Good Night, and Good Luck. – Kritik

1953 nennen viele Leute Joseph McCarthy einflussreicher als Präsident Eisenhower. Doch eine Gruppe junger CBS-Journalisten mit dem arrivierten Edward R. Murrow an der Spitze stellt sich ihm entgegen.

Good Night, and Good Luck.

„Good Night, and Good Luck“ war sozusagen ein Vorläufer von Nina Ruges „Alles wird Gut“. Edward R. Murrow verabschiedete die Fernsehzuschauer seiner Nachrichtensendung „See it Now“, die allerdings von anderer Qualität als „Leute heute“ war, mit diesen Worten. Doch Murrow hatte eine Ahnung, dass sich das Fernsehen in die Richtung solcher Infotainment-Sendungen wie der des ZDF entwickeln würde. Zu Beginn des Films, 1958, erhält er einen Preis und spricht von zwei Oppositionen im Fernsehen: Pädagogik und Unterhaltung. Er lässt keinen Zweifel daran, von wessen Erfolg in der Zukunft er überzeugt ist.

Diese Eingangssequenz ist einer der ganz wenigen Momente, in denen sich Regisseur George Clooney und Kameramann Robert Elswit außerhalb der Senderäume der Columbia Broadcasting System bewegen. In ihrem minimalistischen Projekt porträtieren sie Murrow einzig als Journalist. Sein beruflicher Alltag, sein Arbeitsethos, steht für das Leben dieses Mannes. Als Privatier zeigen sie ihn nicht. Überhaupt erfährt der Zuschauer nur über ganz wenige Figuren des Ensembles Privates – und das steht immer im direkten Kontext ihres Berufslebens.

Good Night, and Good Luck.

Don Hollenbeck ist ein Vorgänger und Vorbild für Peter Finchs oscarprämierte Figur des Howard Beale in Network (1976). Er ist einer der ersten, der dem öffentlichen Druck auf medial präsente Figuren nicht standhält und gleichzeitig ein Opfer des McCarthyismus sowie einer Hearst-Hetzkampagne durch Jack O’Brian. Die Szenen zwischen Hollenbeck (Ray Wise, bekannt als Leland Palmer aus Twin Peaks, 1990) und Murrow (David Strathairn) bilden das Herzstück von Good Night, and Good Luck. Ebenfalls an zentraler Stelle steht das Duell des Juniorsenators aus Wisconsin, Joseph McCarthy, des Kommunistenjägers, mit Murrow. Via TV tauschen sie ihre Meinungen aus, nicht gemeinsam vor derselben Kamera wie etwa beim Kanzler-TV-Duell, sondern jeder für sich, getrennt, in separaten Sendungen. Die Tragweite dieser Auseinandersetzung inszeniert Clooney vor allem in Nahaufnahmen der Körpersprache seines Stars Strathairn. Dessen Opponent wird nicht von einem Schauspieler verkörpert, an dieser Stelle sprechen Originalaufnahmen für sich. Die Brisanz der Auseinandersetzung unterstreicht Clooney durch die Einwände der Fernsehchefs William Paley (Frank Langella) und Sig Mickelson (Jeff Daniels), die um die Zukunft des eigenen Senders fürchten.

Auch außerhalb der Kommunistenhetze ist dieses Amerika der Fünfziger Jahre durch und durch konservativ und von einer Doppelmoral durchzogen. Da es im Sender keine Partnerschaften geben darf, tarnt sich etwa das Ehepaar Wershba und führt ein Doppelleben, das von allen durchschaut, jedoch nicht thematisiert wird, ehe es weitreichende Konsequenzen gibt. Robert Downey Junior spielt diesen Part mit von ihm ungewohnter Zurückhaltung, an seiner Seite agiert Patricia Clarkson schon fast gewohnt brillant, ebenfalls dezent.

Good Night, and Good Luck.

Man spürt, welches Sensorium der Schauspieler Clooney für die Besetzung seines Films entwickelt hat. Bis in die kleinsten Nebenrollen besticht jede Figur durch Präsenz. Was das Fehlen ihrer persönlichen Geschichten jedoch nicht ersetzt. Am deutlichsten erkennbar ist dieses Dilemma an Clooneys eigenem Auftritt: Als Fred Friendly ist er häufig im Bild, kommt jedoch über die Rolle des Murrow-Sympathisanten und Unterstützers im Hintergrund nicht hinaus. Durch diese Indifferenz der Figuren schimmert ein Hauptproblem des Films: Clooney inszeniert alle Mitarbeiter der Broadcasting-Show als verschmelzende heldenhafte Masse. In jeder einzelnen Sekunde strahlt der Film seinen Habitus, den der Heldenverehrung aus. Dies wäre gar nicht nötig gewesen, jedem potentiellen Zuschauer dürfte auch vor dem Kinobesuch klar sein, dass Zivilcourage, persönlicher Einsatz und Mut im entscheidenden Augenblick die richtige Entscheidung sind. So kann man sich immer noch an der präzisen Arbeit Elswits erfreuen und die perfekte Struktur dieses wirklich ungewöhnlichen Biopic-Konzepts wahrnehmen. Doch die vom ersten Moment an öffentlich propagierte Heldenschau zieht einen nicht in den Bann.

Trailer zu „Good Night, and Good Luck.“


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Kommentare


mimi

das ist ein hèbscher film


Christoph Stolzenberger

Leider nur gut gemeint...

Monochrome Bilder können so viel und gute Schauspieler noch mehr und eine gute Story erst.

Sicherlich werden viele Besucher - gerade die, welche Syriana erlebt haben - enttäuscht sein...

Der Film läßt einen kalt und wer ein bisschen geschichtliche Kenntnisse über die damalige Hetzjagd auf "vermeintliche" Kommunisten besitzt, wird auch wissen, dass es eben doch anders war...

Die Geschichte ist leidenschaftlich leidenschaftslos. Mich interessiert die"geheime" Ehe von zwei Protagonisten genausoviel wie der berühmte "Sack in China".

Andere Fragen bleiben unbeantwortet: Haben die "Helden" wirklich nie zu Hause gesessen,... was denkt der Moderator,... welcher Mensch ist er (einige wissen wohl über seine große Zeit als Reporter in Großbritannien während des 2. Weltkriegs, der Film verzichtet auf jede "Vorgeschichte" etc. pp.

Ein Film, der zuviel zu ungenau oder zu kurz schildert und somit auch seine Botschaft verspielt.

Schade, aber wir haben ja Syriana!






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