Der Knastcoach

Bloß nicht gefickt werden! Will Ferrell und Kevin Hart bestärken sich gegenseitig in ihrer Penetrationsangst.

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In der Welt von Der Knastcoach (Get Hard) gibt es nur oben und unten, nur Herren und Bedienstete. Gleich am Anfang nimmt eine Split-Screen-Sequenz diese vertikale Teilung vor und stellt die gegensätzlichen Lebensräume der beiden Protagonisten einander gegenüber: auf der einen Seite die sauber schimmernde Upperclass-Welt des Investment-Bankers James (Will Ferrell), auf der anderen ein mieses Ghetto in New Orleans, dem der Autowäscher Darnell (Kevin Hart) möglichst schnell entfliehen will. Jeder ist auf dem Platz, den die Gesellschaft für ihn vorgesehen hat, entweder in den oberen Etagen eines Hochhauses oder im schummrigen Keller des selbigen. Die Handlung funktioniert nach klassischer Buddy-Manier, als Annäherung zweier möglichst unterschiedlicher Figuren. Dafür muss der Reiche zunächst seine Privilegien verlieren. Nachdem er wegen Betrugs zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wird, braucht er jemanden, der ihm zeigt, wie man in San Quentin überlebt. Dass Darnell noch nie im Gefängnis war, ist dabei unwesentlich. Stattdessen liefert James harte Statistiken – und versucht sie in eine weiche Metapher zu packen: „If there are three slices of pizza and all of them are black, then at least one of them is going to prison.“

Klischees, die sich gegenseitig aufheben

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Mit einem besonderen Faible für das Grobe suhlt sich Regisseur Etan Cohen in dem tiefen Graben, der seine beiden Helden trennt. Dass der weiße Mann Angst vor dem schwarzen hat, ist in den USA eine traurige Wirklichkeit, die sich regelmäßig in gewalttätigen Ausschreitungen entlädt. Der Knastcoach versucht die Anspannung dagegen mit einem Humor zu lösen, durch den sich die Klischees gegenseitig aufheben. Dem Gangstergehabe des vermeintlich auf der Straße sozialisierten Darnell setzt James die verweichlichte Grimasse der Oberschicht entgegen. Immer wieder zelebriert der Film diese Wehleidigkeit, und ein Komiker wie Ferrell ist genau der Richtige, um das auszuspielen, ohne sich zu weit von seiner Figur zu entfernen. Verbissen versucht James, den mad dog zu geben, und kommt dabei doch über den sad dog nicht hinaus. Was die Dynamik zwischen den beiden Hauptdarstellern angeht, wäre jedoch mehr drin gewesen. Cohen, der bisher als Drehbuchautor und Gagschreiber gearbeitet hat, fehlt es oft schlichtweg am richtigen Timing, um den Funken zwischen Ferrell und Hart überspringen zu lassen. Unterhaltsam ist Der Knastcoach trotzdem weitgehend – und bei all der ausgestellten Dummheit auch nicht unklug.

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Der Film hat Spaß an seinen Stereotypen, daran besteht kein Zweifel. Im Grunde genommen besteht fast die gesamte Story aus einer einzigen Nummernrevue der immergleichen Klischees. Höhepunkt dieses Kompositionsprinzips ist eine Szene, in der das Treiben auf einem Gefängnishof nachgestellt werden soll. Während Hart Ferrell von allen Seiten bedrängt, schlüpft er abwechselnd in die Rolle eines Schwarzen, eines Latinos und eines Schwulen und verkörpert alle drei so, wie sie sich jemand vorstellt, der solchen Menschen noch nie begegnet ist. Allerdings ist Cohens Spiel mit den Stereotypen durchaus transparent. Darnell ist in Wirklichkeit ein ehrgeiziger Kleinbürger, der nur den harten Gangster gibt, weil James ihn so sehen will. Auch sonst stammen die Rollenbilder, die uns der Film präsentiert, ganz offensichtlich aus der Mythologie der Popkultur. Seine eigene Biografie reichert Darnell etwa mit einer Episode aus Boyz n the Hood (1991) an, während James aufgrund eines Lil-Wayne-Gedächtnisoutfits seine Umgebung als Hip-Hop-Video wahrnimmt. Zwei Männer fantasieren sich hier eine Welt zusammen, die sie nicht kennen. Alles ist nur Simulation, so wie die klapprigen Gitterstäbe, die in der protzigen Villa San Quentin darstellen sollen.

Eine männliche Urangst

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Obwohl Der Knastcoach von Differenzen erzählt, handelt er letztlich doch mehr von der Verbrüderung. Im Vordergrund der meisten Witze stehen dementsprechend nicht nur die sozialen und ethnischen Unterschiede zwischen den Protagonisten, sondern auch die Gemeinsamkeit, männlich und heterosexuell zu sein. Der ganze Film ist eigentlich nur Ausdruck der tief sitzenden Urangst, gefickt zu werden oder zumindest einen Schwanz lutschen zu müssen. Als Teil seines Trainings versucht Ferrell Letzteres mit hoher dramatischer Intensität in der Toilette einer Schwulenbar. Und es reicht Cohen nicht, das mit einer Reihe angewiderter Gesichtsverrenkungen auszukosten, er zieht es auch noch per Zeitlupe in die Länge. Solche Szenen sind natürlich reichlich albern und auch keineswegs politisch korrekt, aber das müssen sie auch nicht sein. Letztlich geht es hier weniger um die Diffamierung von gleichgeschlechtlichem Sex als um die Hysterie heterosexueller Männer, die schon bei dem Gedanken daran Schnappatmung bekommen. In den USA wurde Der Knastcoach nach seiner Premiere trotzdem fast durch die Bank abgewatscht, weil er geschmacklos, rassistisch und homophob sei. Unabhängig davon, ob man diese Vorwürfe teilt, basieren sie auf einer etwas beschränkten Vorstellung des Genres. Wo, wenn nicht in der Komödie, sollte sonst noch Platz sein für infantile Schimpftiraden, schmutzige Witze und, ja, auch Klischees, die ebenso bestätigt wie gebrochen werden können? Der Knastcoach wirkt manchmal wie ein Ruf aus der Vergangenheit, der uns daran erinnern will, dass die Zukunft der Komödie nicht darin bestehen kann, möglichst niemandem weh zu tun.

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