Friends with Kids

Do not fuck the Nanny!

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Jason und Julie kennen sich ewig, sind beste Freunde und füreinander bestimmt, sie wissen es nur noch nicht. Am Ende werden sie zusammenfinden. So weit, so RomCom.

In den vergangenen Jahren hat das erfolgreiche Subgenre immer wieder Paare antreten lassen, die Trennung von Sexualität und Liebe zu erproben, um sich schließlich eines Besseren belehren zu lassen. Auch der Unterschied zwischen Kinder zeugen und Kinder gemeinsam großziehen rückte bereits in den Mittelpunkt. Aber irgendwas stimmt trotz aller Plotkonformität bei Friends with Kids nicht.

Den Farelly-Brüdern und schließlich Judd Apatow ist es zu verdanken, dass die Romantic Comedy in den 2000er Jahren etwas von ihrer Biederkeit befreit wurde. Auch wenn der Kern erhalten blieb, fanden sich am Rand Beobachtungen von aufschlussreicher Präzision und mittendrin manchmal Momente des wundersamen Chaos und der wunderbaren Anarchie. Fäkal- und Koitalhumor hielt Einzug ins Komödienwesen der Majors, mit naturgemäß unterschiedlichen Ergebnissen. In der jüngsten Vergangenheit stagnierte das Genre, das so viele Talente ans Tageslicht befördert hatte, urplötzlich. Gewissermaßen trägt es nun ein Dilemma aus, das im ersten Jubel der Innovation und Kreativität noch unproblematisch schien.

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Apatows bahnbrechender Jungfrau (40), männlich, sucht … (The 40 year old virgin, 2005) machte das Alter des Protagonisten bereits im Titel zum Thema. Und in den vergangenen Jahren sind die Stars des Genres zusätzlich gealtert. In einer Phase, wo der ältere schwarze Mann per Reise in die Vergangenheit verjüngt werden muss, Spiderman mit noch jüngerem Personal (Andrew Garfield, Emma Stone) neu gestartet wird, Vampire pubertäre Probleme wälzen und kaum ein Blockbuster ohne jugendliche Protagonisten auskommt, stoßen die RomCom-Stars Jennifer Aniston, Sandra Bullock, Jason Bateman, Adam Sandler, Gerard Butler, Ben Stiller & Co. an magische Hollywood-Altersgrenzen. So spalten sich die Produktionen des Genres denn auf und greifen unterschiedliche Zielgruppen an. Die jüngeren attackieren sie mit Emma Stone in der Hauptrolle (Einfach zu haben, Easy A, 2010), beim Film für die „mittleren“ Mainstream-Zuschauer (Freunde mit gewissen Vorzügen, Friends with Benefits, 2011) darf sie nur als nerviges Warm-up für die leidlich älteren Justin Timberlake und Mila Kunis fungieren. Crazy, Stupid, Love (2011) schließlich schafft den Spagat, denn dort darf sie mit Ryan Gosling anbändeln, während eine ganze Generation weiter Steve Carell, Julianne Moore und Marisa Tomei Probleme des Älterwerdens wälzen. Vielleicht liegt hier die Zukunft des Genres. Das Problem wird dennoch offenbar: die unterschiedlichen Altersgruppen dürften äußerst alternierende Vorstellungen einer RomCom aufweisen. Natürlich kann die Projektion immer gelingen: die Hoffnung der Minderjährigen auf eine Form von Liebe, welche bisher nur die Leinwand behauptet; die Hoffnung der Enttäuschten und Geschiedenen auf eine späte Abweichung vom Bisherigen.

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Vielleicht liegt die treueste Zuschauergruppe aber auch genau in der Mitte, nämlich bei den mehr oder weniger frisch verliebten, jung verheirateten, jenen, die sich für die Familie entschlossen haben und bislang ganz gut mit der Entscheidung leben können. An diesem Punkt kommt womöglich sogar ein nicht zu unterschätzendes männliches Publikum ins Spiel. Auf jeden Fall muss das Publikum, egal welchen Geschlechts, ein gewisses Alter erreicht haben. Und vielleicht mag es gerade die Nuancen, die Bewegung rund um den harten Genrekern.

Jenes Publikum adressiert der außerhalb des Studiosystems entstandene Friends with Kids von Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin Jennifer Westfeldt. Das Setting – hauptsächlich New Yorker Wohnungen mit ein paar Skyline-Shots – ist bekannt und simpel. Entscheidend sind Dialoge (auch hier ausgeprägt: fäkal und koital) sowie Schauspiel. Dabei ist nicht nur der Cast beeindruckend, sondern auch das Casting. Die Bridesmaids Kristen Wiig und Maya Rudolph sehen sich Jon Hamm und Chris O’ Dowd gegenüber, Westfeldt muss sich zwischen Adam Scott und Edward Burns entscheiden. Und dann gibt es auch noch den Kommentar auf das eigene Genre-Dilemma: Megan Fox, jugendhaftes Busen-Skelett aus dem Kinderspielzeug/Jugendwahn-Effektunsinn Transformers (2007) darf kurz den Drehbuchstatuten entsprechend den rechten Weg der Liebenden stören, doch es gibt von vornherein keinen Zweifel, dass sie nicht ins Bild passt.

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Ständig thematisieren die Figuren ihr Alter, vor allem aber auch tatsächliche Probleme, die sich bei (Ehe-)Paaren und Jungeltern einschleichen können. Da beweist der Film zwischen manch lautem, aber nicht schlechtem Klitoris-Witz einen Blick fürs Wesentliche, wie es das Genre nur in seinen stärksten und pursten Momenten entwickelt.

Friends with Kids ist gelungenes Genre-Kino, das sich erwachsene Figuren mit erwachsenen Problemen leistet und bei allen gewollten Übertreibungen ständig Lebensrealitäten ins Bild setzt. Und lebensnahe Tipps für jedermann bereit hält: Do not fuck the Nanny!

Trailer zu „Friends with Kids“


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Kommentare


Sebastian

Ich fand den Film auch sehr unterhaltsam und erfrischend, jedoch habe ich bis heute nicht verstanden, warum Autorin/Regisseurin Jennifer Westfeldt sich auch noch eine der Hauptrollen geschnappt hat. Neben ihren Kollegen verblasst sie und wirkt für mich extrem unsympathisch, was den Film für mich im Endeffekt auch etwas abgeschwächt hat. Vielleicht liegt es nur an mir und meiner subjektiven Einschätzung Westfeldts gegenüber, aber irgendwie passt der Charakter nicht zu ihr. Schade...






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