Geliebte Lügen

  • Kritik

  • Trailer
  • Bilder
  • Kinoprogramm
  • TV

Wenn Lügen die Liebe sezieren, wenn Gefühle plötzlich nicht mehr genügen, nicht mehr erwidert werden. Julian Fellowes hat einen schmerzhaften Film über die Liebe in ihrer ganzen Grenzenlosigkeit gedreht.

Geliebte Lügen

Der britische Charaktermime Tom Wilkinson begeisterte mit seiner Rolle als Vater, der mit dem Tod seines Sohnes fertigwerden muss in dem minimal budgetierten Independent-Erfolg In the Bedroom (2001). Auch als James Manning verkörpert der Theaterdarsteller einen Mann, dessen Leben ihm unter den Füßen entgleitet und der sich einem großen Verlust stellen muss. Doch während Todd Field ihn in In the Bedroom in vielen anspielungsreichen Bildern wortlos das Drama ausagieren ließ, verfolgt Julian Fellowes in Geliebte Lügen einen anderen Plan. Seine Bilder sind keine Metaphern, besitzen keinen symbolischen Verweischarakter, sie stehen von Anfang an für sich selbst.

Ein Kricketspiel im Londoner Vorland. James blamiert sich eher, als dass er Erfolg ausstrahlen würde. Ganz anders William Bule (Rupert Everett), dessen Anziehungskraft augenscheinlich ist. Auch auf James’ Frau Anne (Emily Watson). Nur deren Haushälterin Maggie scheint dem selbstgefälligen Mann gegenüber, mit dem sich ihre Wege in der Vergangenheit bereits einmal kreuzten, Vorbehalte zu hegen.

Geliebte Lügen

Einige Monate später stehen diese vier Personen aufgereiht vor einer Haustür, verbunden durch ein Netz aus Schmerz, Schuld, Lügen und Unterlassungen, dem Polizisten Marshall gegenüber. All dies trägt schon die Kricketsequenz in sich, Regisseur Fellowes inszeniert keine klassische Kriminal- oder Ehebruchsgeschichte. Er zeigt vielmehr, wie sich vor unseren Augen etwas vollzieht, das zunächst nur James nicht wahrhaben kann. Er liebt seine Frau, hat sich aber so sehr in beider kinderlosem Alltag, der von seinem Job als Anwalt dominiert wird, arrangiert, dass er nicht bemerkt, wie sie ihm entgleitet. Als ihm die Situation bewusst wird, glaubt er noch immer, den Schaden in Grenzen halten zu können. Doch irgendwann bringt Anne es auf den Punkt: „Ich falle durch jeden Test, den Du mir stellst. Und doch stellst Du sie…“. Seine Mixtur, sie zu prüfen, ihr Chancen einzuräumen, um auch ihrem gemeinsamen Leben eine Perspektive zu geben, ist ein schmerzvoller Selbstbetrug.

Dieser Schmerz spricht aus den nüchternen Bildern des Kameramanns Tony Pierce-Roberts. Schon lange bevor den Figuren die Tragweite ihrer tragischen Handlungen bewusst wird, ist es das filmische Auge, das mit Zooms und Fahrten eindrücklich das Unheil prophezeit.

Am Ende fährt die Kamera im Kran von zwei Personen weg, die Arm in Arm einen Friedhof verlassen. Doch sie gehen in keine gemeinsame Zukunft. So ist auch das letzte Bild von Schmerz durchdrungen.

 

Filmkritik von Sascha Keilholz

Veröffentlicht am 29.03.2006

Kommentare zu Geliebte Lügen

Es gibt bisher noch keine Kommentare.

Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Geliebte Lügen. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.

Kommentar schreiben

*
*
*


*

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.

Blog: Berlinale im Dialog

Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog

 
 

Film-Angaben

Titel: Geliebte Lügen

Originaltitel: Separate Lies

Großbritannien 2005

Laufzeit: 85 Minuten

 

Regie: Julian Fellowes

Drehbuch: Julian Fellowes

Produktion: Steve Clark-Hall, Christian Colson

Darsteller: Tom Wilkinson, Emily Watson, Rupert Everett, Linda Bassett, Hermione Norris, John Warnaby

 

Kinostart: 23.03.2006

 

Weitere Filme

... mit Tom Wilkinson

The Green Hornet
USA 2011
Von Michel Gondry

Die Lincoln Verschwörung
USA 2010
Von Robert Redford

Eine offene Rechnung
USA 2010
Von John Madden

... mit Emily Watson

Gefährten
USA 2011
Von Steven Spielberg

Mitten im Sturm
Deutschland, Belgien, Frankreich, Polen 2009
Von Marleen Gorris

Zurück im Sommer
USA 2008
Von Dennis Lee

 

Copyright Geliebte Lügen

Fotos: © 20th Century Fox

 

Neue Kritiken

alle neuen Kritiken

 

Neueste Kommentare

 

Überlebensstrategien im Japan der Nachkriegszeit

Retrospektive des japanischen Filmemachers Kawashima Yuzo im Forum auf der Berlinale 2012. weiter

 

Christoph Terhechte: abhängig, ohne Verpflichtungen

Interview mit Christoph Terhechte, Leiter des Forums der Berlinale. weiter

 

Boardwalk Empire

Die erste Staffel der HBO Serie auf DVD weiter