Frontier(s)

Ein französischer Backwood-Slasher über Pariser Vorstadtkids in der Hand blutrünstiger Nazis – dass ein solcher Film seine Deutschlandpremiere bei den Fantasy-Filmfest-Nights hat, kann kaum verwundern.

Frontier(s)

Das französische Kino versucht sich immer wieder mit durchaus gemischtem Erfolg an Genres, in denen englischsprachige Filme dominieren. So entstehen interessante Versuche wie der dramaturgisch leider etwas schwächelnde Agentenfilm Agents Secrets – Im Fadenkreuz des Todes (Agents Secrets, 2004), der eigentlich ein Antiagentenfilm ist, so wenig glamourös zeigt er die Arbeit seiner Protagonisten; oder der überraschend brutale High Tension (Haute tension, 2003), der dem Slasherfilm einige interessante Nuancen abgewinnt.

Jetzt hat sich Xavier Gens mit Frontier(s) (Frontière(s), 2007) jener Spielart des Horrorkinos angenommen, die gerne in der amerikanischen Provinz angesiedelt wird, und deren Handlung sich im wesentlichen darauf reduziert, dass eine Gruppe junger Leute von einer Gruppe degenerierter Hinterwäldler gefoltert und/oder dezimiert wird. Gens, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, verlegt die Handlung in seine französische Heimat – auf der Flucht vor der Polizei landen vier junge Kleinkriminelle um Yasmina (Karina Testa) aus den Banlieues in einem kleinen Motel kurz vor der belgischen Grenze.

Die Betreiber stellen sich als sadistische Mörder heraus, die unter der Leitung ihres „Vaters“ (Jean-Pierre Jorris) dem Traum nachhängen, Keimzelle einer neuen Herrenrasse zu werden. Zu diesem Zweck werden in einem Interieur, das in seiner Ranzigkeit nur allzu sehr an die Saw- und Hostel-Filme erinnert, reichlich menschliche Opfer zerlegt, fachgerecht eingelagert und zum Abendessen serviert, während der Hausherr auf Deutsch „Meine Ehre heißt Treue!“ skandiert.

Man kann nur vermuten, dass Frontier(s) auch politische Relevanz ausstrahlen will – in Paris, so will es der Film, ist gerade eine ultrarechte Regierung neu an die Macht gekommen, und die jungen Pariser auf der Flucht sind natürlich nordafrikanischer Abstammung. Immerzu kämpfen also Nazis gegen Beurs, aber daraus wird nie ein Ganzes.

Bereits in Hitman (2007) hatte Gens Schwierigkeiten, dem Film einen Spannungsbogen zu geben und ihn zugleich straff zu halten; in Frontier(s) wird das nun überdeutlich. Der Film stellt sowohl die Geduld als auch die Ekeltoleranz der Zuschauer ständig auf die Probe. Denn gemordet, geschlitzt, geschnitten und geschossen wird hier, was das Zeug hält, während kaum etwas geschieht, was man nicht rasch hätte vorhersehen können – zumal der Klassiker Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, 1974) in nicht unerheblichem Maße als Inspiration gedient haben dürfte.

Der einzige, allerdings kaum überraschende Wendepunkt kommt dann nach etwa einer Stunde – und anschließend schleppt der Film sich und seine zunehmend in Blutrot getauchte Hauptdarstellerin dem lang ersehnten Ende entgegen.

Trailer zu „Frontier(s)“


Trailer ansehen (1)

Kommentare


David

jetzt weiss ich wieso ich mich nie entschliessen konnte den Film anzuschauen.Die gute alte Vorahnung. Danke für die bestätigende Kritik.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.