Ghostbusters

Emanzipation mit Fusionsenergie, oder: Wie ein schwaches Reboot Lust auf eine Fortsetzung macht.

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„Ain’t no bitches gonna hunt ghosts“, verkündet der erste Kommentar unter dem YouTube-Clip. Es ist keiner der zahlreichen Ghostbusters-Trailer, über die sich eine große Internet-Hassgemeinde seit Monaten empört. Das Video stammt von den Ghostbusters selbst. Es zeigt die erste Aufnahme einer „Klasse-4-Erscheinung“, auch Geist genannt, die je gemacht wurde. Doch auch die diegetische Öffentlichkeit ist reichlich unbeeindruckt vom Einsatz der Geisterjägerinnen, denen das Geisterplasma noch „in allen Ritzen“ steckt.

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Regisseur Paul Feig und Co-Autorin Katie Dippold wurden im Vorfeld der Produktion von einer derartigen Flut misogyner Kommentare überspült, dass der Trailer einen YouTube-Rekord für die meisten Down Votes aufstellte – woraufhin sich beide bereits vor dem Kinostart genötigt sahen, den Film zu verteidigen. Für einen Regisseur mit der Filmografie Feigs dürfte das zum Alltag gehören. Er begann seine Karriere mit der Schöpfung der Highschool-Serie Freaks and Geeks (1999-2000), wo er eine ganze Riege namhafter Komödiendarsteller um eine weibliche Protagonistin scharte. Nach zahlreichen Regiearbeiten für gefeierte TV-Serien fand er dann, mit Katie Dippold als Autorin und weiblichen Protagonistinnen wie Melissa McCarthy und Kristen Wiig, durch Taffe Mädels (2013) und Spy – Susan Cooper undercover (2015) wieder zur Komödie. Als Autorenduo sind Feig und Dippold also geradezu prädestiniert, die neuen Ghostbusters in den Gegenwind der Internetgemeinde zu führen, den sie geschickt als Metaebene nutzen.

Neue Helden

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Auch abseits dieser Selbstreferenz bleibt der Kampf um die eigene Glaubwürdigkeit das zentrale Thema des Films. Das Gespensterjägerinnen-Team sammelt Feig an den Universitäten New Yorks zusammen. Erin (Kristen Wiig) steht kurz vor einer Festanstellung an der Columbia University, wo sie ihre Karriere mit der „wirklichen“ Physik fortsetzen will – als Autorin eines Buches über das Paranormale kein leichtes Unterfangen. Während Erin versucht ihre damalige Leidenschaft mit merkelesken Hosenanzügen und biederem Auftritt zu überdecken, ackert ihre alte Freundin und Co-Autorin Abby (Melissa McCarthy) im Keller einer abseitigen Hochschule. Hier führt sie zusammen mit der Punk-Ingenieurin Holtzmann (Kate McKinnon) den eigenen Kampf um Akzeptanz, mit Leidenschaft, Stolz und Nuklearfusionsgadgets. Als kleine Finanzspritze dient dazu das Buch, das Erins Columbia-Anstellung gefährdet und für Abby gute Verkaufserlöse auf Amazon erzielt. Als das Trio gemeinsam in die erste Begegnung der paranormalen Art gerät, wird Erins Spießerfassade von einem Schwall Geisterkotze weggespült, und ihre Leidenschaft für das Paranormale aufs Neue geweckt. Die Freundinnen vereinen sich wieder unter dem Banner der Gespensterjäger. Nachdem das ortskundige Großmaul Patty (Leslie Jones) das Trio zum Quartett komplettiert, wird auch der Name Ghostbusters wiedergeboren. Wie so vieles in Feigs Film ist auch dieser Name nicht Wunsch der Protagonistinnen, sondern ein alter Begriff, den die Fernsehnachrichten ihnen aufdrücken.

Alte Overalls

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Der Unheilzustand, den New York bereits in den 1980er durchleben musste, verbreitet sich, mehr als 30 Jahre später, mit der gleichen visuellen Manifestation des Bösen. Düstere Wolken kreisen über den Wolkenkratzern der Stadt, während Marshmallow-Mann und Slimer die Straßen Manhattans heimsuchen. Ghostbusters schafft es nicht, eine klare Trennlinie zum Vorgänger zu ziehen. Ein Reboot bleibt per Definition dem Vorgänger verpflichtet, doch Feig schaltet derart viele Selbstreferenzen zwischen, dass dem Film immer wieder der Gang rausspringt. Die Geisterjägerinnen scheinen keinen Schritt tun zu können, ohne über ein Gimmick aus den Reitman-Filmen zu stolpern oder für einen Cameo-Auftritt betagter Geisterjäger anhalten zu müssen. Einzig Chris Hemsworth bleibt als geiler Sekretär Kevin frei von den Zwängen der Vorgängerfilme. Wie ein mit Eiweißtranks hochgezüchteter Peter Sellers bewegt sich der Blondschopf durch die Bürokulisse, die als Minenfeld der Physical Comedy ein unbeschwerter Gegenentwurf zum Pflichtbewusstsein des Films ist.

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Verlässt Feig das Büro, verlässt ihn sein Timing. So hat das Saturday-Night-Live-geschulte Lady-Quartett nach dem Überstreifen der alten Overalls zwar großen Spaß daran, die nostalgischen Protonenpacks und deren zähflüssige Plasmastrahlen auf die Gespenster zu richten – ein Feuerwerk, für das die CGI-Sequenzen eine aufpolierte Bühne bieten. Doch die Protagonistinnen verschwinden immer wieder im Hintergrund der 3D-Effekte fliegender Phantome, mit denen sie konkurrieren müssen. Der Kampf um die eigene Präsenz, den die neue Garde der Frauenfiguren in vielerlei Hinsicht selbstbewusst austrägt, bleibt so ein schwerfälliges Kratzen an der Firnis des Originals. Sollte sich der Fingerzeig auf eine Fortsetzung bewahren, kann man sich nur wünschen, dass die Protonenstrahler der neuen Ghostbusters unter der Patina des Vorgängers ihre eigene Geschichte freigelegt haben.

Trailer zu „Ghostbusters“


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