Gianni und die Frauen

Vom Versuch, nicht unsichtbar zu werden: Gianni di Gregorios leichte Komödie schaut mit sanfter Selbstironie auf das amouröse Bemühen und Scheitern eines älteren Mannes.

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Die Highlights im Alltag des etwa 60-jährigen Gianni (gespielt von Regisseur und Drehbuchautor Gianni Di Gregorio) sind Einkaufen und Hundeausführen. Als wäre das nicht schon schlimm genug, muss er sich auch noch um seine steinalte, vor allem aber exzentrische Mutter (die 95 Jahre alte Valeria De Franciscis) kümmern, die gemeinsam mit ihren Freundinnen einem verschwenderischen Lebensstil frönt. Zu seiner Frau hat Gianni ein gutes Verhältnis, nur scheint sich die Beziehung seit geraumer Zeit exklusiv außerhalb des Bettes abzuspielen. Als sein Freund Alfonso (Alfonso Santagata) ihm erzählt, dass so ziemlich alle Männer seines Alters – sogar der Trainingsanzugträger von nebenan – eine Geliebte haben, beginnt Gianni deshalb umgehend die Wohnviertel Roms nach paarungswilligen Frauen und seinem dritten Frühling abzusuchen.

Was sich wie eine potenziell schmierige Altherrenfantasie anhört, kommt tatsächlich ohne Altherrenwitze aus. Zwar zielt Gianni und die Frauen (Gianni e le donne) primär auf ein dem Protagonisten ähnelndes Publikum, aber die ebenso realistische wie empathische Beobachtung eines alternden Mannes auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis strahlt genug Wärme und Witz aus, um auch für Zuschauer anderer Altersgruppen offen zu sein. Ruhig und ohne erzählerische Extravaganzen folgt der Film Giannis Bemühungen um weibliche Aufmerksamkeit – und mit viel Selbstironie und sommerlich leichtem Humor zeigt er das Scheitern dieser Versuche.

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Ob es eine Opernsängerin, eine alte Liebe aus Jugendzeiten, die Pflegerin seiner Mutter oder die flirtfreudige Nachbarin ist, stets muss Gianni feststellen, dass er in sexueller Hinsicht „unsichtbar“ geworden ist. Stattdessen wird er als aufmerksamer Gentleman gelobt, als hilfreicher Freund oder gar als großväterliche Instanz. Insbesondere seine ebenso hypochondrische wie dominante Mutter beansprucht ihn ständig wegen unzähliger Lappalien. Die durch ihren Kaufrausch hervorgerufenen finanziellen Sorgen Giannis machen es ihm nicht unbedingt leichter, seinem Ziel – einer Affäre – näher zu kommen, schließlich kann er es sich kaum leisten, die Objekte seiner Begierde zum Essen einzuladen oder sich selbst mit einem neuen Anzug auszustatten.

Besorgt um seine physische Fähigkeit zum Liebesspiel, beginnt Gianni mit mehr oder minder sportlichen Übungen, die ihm jedoch – im Zusammenspiel mit den schlaffen Tränensäcken, die er wiederholt kritisch im Spiegel betrachtet – rasch sein Alter verdeutlichen. Auch als sein Kumpel und Kuppler Alfonso ihm ein Potenzmittel zusteckt, muss Gianni feststellen, dass man nicht unbedingt so jung ist, wie man sich fühlt. Das amüsante Finale spielt genau mit diesem Gegensatz aus Selbst- und Fremdbild, Imagination und Realität.

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Das zwischen sanfter Komik und ernsthaftem Interesse an der sozialen Situation reifer Männer changierende Drehbuch und der beschwingte, aber zurückhaltende Soundtrack sorgen dafür, dass Gianni und die Frauen über die gesamte Laufzeit unterhaltsam und humorvoll bleibt. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass di Gregorio hier eine bloße Fortsetzung seines Erfolgsfilms Das Festmahl im August (Pranzo di ferragosto, 2008) abliefert – zu groß sind die Überschneidungen im Personal, der Atmosphäre und der Thematik. Zudem bleibt gerade die Beziehung Giannis zu seiner Frau unterentwickelt.

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Di Gregorio macht wenig falsch, geht aber auch keinerlei Risiko ein: Die anfangs betriebene gesellschaftliche Analyse verschwindet zunehmend hinter der treffenden, wenn auch harmlosen und etwas vorhersehbaren Komik. Stilistisch bleibt sein Film angenehm unaufdringlich, aber eben auch unauffällig, weil recht konventionell. Das Ende wirkt unentschlossen, fast inkonsequent. Die Beschäftigung mit dem Thema Liebe und Sexualität im Alter hat Andreas Dresen in Wolke 9 (2009) wesentlich erfolgreicher unternommen, Gianni und die Frauen ist im Vergleich dazu eine zwar durchaus charmante Komödie, die allerdings keine bleibenden Spuren hinterlässt.

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