George Michael - A Different Story

George Michael lässt in dieser Dokumentation Ereignisse aus seiner musikalischen und persönlichen Laufbahn Revue passieren und nutzt dabei die ihm gebotene Pattform geschickt zur Selbstinszenierung.

George Michael - A Different Story

Es war ein gefundenes Fressen für die internationale Klatschpresse, als George Michael vor sieben Jahren wegen Sex in einer öffentlichen Toilette verhaftet wurde. Auch wenn viele seine Homosexualität ohnehin geahnt oder davon gewusst hatten, war es ein großer Schock für Fans und Medien, dass es einem Star von seiner Größenordnung gelang, diesen Aspekt seines Lebens über den Zeitraum einer mehr als zehnjährigen Karriere zu verheimlichen. George Michael zog die Konsequenzen aus diesem Erlebnis und wechselte von der Defensive zum Frontalangriff: Mit “Outside” schrieb er nicht nur einen Song über sein unfreiwilliges Outing, auch das dazugehörige Video sorgte mit der Darstellung knutschender Polizisten für einige Kontroversen.

Durch diesen Vorfall schien der kamerascheue Star plötzlich ein neues Verhältnis zu seinem Ruhm zu bekommen und machte sich bei den Medien weniger rar, als man es bisher von ihm gewohnt war. Southan Morris, der schon als Regisseur für diverse BBC-Produktionen in Erscheinung trat, drehte mit George Michael - A Different Story nun einen Film über den Musiker, der sowohl dessen Karriere retrospektiv nachzeichnet, wie auch die Folgen seines Outings behandelt. Dabei bleibt George Michaels Musik natürlich zentraler Bestandteil, obwohl sich die chronologische Nacherzählung seiner Karriere vor allem an Ereignissen aus dem Privatleben orientiert.

George Michael - A Different Story

Schon im Voraus wurde der Film von Michael selbst als Reflektion seiner Laufbahn als Musiker angekündigt, in der auch einige kritische Stimmen zu Wort kommen sollten. Tatsächlich äußern sich neben Freunden, Kollegen oder dem aktuellen Lebensgefährten auch Prominente, die Michael gegenüber weniger positiv gestimmt sind. Die zickigen Kommentare von Noel Gallagher und besonders von Boy George tauchen aber trotz ihres hohen Unterhaltungswertes nur vereinzelt am Rande des Films auf, während der Hauptteil der Dokumentation genau jene Beweihräucherung des Stars vornimmt, die dieser scheinbar verhindern wollte. Noch dazu sind die Äußerungen prominenter Kollegen wie Geri Halliwell, Elton John, Mariah Carey und Sting, die teilweise auf nur einen Satz reduziert werden, insgesamt so verallgemeinernd und nichts sagend, dass der Eindruck entsteht, man hätte die Interviewpartner allein wegen ihrem Bekanntheitsgrad ausgewählt.

Die verzichtbaren Statements der Gäste gehen ohnehin als Lückenfüller der zahlreichen Interviews mit Michael selbst unter, in denen Morris dem Musiker die Plattform bietet, sich zu Gerüchten und Vorurteilen über seine Person zu äußern. Im Rahmen dieser ausführlichen Selbstdarstellung stilisiert sich George Michael unter anderem zum introvertierten Wunderkind, zum Märtyrer im Kampf gegen den Großkonzern Sony und zuletzt als moralischen Widerstandskämpfer gegen den Irakkrieg. Untermauert werden die streckenweise etwas selbstgefälligen Kommentare noch zusätzlich durch reichlich Archivmaterial und Videoclips von den Anfängen seiner Karriere bis heute.

George Michael - A Different Story

Das schon im Titel angekündigte „Andere“ über George Michael, das vom Wissen herkömmlicher Klatschsendungen Abweichende, zeigt der Film vor allem in der Behandlung privater Schicksalsschläge. So erzählt der Musiker in A Different Story etwa von dem Zwiespalt, als er beim Tribute-Konzert für den an Aids verstorbenen Freddie Mercury auftrat, während sein damaliger Lebensgefährte im Sterben lag an den Folgen genau jener Krankheit. Michael hat sich von Schicksalsschlägen wie diesem jedoch nicht unterkriegen lassen und ist, glaubt man den Äußerungen seiner Freunde, in den letzten Jahren zu einem umgänglicheren und entspannteren Menschen geworden. Das macht sich unter anderem daran bemerkbar, dass er so selbstironisch ist, mit dem Kamerateam den Schauplatz seiner Verhaftung aufzusuchen. Vielleicht wird hier aber auch nur Koketterie als Selbstironie ausgegeben.

Trotz einiger guter Ansätze ist A Different Story letztendlich nicht mehr als ein etwas einseitig auf die Sympathie des Künstlers abgestimmtes Porträt, dass mit seiner Mischung aus Interviews und Archivmaterial allzu sehr nach einer als schnelle Massenware für das Musikfernsehen produzierten Doku im Stil von VH1-Masters aussieht. Es stellt sich auch die Frage, ob der Film, den George Michael als „Weihnachtsgeschenk für meine Fans“ bezeichnet, im Fernsehen nicht besser aufgehoben wäre. Die Präsentation von Videomaterial auf einer Kinoleinwand impliziert ohnehin technische Einbußen, die den gewollten Glamour des Films schmälern. So bleibt der Film zwar als Dokumentation belanglos, Fans, die sich eine Hymne auf ihren Star in Dolby Surround zu Gute führen möchten, dürften aber dennoch auf ihre Kosten kommen.

Kommentare


Bernhard

Ich muss sagen das diese Critik hier nicht von jemandem geschrieben worden ist der ein bisschen Ahnung von George Michael hat. Sehr oberflächlich und nicht der wahrheit entsprechend. Im ganzen sehr entäuschend.
GM erzählt über seine schwierige Lebensgeschichte da wird nichts irgendwie beschönigt oder kokketiert, stimmt überhaupt nicht.






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