Gangs

Eine ambitionierte Mischung will uns Rainer Matsutani da mit Gangs auftischen: zugleich Gang-, Jugend-, und Großstadtfilm soll er sein.

Gangs

Gangs rutscht schon in den ersten Sekunden herab in die Kategorie des B-Movies und verlässt sie bis zum Ende nicht. Als Flo (Jimi Blue Ochsenknecht) zu Beginn den Sonnenaufgang über den Dächern Berlins betrachtet, aus dem Off Belanglosigkeiten über die bevorstehende Haftentlassung (Delikt: Drogenkurier) seines großen Bruders Chris (Wilson Gonzales Ochsenknecht) recht emotionslos ins Mikro spricht und zuletzt mit dem Motorrad davon braust, läuft ein erstes Raunen durch den Kinosaal. Soviel Plattitüden werden konzentriert, so viele Muster des Bekannten (re-)aktiviert, dass ungläubig gekichert wird. Durch seinen expliziten Bezug auf Traditionen des Gang- und Prügelfilms stemmt sich Gangs gegen eine allzu ernste Rezeption, macht sich als leichtes Entertainment offensichtlich. Doch auch in den Gefilden des Genrefilms gibt es Messlatten, die zwischen lustvollem Spiel mit Konventionen und der Fadheit des Plagiats verlaufen. Gangs reißt sie leider allzu oft.  

Wobei die Bilder des Films in ihrem meist dezidiert unrealistischen Look durchaus Stil beweisen. Licht fällt in allen Farben des Regenbogens auf die Sets eines zwischenweltlichen Berlins, halb wirkliche Stadt samt Fernsehturm, Gedächtniskirche und graffitiverschmierter Straßenzüge; halb Kollage aus Unterweltkulissen voller Anklänge an Vorreiter des urbanen Gangsterfilms. Man denkt an The Warriors (1979), Die Klapperschlange (John Carpenter's Escape from New York, 1981) und West Side Story (1961), nur heller und bunter. Kurz darauf fühlt man sich verwirrt an Knallhart (2006) oder Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) erinnert. Nie wird der Zuschauer wirklich schlau aus der paradoxen Melange von Bezügen zu Traditionen der visuellen Medien und einigen der Wirklichkeit verhafteten Großstadtaufnahmen.

Gangs

Eye Candy zuhauf, wäre da nicht diese seltsam geschmacklose Glasur der Uneigenständigkeit, die den Film überzieht mit durchgekauten Manierismen des Mainstream-Hip-Hop-Videos. Zu oft hat man sie gesehen, die Zeitlupen, Blendeffekte, schiefen Untersichten. Der glatte Style zerstört die Spannung zwischen den Bildern, löst sie sowohl aus einer Erdung im zeitgenössischen Berlin als auch von den Fantasmen der Kinofiktion und führt sie zusammen in einer Welt schnarchiger Oberflächenreize. Damit sich die Jungdarsteller widerstandslos in die geleckten Kompositionen einfinden, tragen sie eine Garderobe, die den Bildern ebenbürtig ist. Zementharte Mode-Vokuhilas, viel Accessoire Bling-Bling und abgefahrene Gang-Outfits.

Unsere Helden gehören der harten Bande der Rox an, erkenntlich an einem gefährlichen Logo hinten auf den Lederjacken. Was sie denn genau so hart macht, bleibt leider etwas unbestimmt. Autoknacken wird erwähnt, die Sache mit den Drogen schlug ja scheinbar ziemlich fehl. Aber sie fahren heiße Motorräder, ein scharfes Auto – Chevrolet Cabrio –, grüßen sich gern und häufig mit Johlen und Schulterklopfen und tragen diese krassen Klamotten. Die Äußerlichkeiten müssen die Geschichten erzählen, die die Schauspieler nicht zu erzählen vermögen. Denn Gangs ist auch ein Beispiel missglückten Castings. Die Hauptdarstellerriege rekrutiert sich fast vollständig aus den Wilden Kerlen 1-5 (2003-2008) und Freche Mädchen (2008). Jugendliche also eher aus dem bourgeoisen Umfeld. Und nun müssen sie auf die harten Straßen Berlins.

Gangs

Die Peinlichkeiten und fast surrealistischen Brüche, die entstehen, wenn Regisseur Matsutani Jimi Blue Ochsenknecht mit seinem sanften Bubengesicht in Szenen von Gewalt oder erwachsener Grübelei verpflanzt, kann man schon fast als Camp – der pointierten Übertreibung des Populärkulturellen als ästhetisches Konzept – bezeichnen. Die Geliebte scheint endgültig verloren, und so sitzt Flo, wie es harte Männer tun, alleine an der Bar und besäuft sich mit Schnaps.

