Gesetz der Straße - Brooklyn’s Finest
Von der Unmöglichkeit, ein guter Cop in Brooklyn zu sein: In seinem düsteren Polizei- und Gangsterthriller erzählt Regisseur Antoine Fuqua die Geschichten dreier Männer, die an den Realitäten ihres Lebens scheitern.
Standortbestimmung und Identitätsfindung sind von jeher Bestandteile der Figurenzeichnung im Film. Charaktere lassen sich so zeit- und sozialkritisch kontextualisieren und die Auswirkung der Sozialisation auf ihr Handeln präsentieren. Und gerade der genretypische Polizeifilm nutzt häufig die Darstellung von persönlichen Verwerfungen, denn wenn die uniformierten Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Selbstverwirklichung, berufsbedingtem Anspruch und Alltagsrealität zerrieben werden, lassen sich mannigfaltige Handlungsmotoren in Gang setzen. So ist das auch in Das Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (Brooklyn’s Finest, 2009) von Antoine Fuqua. Dabei ist der Originaltitel eigentlich eine sarkastische Allegorie auf die Selbstbezeichnung der New Yorker Polizei, denn wie schon in seinem Copfilm Training Day (2001) geht es um den Wechsel der Fronten, wenn aus edlen „Freunden und Helfern“ Schurken werden.
Genretypisch sicher gewählt ist das Setting, denn die Protagonisten operieren im sozialen Brennpunkt Brooklyn – wo archetypisch Gewalt, Drogen und das organisiert-kriminelle Böse regieren. Der Film erzählt die Geschichten dreier Polizisten. Sie kennen sich nicht, und dennoch haben alle drei – außer dem Ort ihrer Tätigkeit – etwas gemein: Sie haben mächtige Probleme. Bereits in der Exposition wird das mit großem Gespür für ökonomisches Erzählen klar gemacht:
Szene 1: Sal (Ethan Hawke) – Leiter einer Antidrogeneinheit – parliert mit einem Unterweltinformanten (Vincent D’Onofrio) bei einer Geldübergabe im Auto. Nach einem auflockernden Joke erschießt Sal den Ganoven und macht sich mit dem Geld aus dem Staub. Szene 2: Eddie (Richard Gere) – der ältere Streifenpolizist – beginnt seinen Tag am Bett mit einem Ritual: zuerst auf nüchternen Magen einen harten Drink, dann setzt er sich den Revolver an den Mund und drückt ab – Russisch Roulette. Szene 3: Tango (Don Cheadle) – der schwarze Undercovercop – transportiert Heroin in seinem Wagen, als er von einer Menschenmenge aufgehalten wird. Die Polizei hat einen Schwarzen erschossen.
Die Hintergründe der sämtlich ambivalent angelegten Figuren enthüllt der Film in drei parallel montierten Geschichten. Was aber im Nachgang kommt, ist eine – zumindest solide konstruierte – Ansammlung von überkommenen Cop-Film-Klischees:
Sal braucht verzweifelt Geld. Seine asthmakranke Frau Angela (Lily Taylor) ist wieder einmal schwanger, das schäbige Häuschen ist für die wachsende Kinderschar viel zu klein und zudem von gefährlichstem Schimmelpilz befallen, und das Projekt, ein größeres Haus zu erwerben, droht aufgrund Geldknappheit endgültig zu scheitern.
Eddie ist kein Held. Er steht acht Tage vor der Pensionierung und will nur überleben. Der Polizeialltag in Brooklyn hat ihn abgestumpft – Ideale sind Überlebensinstinkt gewichen. Seine familiären Verhältnisse sind zerrüttet. Zärtlichkeit und menschliche Wärme findet der Alkoholiker nur bei der Prostituierten Chantel (Shannon Kane).
Tango ist das Undercoverdasein leid. Dem lebensgefährlichen Job ist seine Ehe schon längst zum Opfer gefallen, und er wünscht sich sehnlichst zurück an einen Schreibtisch in einer regulären Schicht. Konturen zwischen Freund und Feind sind, besonders durch seine Freundschaft zu Drogenboss Caz (Wesley Snipes), verschwommen.
Brooklyn’s Finest ist vor allem ein Actionthriller in Genrekonvention, mit der Ambition, eine Milieustudie zu sein. Doch an diesem Anspruch scheitert der Film, denn zu lebensfern, zu platt sind die Geschichten, zu überkonstruiert wirkt das Zusammenspiel der drei Erzählstränge, die sich zwar narrativ elegant, vor allem in Tempo und Timing, ergänzen, jedoch gerade hierdurch zu glatt ineinandergreifen. Den drei Hauptdarstellern – allen voran Ethan Hawke – gelingt es durchweg, ambivalente Burnout-Cops zu kreieren, was die Schwächen der konstruierten Handlungsmotive jedoch nicht zu überwinden vermag. Denn wenn am Ende die drei Erzählebenen in Ort und Zeit zusammenkommen und die Figuren – entsprechend der jeweiligen Ausweglosigkeit – ihr persönliches Finale finden, dann erreicht der Film im Gestus eine pathetische Theatralität, die nahezu alle gelungenen Elemente und die durchweg starken Darstellerleistungen der Starbesetzung abräumt. Daran können die ästhetisch stimmigen Bilder von Patrick Murguia, wie auch der starke, weil sehr besonnen akzentuierte Soundtrack von Marcelo Zarvos wenig ändern. Und dass Richard Gere als pensionierter Polizist Eddie am Ende doch noch eine Heldentat vollbringen darf, macht die Sache nicht besser – im Gegenteil.
Filmkritik von Robert Zimmermann
Veröffentlicht am 19.02.2010
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Film-Angaben
Titel: Gesetz der Straße - Brooklyn’s Finest
Originaltitel: Brooklyn’s Finest
USA 2009
Laufzeit: 140 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Michael C. Martin, Brad Caleb Kane
Produktion: Basil Iwanyk, John Langley, Elie Cohn, John Thompson, Avi Lerner
Bildgestaltung: Patrick Murguia
Montage: Barbara Tulliver
Musik: Marcelo Zarvos
Darsteller: Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Will Patton, Ellen Barkin, Brian F. O`Byrne, Lily Tylor, Vincent D’Onofrio, Joseph Adams, Wade Allain-Marcus
Kinostart: 01.04.2010
DVD-Angaben
Titel: Gesetz der Straße - Brooklyn´s Finest
Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 127 Minuten
Extras: Geschnittene Szenen; Featurette; Trailer
Verleih ab: 10.08.2010
Verkauf ab: 02.09.2010
Copyright Gesetz der Straße - Brooklyn’s Finest
Fotos: © Kinowelt
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