Gente di Roma

Der italienische Regiemaestro Ettore Scola will mit diesem Film seiner Heimatstadt Rom eine humorvolle und gleichzeitig melancholische Liebeserklärung machen. Damit fordert er den Vergleich zu Fellini heraus, verzettelt sich aber durch die Vielfalt von geschilderten Alltagssituationen mit diesem Porträt der Menschen Roms.

Gente di Roma

Der italienische Regiealtmeister Ettore Scola will mit diesem Film seiner Heimatstadt Rom eine humorvolle und gleichzeitig melancholische Liebeserklärung machen. Lange Zeit habe er das nicht gewagt aus Angst vor dem unvermeidlichen Vergleich mit Fellinis Roma (1971). Doch inzwischen, sagt Scola, sei diese Angst verschwunden und mit dem Alter komme auch der Mut, Risiken einzugehen. Gente di Roma erzählt sehr viel direkter und einfacher von den Menschen in Rom, als Federico Fellinis Film, der in seiner apokalyptisch beunruhigenden Liebeserklärung dem Mythos und der Illusion Roms verfallen war. Dort wo Fellini sich für surreale, stark stilisierte Bilder entschied, wählt Scola die realitätsnahe Ästhetik der Digitaltechnik und lässt Schauspieler Momentaufnahmen aus dem Leben in der Metropole spielen.

Der Film beginnt früh morgens und endet in der Nacht. Im Laufe eines Tages zeigt Scola in kurzen Szenen unterschiedlichste Facetten der in Rom lebenden Menschen. Ein Mann, der arbeitslos geworden ist nimmt weiterhin wie jeden Morgen den Bus in die Stadt. Über den gesamten Tag kreuzt dieser Bus auf seiner Strecke Stationen, die winzige Einblicke in das alltägliche Leben der Metropole zulassen. Es sind Menschen jeden Alters und jeder sozialen Klasse, denen wir begegnen. Ein durchgeknallter Intellektueller referiert über das Verhältnis der Römer zu den in Rom lebenden Immigranten. Zwei pubertierende Jungen beobachten sich hinter Erotikmagazinen versteckend eine Putzfrau, die gekleidet im knappen Rock Fenster putzt. Ein unbeholfenes Mädchen wird von ihren Mitschülern ausgeschlossen. Einer ist rassistischer Barmann. Ein anderer hört auf dem Friedhof die Stimmen der Verstorbenen. Mit Schauspielern werden diese Alltagssituationen in einer dokumentar-fiktionalen Mischung inszeniert, die auch immer einen gesellschaftspolitischen Bezug haben: Exponiert stehen Rassismus, Immigrationsproblematik, Emanzipationsdiskurse, Homo- und Heterosexualität, Arbeitslosigkeit, Armut und Alter nebeneinander. Sie werden von Scola aber keiner tiefführenden Analyse unterzogen, sondern lediglich aufgeworfen, um im nächsten Moment schon wieder den Blick auf einen anderen Winkel der Metropole zu richten.

Gente di Roma

Es gibt einige starke Momente in diesem Film. Eine alte Frau, offensichtlich Jüdin, verlässt ihre Wohnung und auf der Straße erlebt sie wie in einem Flashback die Okkupation durch Nazis und fällt in Ohnmacht. Die Perspektive wechselt in die Totale und wir sehen, dass in der Straße lediglich ein Film mit Schauspielern in Naziuniformen gedreht wird. Diese Szene dauert weniger als fünf Minuten und wäre alleine schon Stoff für einen Film. Scola wendet jedoch den Blick in ein Heim für Alzheimer-Patienten, in der eine fürsorgliche Enkelin ihre Großmutter besucht und erfolglos versucht, ihr ein, zwei Erinnerungen zu entlocken, indem sie der alten Dame Fotos aus ihrer Jugend zeigt. In diesem Moment thematisiert Scola ein Vergessen, ähnlich wie sich bei Fellini 2000 Jahre alte Fresken bei Ausgrabungsarbeiten in Nichts auflösen.

Der Film ist ein Kaleidoskop Roms, das mal Betroffenheit auslöst und im nächsten Moment ins seichte Gewässer driftet. Scola scheint sich über Vieles zu wundern, was nebeneinander her in einer Metropole passiert, ohne sich auf einen der vielen Aspekte wirklich konzentrieren zu wollen. Tragische Momente stehen neben ironischen und humorvollen Beobachtungen der Menschen Roms. Auf den ersten Blick entsteht so der Eindruck von Beliebigkeit. Für Kenner Roms bedeutet diese Art der Beiläufigkeit aber auch eine typische Haltung der Italiener. Das kann gefallen, oder auch nicht.

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