Ein Höhepunkt dieser eigentümlich künstlichen Inszenierung von Gangs ist Sophies (Emilia Schüle) großer Ballettauftritt, bei dem trotz massiven Einsatzes von Überblendungen und Weichzeichnungen die Sprünge zwischen Aufnahmen der Schauspielerin und denen eines Doubles so klar erkennbar sind, dass die Szene fast provokant wirkt. In mehreren Doppelbelichtungen sieht man sie beide zugleich: Original und Plagiat; Gesicht der einen, Körper der anderen. Was eine gute Zusammenfassung des Films sein könnte.

Gangs

Denn wo man auch ansetzt, stößt man auf ein unerquickliches Gemisch aus schlecht geklauten Versatzstücken der amerikanischen Populärkultur und deren wirkungslosem Verpflanzen in deutsche Szenarien. Die Figuren sprechen ein eigenartig hölzernes Idiom bar jeder (sub-)kulturellen Repräsentationskraft: reine deutsche Grammatik, korrekt ausbuchstabierte Satzgefüge („Da ist etwas los“ statt, beispielsweise, „Da is was los“). Ebenso will Gangs zugleich beides: die Freiheiten fantastischen Fabulierens mit abgefahrenen Kostümen und dezidiert unrealistischen Situationen einerseits, den expliziten Bezug zu Berlin und den hippen Hauptstadtbonus andererseits. Insofern ist Gangs fern von allem, vieles ein bisschen, aber nichts wirklich.

Trailer zu „Gangs“


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Kommentare


Luca Faller

**Beleidigender Kommentar gelöscht. Sachliche Auseinandersetzungen sind willkommen.**


Niklas Bercks

Was war an dem Kommentar von Luca Faller bitte beleidigend? Sie oder er hat doch nur diese völlig verblendete Kritik kritisiert. Das ist Unterhaltungskino für Kids und wird hier rezensiert, als ob es um einen Godard-Film gehen würde. Wenn sie Kritik Ihrer Leser zensieren müssen, dann können Sie ihre Seite gleich schließen.


Frédéric

Ich habe den Kommentar gelöscht, weil er den Autoren persönlich attackiert hat. Eine Filmkritik ist kein Warentest, und sollte auch nicht darauf beschränkt sein, ihn an der Zielgruppe und den Erwartungen zu messen. Nino Klingler analysiert in seiner Kritik detailliert die Mechanismen des Films, die für ihn auf vielen Ebenen nicht aufgehen. Andere argumentierte Positionen sind willkommen.


Jasmin

Also ich finde die Kritik völlig übertrieben.
Der Film wird als schlechtester des Jahres dargestellt was ich finde nicht der Fall ist. Ich habe den Film qesehen und fande ihn gut und der Zielgruppe entsprechend. Ich würde ihn als Film zum träumen bezeichnen denn natürlich ist es nicht realistisch aber die Zielgruppe kann sich hinein versetzen und ich denke jeder träumt doch gerne mal jemand anderes zu sein und das ist natürlich nicht immer realistisch. Gangs ist ein guter Film und meiner Meinung nach einer der BESTEN des Jahres. Er ist perfekt gemacht und ich finde man muss in einem Film nicht auf jedes kleine detail achten nur um einen Fehler zu finden die meisten gehen ja schließlich ins Kino um spaß zu haben und um sich in Welten zu träumen die es in wirklichkeit nicht gibt und ich finde dafür ist Gangs ein idealer Tipp.
Das ist meine Meinung zu Gangs und natürlich respektire ich die Meinung anderer auch wenn sie mir nicht gefallen. ;)


Jenny

Ich habe mir den Film schon zwei mal angeschaut und ich werde ihn nochmal gucken ich liebe diesen Film der ist mein Lieblinsfilm ich gucke mit jeden Tag den Trailer an ... Ich Liebe diesen Film.


Lisa

Hey... also auch wenn ich nur die Hälfte von dieser Kritik verstehe ... etwas übertrieben wird schon. Ich denk auch wenn vieles nicht echt ist, es der Wahrheit oder sonst was nicht entspricht ist der Film super gelungen. Gestern habe ich ihn mir mit meiner Freundin angeguckt wir waren ganz hin und weg ... wir fanden ihn soo toll ... meistens geht es doch auch in Filmen darum etwas zu präsentieren das unseren Träumen entspricht und nicht der Wirklichkeit... Also meine Meinung bleibt dabei, dass es ein super Film mit viel Emotion ist, der super gelungen ist und mir den Film noch öfters ansehen werde :)


hannah

hi, der film ist voll cool, aber ich möchte wissen, wie der jan in dem film in echt heißt, ich hab versucht, mir den namen zu merken, hat aber nicht ganz geklappt!


