Filme sind eine art von "Wellness für Aug und Ohr". In diesen Filmen geht es nicht um eine tiefsinnige Handlung, sondern um die Erzeugung eines bonbonfarbenden, grünen Trips. . Die Handlung steckt nur den Rahmen; ist meistens einfach gestrickt; "Protagonist muss von A nach B um C zu erreichen. Das Reicht...
Im Vordergrund liegt jedoch die Erzeugung eines psychodelischen 3D Trips.
Und das hat "Green Latern" mit Bravour gemeistert. Der Zuschauer fliegt von der Erde in den Weltraum, auf ferne Planeten und wieder zurück, auf die Erde wieder in einen Meteroiten Schauer und battelt sich zwischendurch auf der Erde durch. ...

Diese Filme sind " psychodelische Wellnessfilme"
Vorläufer für diese neue Genre war Pink Floyd "the Wall".
Leider reicht in diesem Fall die Musik bei "Green Latern" nicht aus.(Ich hätte lieber Elektro gehört) Die 3D Reise ist jedoch so atmeberaubend, das von diesem Manko abgesehen werden kann.
Selbst während des Abspanns sassen die meisten Kinobesucher in den Sesseln, da die Weltraumaufnahmen einfach zu schön waren.
Fazit: Green Latern affeziert Aug und Ohr. Dieser Film ist der absolute 3D Trip.

Ein Traum in "grün".


Nico

Der Film war kein "psychodelischer Wellnessfilm", sondern ein aggressiver Hammer, gepaart mit einem knallharten Meißel für das denkende Gehirn!

Die Handlung ist unbeschreiblich platt und langweilig und die Effekte/Animationen stark verbesserungswürdig.

Und wenn der Weg tatsächlich in diese Richtung führt, in welcher die Handlung eines Films nur den Rahmen für eine ganze Menge sinnlosen und unansehnlichen Schnickschnack steckt, dann kann die gesamte Filmindustrie bald die Tore schließen, denn das lässt sich die mit gesundem Menschenverstand gespickte Kinozuschauermasse nicht lange bieten. Denn wer geht schon ins Kino, nur um den Schalter des Gehirns auf Stand-By umzulegen, wenn er dafür 9 Euro je Eintrittskarte bezahlen muss (zuzüglich Kosten für Getränk und Popcorn)?!

Der Begriff Entertaiment umfass nämlich nicht nur "Boah, ist das alles so schön grün...", sondern auch "Aaaah, interessant!" und vor allem sehr viel "Aaaah, ist das spannend!". Beides in diesem Film absolut nicht vorhanden!

Wir wollen nicht nur stumpfsinnig durch schöne Bilder berieselt, sondern auch durch eine fordernde Handlung beeindruckt werden!

Fazit: Nicht empfehlenswert!

- Ende -


Der Kritker

@Nico
Der gesunde Menschenverstand wird in den heutigen Filmen so oder so komplett auf die probe gestellt. Beispiele: der neue timberlake, alle filme von jj. Abrams... , das rotkäpchenkomplott, hang over, bad teacher..... Was auch immer.
Filme wie Lost Highway sind heute den menschen zu ansstrengend. - leider-
Green Latern geht einen anderen weg. Dieser Film versucht seine interlektuelle niveauloalosigkeit nicht zu kaschieren, wie die anderen Filme. Dieser Film ist einach ehrlich.
Er setzt nicht auf nivauvolle handlung, was auch schwer bei de comicvorlaage umzisetzen ist, sondern geht den weg des affiziierenz. .. Und stösst damit eine neue Form von Kino auf.
Wenn das Hirn nicht mehr will, weil die Masse zu doof geworden ist, dann muss das.gefühl ran. ... Und.vielleicht lernt man dann über den Affekt etwas. In gewisserweise stellen diese filme die aritothelische poetik auf den kopf, da der Affekt im 3d erlebnis selbst liegen kann...
Die Handlung von avatar beispielsweise, war.beispielsweis, gelinde gesagt, absolut vorraussagbar, und ärgerlich. (der mit dem Wolf tanzt vermischt mit ethno kitsch.)
Die Filmkritik konnte jedoch darüber hinwegsehen, da Cameron das 3D kino neu erfunden hatte.
Green Latern, wie auch Tron, sind eine zwischenstufe auf dem Weg zu einer neuen art des Kinos. The Tree of Live beispielsweise hat versucht so ein Kino auszudrücken, wo es bingehen könnte. Das Problem vom Tree of Live war nur, das.der Film zu sehr im Inhalt war.

Das, was der Film.eigentlich erzählen wollte, konnte.er nicht zum Ausdruck bringen, da die Intention die nicht mit der standardisierten erzählform rübergebracht werden konnte.
Eine Lösung wäre hier das 3D Afffekt Kino.
Green Latern war der Schritt in die richtige Richtung. Noch nie habe ich einen Film.gesehen, der so leichtfüssig an meheren orten spielt. Der Film spielt auf Planeten, im weltraum, im mereroitenhagel, und auf der Erde. Damit nimmt Green Latern die Makroperspektive ein, die Tree of Live nur zu.gern vermittelt hätte.






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