Friends with Money

Jennifer Aniston überzeugt als ernsthafte Schauspielerin. Eine wagemutige Behauptung? Nicht, wenn man Friends with Money gesehen hat.

Friends with Money

Vier Frauen, vier Welten. Während Olivia (Jennifer Aniston) sich schon dadurch von ihren Freundinnen unterscheidet, dass sie kein Geld hat und sich notdürftig als Putzhilfe über Wasser hält, Pot raucht und ihrem Ex-Freund hinterher trauert, leben auch Christine (Catherine Keener), Franny (Joan Cusack) und Jane (Frances McDormand) in Beziehungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Christine und ihr Mann David (Jason Issacs) scheitern daran, dass sie Beruf- und Privatleben nicht voneinander trennen können. Sie sind beide Drehbuchschreiber und ständig damit beschäftigt, sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu ergehen. Dagegen wirken Jane und Aaron (Simon McBurny) wie ein glückliches Paar. Doch Jane hat mit ihren Wechseljahren zu kämpfen, was sich in unkontrollierten Wutausbrüchen bemerkbar macht. Nur bei Franny und Matt (Greg Germann) regiert das reine Glück. Ihre Meinungsverschiedenheiten sind niemals Anlass für einen ernsthaften Streit, sie haben oft guten Sex und darüber hinaus noch sehr viel Geld. So viel Geld, dass sie es sich leisten können, zwei Millionen Dollar für einen wohltätigen Zweck zu spenden.

Friends with Money

Friends with Money erlaubt sich den Luxus, gleich eine Vielzahl exzellenter Schauspieler in einem bescheidenen, leisen Ensemblestück zu beschäftigen. Während McDormand und Keener längst etablierte Namen im amerikanischen Independent-Kino darstellen, wurde Aniston bislang vornehmlich in romantischen Komödien besetzt. Unter Holofceners Regie blüht sie nun geradezu auf. Die Schwierigkeit mit Olivia einen amibivalenten Charakter, der zwischen Antriebslosigkeit und nicht verarbeitetem Trennungsschmerz gefangen zu sein scheint, glaubhaft verkörpern zu müssen, sieht man ihr nicht an, so selbstverständlich und natürlich geht sie mit dieser Rolle um. Ein kurzes Hochziehen der Mundwinkel, ein Schulterzucken, ein verlegener Blick zur Seite, Aniston zeigt, dass der Rahmen dieses Mal ein anderer ist, in dem für Overacting und Gesichtsakrobatik kein Platz ist.

Was François Ozon in 5x2 (2004) über die zeitlich inverse Abfolge fünf unterschiedlicher Stationen einer Partnerschaft zu illustrieren versuchte, fächert Holofcener in vier sich überschneidenden Episoden auf. Von einem Gefühl des Frischverliebtseins, wie es Franny und Matt immer noch in sich tragen, über eine Phase der zunehmenden Entfremdung (Jane und Aaron) bis hin zu einer dysfunktionalen, zerrütteten Ehe (Christine und David), die schlussendlich nur die Trennung zur Folge haben kann. Spätestens dann sind wir wieder bei Olivia. Dass sich diese Struktur nie in den Vordergrund drängt, sondern den Charakteren mit ihren Befindlichkeiten das Spielfeld überlässt, sagt viel über Holofceners Arbeitsweise aus.

Friends with Money

Ihr liegt nichts daran, mit ungewöhnlichen Einfällen zu überraschen. Ihre Kameraarbeit ist dezent. Sie konzentriert sich auf eine möglichst ökonomische Narration. Über die gesamte für einen Ensemblefilm kompakte Laufzeit von 88 Minuten erweist sich Holofcener dabei ein weiteres Mal als eine präzise Beobachterin zwischenmenschlicher Beziehungen, wobei, einem Woody Allen nicht unähnlich, ein feinsinniger Humor die scharfkantigen Ecken so mancher durchaus tragischen Situation abschleift. Zwar ist Olivias Geschichte der Anker, an dem die anderen Episoden andocken können, dennoch verteilt Holofcener die Leinwandpräsenz nahezu ausgeglichen auf alle vier Handlungsstränge. Die Befindlichkeiten der Männer werden allerdings eher als eine vernachlässigbare Randnotiz abgehandelt. Wie bereits in Holofceners früheren Regiearbeiten Walking and Talking (1996) und Lovely and Amazing (2001) stehen die Frauen im Mittelpunkt, ihre Wünsche und Sehnsüchte und was es für ihre Freundschaften bedeutet, dass sie verschiedenen sozialen Milieus angehören.

Was Friends with Money vor allem aus dem Gros der belanglosen Beziehungskomödien heraushebt, ist die natürliche Annäherung an sein Thema. So ungeschminkt sich die Darstellerinnen präsentieren, so ungeschönt blickt der Film auf die Problemzonen in Liebes- und Freundschaftsdingen. Holofcener rückt ein Stück das durch Lifestyle-Serien wie Sex and the City (1998-2004) verzerrte Bild über Frauen vor den Wechseljahren zurecht. Der Umstand, dass Holofcener selbst einige Folgen von Sex and the City inszenierte, soll an dieser Stelle nicht gegen sie verwendet werden.

 

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