Joselle

Hallo zusammen ich wollte nur fragen, wie der film ausgeht... Happy end?? ich denke mal das der Stil etwa "Sommer" entspricht... sehenswert??


Florian

Ich habe mir den Film heute mit einem Freund angesehen und muss sagen: So schlecht ist er garnicht... als Komödie.
Wenn man das aber ernst nehmen soll, muss man wirklich der Zielgruppe entsprechen: 13-jähriges Mädchen, dass die "Gangster"-Geschichte aufregend findet.

Der Film ist dermaßen kitschig, da sieht das Wohnzimmer meiner Oma alt gegen aus.

Harter "Jimi Blue xD" Gangster mit Lebenserfahrung trifft verwöhntes, weldfremdes Mädchen. Sie haben eine Romanze und ihre böse, böse Stiefmutter will das verhindern.
Desweiteren lässt der Film viele Fragen offen.
Warum können die "ROX" mit ihren Motorädern über Autodächern fahren? Warum verbünden sie sich auf einmal mit ihren Erzfeinden? Warum müssen sie bei dem Döner-Heinz nicht zahlen? Warum können die Milchbubis da solche Türkenschränke zusammenschlagen in der Warteschlange? Warum können am Ende alle Kung Fu? Warum benutzen die "Bösen" ihre Waffen nicht? Warum lässt sich der Geldtransporter so einfach überfallen? (Ich kenne einen ehemaligen Elitesoldat aus Russland, der jetzt Geldtransporte bewacht. Bewaffnet. Der verspeist Jimi Blue und seine "Gang" zum Frühstück.) Woher weiß Jimi Blue, dass der Krankenwagen für seinen Bruder kommt? Warum lässt sich das reiche Mädchen mit so einem Assi ein? Warum hat er ein Seil über der Spree, an dem er sich rumhangeln kann in seinem Boot?
Warum ist die Polizei so doof? WARUM IST DER BÖSEWICHT EIN VAMPIR?


Christian

Also mal ehrlich, so schlecht wie diese Kritik den Film haben möchte ist er nicht. Natürlich ist dieser krasse Gegensatz ala "das is echt dein erster Döner?" sehr arg übertrieben, genau so wie es der Story an allen Ecken an Logik fehlt. Aber hey, für seichte Abendunterhaltung ist das Ding zu gebrauchen.

Ein Wort noch zu dieser Kritik:
Ich musste beim Lesen echt grinsen. Nicht das die Kritik so toll geschrieben wäre, aber adjektive gabs wohl grad im dutzend billiger, glaub ich. Mal im Ernst, man kann auch etwas schildern ohne vor jede Aussage minimum zwei Beschreibungen zu stellen. Ausserdem fällt dem geneigten Leser sofort dieser exessive (obacht!) Hang zur Benutzung von lustigen Fremdwortmixturen auf.


marvin

ich find den film voll geil alles wie imm echten leben


jana

ich fin gangs is vol der geile film.
und am besten ist find ich kai michael müller der is voll süß und soooo.


sabrina;)

Ich persönlich finde den Film Gangs nicht so schlecht, wir haben ihn in unserer Schulklasse angesehen.
Nur der Film muss der altersklasse entsprechen und nicht bei 16 jährigen gezeigt werden. Im großen und ganzen glaubt man nicht an den Film da es im echten Leben nicht vorkommt das es ein Happy End gibt.


Saby

Ich finde den Film geil. Früher dachte ich auch immer "Die wilden Kerle" ist ein Müll und mein Sohn darf die bestimmt nicht anschauen. Jetzt habe wir sie uns ausgeliehen u.von 1-5 angeschaut und ich find die toll, mein 7-jäh.Sohn ist begeistert und so bin ich auf den Film Gangs gekommen (den mein sohn nicht angeschaut hat) aber ich fand den toll und ich finde manche kritik hier völlig übertrieben, dann müsst ihr bei allen Filmen anfangen, weil die meisten übertieben sind und auch nicht dem Leben entsprechen. Aber in der heutigen Zeit.... schaut euch doch mal um in den Strassen der Großstradt, also der Film ist völlig ok.






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