Goal!

Das Logo der FIFA prangt auf dem Kinoplakat, es gibt packende Fußball-Szenen, und nächstes Jahr ist Weltmeisterschaft. Mit Goal! kommt sozusagen die offizielle WM-Hymne in die Filmtheater. Leider nur auf Zweitliga-Niveau.

Goal!

Der Regisseur Danny Cannon (Judge Dredd, 1995; I Still Know What You Did Last Summer, 1998) hat einen Werbespot in Spielfilmlänge für die FIFA abgeliefert. Zwei weitere Teile werden noch folgen, deren Höhepunkt die Teilnahme der Hauptfigur an der Weltmeisterschaft in Deutschland sein soll.

Diese Hauptfigur, ein gutaussehender mexikanischer Junge namens Santiago (Kuno Becker), sieht man in den sepia-farbenen ersten Bildern des Films als begnadet kickendes Kind auf dem Hinterhof in den Elendsquartieren: ein paar schnelle Schnitte auf wirbelnde Füße, ein wenig Zeitlupe und viel Emphase. In der nächsten Szene schleicht die Familie nachts illegal über die Grenze in die USA, und der kleine Santiago muss seinen Ball zurücklassen, der einen Abhang hinunter gekullert ist. Lass doch den Ball, sagt der Vater unwirsch. Schließlich lauert doch hinter dem Zaun die große Verheißung.

Goal!

Weil es aber nicht um Baseball, sondern um Fußball geht, liegt die einzige Chance ironischerweise nicht in Amerika, sondern in Europa. Also fällt Santiago, mittlerweile ein junger Mann, beim Freizeit-Gekicke im Park einem englischen Talentscout auf, der ihn einlädt, bei Newcastle vorzuspielen. Bis er dort zum neuen Star wird, muss er sich durch die für Coming-Of-Age-Geschichten üblichen Schwierigkeiten quälen, als da sind: Die Ablehnung des Vaters, die Missgunst der Mitspieler, die Verführung des Lotterlebens und die erste Liebe. All das perlt jedoch ohne Rückstände an der oberflächlichen Videoclip-Ästhetik ab.

Die Spielszenen auf dem Fußballplatz (Choreographie: Andy Ansah) sind handwerklich beeindruckend gemacht und sehen wesentlich besser aus als in Sönke Wortmanns Das Wunder von Bern (2003), wo die Zuschauer im Stadion per Computer ins Bild hineingerechnet werden mussten. Aber mit den Soundeffekten, dem elektronischen „Wuuuuschhhh“ bei einem Schuss aufs Tor und der pompösen Filmmusik, deren E-Gitarren wie ein verfilzter Flokati-Teppich an dem Film kleben, kommt nicht mehr zutage als das, was man schon aus den gängigen Werbespots der Sportartikelhersteller kennt. Anders als bei Wortmann geht es hier nicht um die historisch korrekte Abbildung eines bestimmten Fußballspiels, sondern um effektvolle und auftrumpfende Ästhetik, die zeigt, zu was sie in der Lage ist. Und wo Wortmann eine Geschichte erzählte, wird in Goal! nur ein Reißbrett-Plot Punkt für Punkt abgehakt.

Das hinterlässt einen Eindruck wie ein Spiel vom FC Bayern München: Professionell, aber manchmal auch unendlich langweilig.

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