From Paris With Love

Luc Bessons neue Kooperation mit Regisseur Pierre Morel lässt John Travolta als CIA-Agenten auf die Kriminellen von Paris los. Das fetzt und knallt gewaltig, ist politisch aber nicht unproblematisch.

From Paris With Love

Man kann nur vermuten, dass Pierre Morel eine gar nicht so unterschwellige Form französischer Autoaggression pflegt: Jedenfalls verfolgt er auch in seinem dritten Film nach Ghetto Gangz – Die Hölle vor Paris (Banlieue 13, 2004) und 96 Hours (Taken, 2008) offenbar das Projekt, Paris als Hauptstadt nicht nur von Frankreich, sondern auch von Verbrechen, Drogenhandel und Terrorismus darzustellen. Natürlich kann und muss man das nicht ernst nehmen; schließlich stehen amerikanische Actionfilme kein bisschen darin zurück, die Metropolen der USA in Brutstätten des Verbrechens zu verwandeln. Das braucht das Genre, um daraufhin seine Zerstörungsorgien über die Großstädte verteilen zu können.

Obgleich aber From Paris With Love einen völlig anderen Ton wählt als 96 Hours – hier locker-flapsiger Agentenfilm, dort düsteres Vigilantendrama –, so bleiben doch zwei Dinge konstant: Erstens räumen nicht die Franzosen selbst mit dem Verbrechen auf, sondern Agenten des großen Bruders von der anderen Seite des Atlantiks. Und zweitens sind die hauptsächlich zu verfolgenden Verbrecher Immigranten – Asiaten, Osteuropäer oder, bien sûr, Muslime.

From Paris With Love

Natürlich waren es immer schon die „Anderen“, die der Actionheld, von James Bond über Charles Bronson bis zu Arnold Schwarzenegger, zu bekämpfen hatte. Das waren dann mal die Sowjets, mal südamerikanische Drogenbarone, mal die Kleinkriminellen auf der Straße. Aber die Nonchalance, mit der From Paris With Love das durchexerziert, ohne sich je die Mühe zu machen, nach Motivationen der Antagonisten zu suchen, die über das stets offensichtlich gehaltene Fremd-Sein hinausgehen, ist dann doch irritierend.

Denn einerseits bleibt er trotz seiner bemüht lässigen Haltung eben doch politisch problematisch; andererseits funktioniert in From Paris With Love die für den Actionfilm durchaus übliche Darstellung der Antagonisten als unterkomplexe Figuren genau deshalb nicht, weil das Drehbuch ihnen durchaus Motive und äußerst planvolles Handeln zuschreibt, diese dann aber in den entscheidenden Momenten nicht ausbuchstabiert, obwohl es wirklich darauf ankäme.

From Paris With Love

John Travoltas CIA-Agent Charlie Wax, der erst schießt und dann vielleicht noch Fragen stellt, aber eigentlich außer einer Handvoll Adressen offenbar schon alle Antworten hat, dominiert entsprechend den Ton des Films. Er ist laut und rüpelig, auch wenn sich hinter seinem Gehabe oft eine zweite Ebene verbirgt, auf der er, ganz Profi, genau weiß, was er will und wie er es bekommt: Da wechselt er auch schon einmal in Sekundenschnelle zwischen jovialem Scherzen und tödlichem Ernst.

Travolta greift damit natürlich seine Rolle als eiskalter Irrer wieder auf, die ihm John Woo einst für Face/Off (1997) gegönnt hatte und die er in Passwort: Swordfish (Swordfish, 2001) und zuletzt in Tony Scotts Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 (The Taking of Pelham 1 2 3, 2009) aufnehmen konnte. Freilich darf er auftauen, es ist ja alles für das Beste der Menschheit, und eine laue Anspielung auf Pulp Fiction (1994) gibt es obendrauf.

From Paris With Love

Der interessantere Charakter ist Wax’ Sidekick James Reece (Jonathan Rhys Meyers). Eigentlich ist er Assistent des amerikanischen Botschafters in Paris, will aber gerne für die CIA arbeiten; es ist sein erster nennenswerter Auftrag, Wax herumzukutschieren, so soll er sich seine Sporen verdienen. Warum Reece aber Agent werden will, wird niemals klar; und Rhys Meyers spielt ihn so schwankend zwischen ruhiger Selbstsicherheit und hilfloser Überforderung, dass sich daraus kein kohärentes Bild formen mag.

Aber das geht weitgehend unter im recht frenetischen Geballer; wenn Wax ein neues Gebäude betritt, kann man sich fast sicher sein, dass es bald Tote geben wird. Travoltas massige Gestalt wird durch Morels Inszenierung mit flotten Schnitten und herumflitzender Kamera gelegentlich fast grazil; insgesamt gerät er aber doch filmisch wie weltanschaulich zum ziemlich groben Klotz, der ohne Differenzierung zerlegt, was sich ihm in den Weg stellt.

From Paris With Love ist ein durchaus brauchbarer Actionfilm geworden; es gibt spannende Momente, lang ausgebreitete Shootouts und Verfolgungsjagden. Seine Figurenzeichnung ist zwar in politischer Hinsicht mehr als problematisch. Und natürlich käme er nie auf die Idee, dass seine Protagonisten moralisch falsche Positionen vertreten oder mit ihren Taten durchsetzen könnten. Wenn am Ende aber die Amerikaner kräftig Staub und Blut aufgewirbelt haben und sich alles wieder ein wenig beruhigt, erspart er uns dafür immerhin jedwede Form von patriotischem Pathos.

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Kommentare


Vincent Vega

Die Rolle des Wax ist vom Regisseur so übertrieben gezeichnet und von Travolta ausgemahlt, dass man seinen Anspruch an nachvollziehbare, realitätsbezogene Action gerne zurücklässt. Es macht einfach Spaß, sich in diesen comicheldenhaften, aus Pulp Fiction übergelaufenen Alleskönner hineinzuversetzten. Die Verwirrung um seinen Partner - nicht Fisch, nicht Fleisch - wird dadurch allerdings umso größer.
Die Problematik mit dem alten Spiel Gut vs. Böse ist im Artikel gut auf den Punkt gebracht. Am Ende fragt man sich, was einem der Film zwischen Spaß und Ernst eigentlich sagen wollte. Langweilig war er allerdings nicht.


Bernd Weber

tut mir leid...
um es in ganz kurze worte zu fassen: ein scheißfilm; ich steh´ sowie nicht so auf pure action, aber die letzten beiden bonds und bspw. die bourne-trilogie, das war wirklich geil und extrem spannend; from paris... fand ich platt, langweilig und zynisch; der glatzköpfige tralvolta bringt reihenweise menschen um und sein sensibler partner erschießt seine verlobte; was ihn allerdings nicht davon abhält, den glatzkopf kurz darauf mit einem lustigen spruch gen usa zu verabschieden...echt krank






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