Good Bye

Kurzer Film zum langen Abschied: Mohammad Rasoulof inszeniert eine bedrückende Studie in Paranoia, Repression und Willkür.

Good Bye 1

„Wenn du dich im eigenen Land fremd fühlst, dann ist es immer noch besser, dich in der Fremde fremd zu fühlen.“ So heißt es einmal in Mohammad Rasoulofs Film Good Bye, und mit dieser Schlussfolgerung müsste es eigentlich ganz einfach sein. Hat man sich erst einmal durchgerungen zu gehen, dann mag man heimatlos sein – man ist aber auch frei von all den Fesseln und Bedrängnissen, auf die man im eigenen Land treffen mag. Die Anwältin Noura (Leyla Zareh) hat den Entschluss zu gehen längst getroffen, aber einfach ist nichts für sie. Die Ausreisepapiere nämlich sind im Iran nicht leicht zu bekommen, und im Verlauf des so langsam wie konzentriert erzählten Films bekommt es Noura mit zahlreichen bürokratischen bis schlicht schikanösen Fallstricken zu tun.

Good Bye 2

In sein Land eingesperrt zu sein wie in ein Gefängnis, diesen Zustand sucht Good Bye zu beschreiben und bildet hierzu ein drückendes soziales Klima aus Paranoia, Korruption, Repression und Willkür ab. Dem Regisseur selbst dürfte die Notlage seiner Protagonistin nicht ganz fremd sein: Gemeinsam mit dem hierzulande populäreren Jafar Panahi wurde Mohammad Rasoulof im März 2010 festgenommen und im Anschluss zu einer einjährigen Haftstrafe sowie einem zwanzigjährigen Berufsverbot verurteilt – aufgrund der gemeinsamen Arbeit an einem Dokumentarfilm über die Proteste nach dem Wahlbetrug des iranischen Regimes bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009.

Good Bye 3

Good Bye ist somit, ebenso wie Panahis neues, sarkastisch betiteltes Werk This Is Not a Film (2010), als originäres Untergrund-Kino zu betrachten – ein Film, unter dem Radar der Regierung entstanden, illegal außer Landes geschmuggelt und beim Festival in Cannes eingereicht – und ein an der Oberfläche stilles, aber umso wuchtigeres Stück Regimekritik. Beeindruckend ist dabei vor allem die scheinbar ungerührte Sicherheit der geradezu klassischen Inszenierung, die gerade dadurch umso bedrückender wirkt, als sie gemessenen Schrittes voranschreitet und ohne größere Aufgeregtheiten ihrem pessimistischen Schluss entgegentreibt. Wenn sich nämlich schließlich alle scheinbaren Schlupflöcher zu schließen scheinen, die unentrinnbare Abgeschlossenheit der polizeistaatlichen, misogynen Hölle des von Rasoulof porträtierten Iran auf das Perfideste bekräftigt hat, spätestens dann– entsteht neben der allgegenwärtigen Resignation auch Wut, und aus ihr vielleicht die Kraft, etwas zu ändern.

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