Glück im Spiel

Wer nach oben will, darf nicht immer nur an sich selber denken. Eine Binsenweisheit, die in Curtis Hansons Spielerdrama überraschend charmant und gelassen daherkommt.

Glück im Spiel

Es ist wie im Leben: Manchmal kann man aus nichts etwas machen, manchmal wird man geblufft und manchmal muss man rechtzeitig aussteigen. Poker erlebt derzeit einen ungeahnten Boom: im Internet, auf Sportsendern oder Turnieren. Das hat etwas mit den vielen Parallelen und Übergängen zur Realwelt zu tun. Wer im „ersten“ Leben auf die Nase fällt, kann am Spieltisch wieder auf die Beine kommen. Poker ist wie die Wirklichkeit: kein reines Glücksspiel, aber ein bisschen Glück braucht man eben doch. Ein gutes Thema also fürs Kino, für das Hin und Her zwischen zwei Welten, zwischen Spiel und Leben.

Huck Cheever heißt der Grenzgänger in Curtis Hansons Glück im Spiel (Lucky you). Der Berufspokerer hat im wirklichen Leben jede Menge Ärger, aber im Bellagio-Casino von Las Vegas bügelt er jede Niederlage aus. Huck beginnt eine schwierige Liaison mit der Sängerin Billie, er leidet unter einem Vaterkomplex und bekommt es mit rabiaten Schuldeneintreibern zu tun. Trotzdem kann der Sohn eines berühmten Pokerprofis ebenfalls ein ganz Großer werden. Er nimmt an den World Series of Poker teil und schafft es unter die letzten Drei. Huck liebt am Pokern den amerikanischen Traum: Jeder kann gewinnen, egal wer er ist und wo er herkommt. Das macht ihm das Spiel ein gutes Stück sympathischer als das Leben. Wettbewerb pur, keine Gefühle zeigen, jeder ist sich selbst der nächste.

Glück im Spiel

Regisseur Curtis Hanson spielt routiniert mit den Parallelen und Gegensätzen zwischen Poker und Leben. Der Hollywood-Handwerker, der sich gern in unterschiedlichen Genres versucht, wechselt nach dem Komödiendrama In den Schuhen meiner Schwester (In Her Shoes, 2005) und dem Hip-Hop-Biopic 8 Mile (2002) zum Spielerfilm. Hoch gepokert hat er dabei nicht. Es ist kein stilbildendes oder epochemachendes Werk herausgekommen, wie bei Hansons Noir-Thriller L.A. Confidential (1997). Aber Glück im Spiel bietet solides Handwerk und intelligente Unterhaltung. Das Spielerdrama verbindet die Gelassenheit von In den Schuhen meiner Schwester mit der Stehaufmännchen-Energie von 8 Mile. Er setzt sich dadurch ab von anderen Spielerfilmen, die mehr das Obsessive dieser Leidenschaft und den tragischen Fall des Helden in den Mittelpunkt stellen.

Glück im Spiel ist ein Film für Poker-Fans ebenso wie für Laien. Die Interessierten bekommen eine detailgenaue Rekonstruktion von tatsächlichen Partien sowie einen Nachbau des originalen Pokerraums im Bellagio Hotel und Casino aus dem Jahr 2003, in dem eine ganze Reihe von Pokerstars sich selbst mimen. Für die weniger Spielwütigen gibt es eine kleine Einführung in die Regeln und Strategien. Denn Huck muss seiner neuen Flamme Billie erklären, was er den ganzen Tag so treibt.

Glück im Spiel

Naturgemäß ruht die Kamera häufig auf Karten und Spieltischen. In der ersten Hälfte des Films tut sie das auf variantenreiche Art und Weise. Mal wird eine Choreographie von Blicken inszeniert. Ein anderes Mal wird der Ausschnitt auf die Karten verengt. Und manchmal bricht der Spielverlauf einfach ab – Schnitt zu Huck auf seinem Motorrad, wie er durch das nächtliche Las Vegas und die Hügel des Umlandes gleitet. Gegen Ende des Films ändert sich der Blick auf das Spiel. Als Vater und Sohn in der Endrunde des World-Series-Turniers gegeneinander antreten, werden die einzelnen Pokerrunden genau dokumentiert. Das mag die Poker-Fans freuen. Aber an dieser Stelle hat der 124 Minuten dauernde Film einige detailverliebte Längen.

Teilweise kompensiert wird dies durch das psychologische Drama, das sich im Dreieck zwischen Vater, Sohn und Freundin abspielt. Robert Duvall verleiht dem abgebrühten Spieler-Vater L.C. Cheever ein perfektes Pokerface. Eric Bana zeigt als Sohn Huck immer dann Nerven, wenn ihm der Vater auf die Pelle rückt. Und Drew Barrymore als gefühlsbetonte Unschuld vom Lande weiß mit einem Blick, was mit den beiden nicht stimmt. Huck steht sich selbst im Weg. Er verwechselt das Spiel mit dem Leben - und umgekehrt. Man muss eben genau wissen, wo man bluffen darf. Und wo nicht.

Kommentare


Martin Z.

Der größte Teil des Films dreht sich ums Zocken und ist wohl auch nur für Insider interessant. Es wird zwar versucht mit dem passenden Ambiente und allen nötigen Fachausdrücken die Dramaturgie des Glückspiels einzufangen, doch für Außenstehende bleibt diese Welt ein Buch mit mehr als sieben Siegeln. Der zweite Teil des titelgebenden Sprichwortes lautet ja wohl „Pech in der Liebe“. Doch das trifft hier keineswegs zu. Man ahnt das Happy End. Also sollte es der Vollständigkeit halber im Untertitel wohl heißen „Und auch Glück in der Liebe“. Allein das Verhältnis zwischen Vater (Robert Duval) und Sohn (Eric Bana) rechtfertigt vielleicht das Anschauen. Beide verbindet das Pokerspiel. Aber es ergeben sich auch oberflächliche Probleme. Und dazwischen steht Drew Barrymore als schmückendes Beiwerk, das verhindert, dass es ein reiner Männerfilm wird. Und am Ende fragt man sich, ob die Lovestory oder das Zocken hier wichtiger sind? Oder das eine nur als Transportmittel für das andere dienen soll. Egal! Beides nicht so wichtig. Da gibt es bessere Filme über Glückspiele.






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