Freunde mit gewissen Vorzügen

Keine Bange ums Happy End: Regelmäßiger Sex führt zu Liebe. Oder?

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Sex ohne Liebe, das klappt nur zwischen Männern. Doch entgegen den Binsenweisheiten des schwulen Sportreporters Tommy (Woody Harrelson) lassen sich Dylan (Justin Timberlake) und Jamie (Mila Kunis) auf das Versprechen ein. Sie schwören sich die Freundschaft, den Sex und die Emotionsfreiheit. Hand auf die Bibel-App des Tablets, und schon kann es losgehen mit den Verwicklungen, die in der Romantic Comedy nur ein Ende kennen: das Happy End der zueinander findenden, emotional geschädigten und schließlich geläuterten Protagonisten. So eindeutig Freunde mit gewissen Vorzügen (Friends with Benefits) vom Plot her ist, so offen lässt der Film zunächst, was seine Pointe eigentlich sein wird.

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Zunächst ist Will Glucks Film mehr Komödie denn Liebesfilm und hat in dieser Hinsicht auch einiges zu bieten. Das Drehbuch weiß Retorten-Konflikte wie den zwischen sunny L.A. und bitter New York zu überspitzen, zu parodieren und treffsicher zu instrumentalisieren. Genauso wie die Eigenarten der beiden Protagonisten, die in scharfzüngigen Dialog-Duellen den Film tragen. Überhaupt ist Freunde mit gewissen Vorzügen ein Film, den das Drehbuch mehr als die Inszenierung ausmacht. Es reiht immer wieder Gags aneinander, die mitunter aus den Situationen erwachsen, aber größtenteils in fantasievollem bis derbem Sprachwitz liegen. Die hohe Frequenz der Wortsalven überspielt mit leichter Hand den Sketch-Charakter der komödiantischen Struktur. Der Film funktioniert über weite Strecken so mühelos und überzeugend als Komödie, dass die der Story inhärente Wende zur Romanze in die Ferne rückt. Bisweilen wundert man sich, wie überhaupt noch die Kurve von Sex ohne Liebe zu Liebe mit Sex genommen werden soll.

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Filme mit ähnlicher Prämisse gab es in den letzten Jahren zuhauf, von Toy Boy (Spread, 2009) über (500) Days of Summer (2009)  und Love and other Drugs (2010) bis Freundschaft Plus (No Strings Attached, 2011). In diesem Reigen unterscheiden sich die einzelnen Werke vor allem durch den Wert, den sie den komödiantischen und auch dramatischen Momenten zugestehen, und durch ihre Moral. Ganz ohne konservativen Geist kommt letztlich keine Romanze aus. Offenbar ist es ein Ding der Unmöglichkeit, eine zeitgenössische RomCom zu drehen, die ein fortschrittliches Gedankengut um Selbstständigkeit und Emanzipation beider Parteien bis zum Ende zulässt. Zu stark scheinen die Bedürfnisse, Projektionen von Traumprinzen und -prinzessinnen zu bedienen, die das Gegenüber mit großen Gesten und Taten umwerben. Der Trick, um dieses Paradox auszuhalten, die disparaten Bestrebungen der Story miteinander zu verbinden, heißt Selbstreflexivität. Freunde mit gewissen Vorzügen und ähnliche Filme wie Er steht einfach nicht auf Dich! (He's Just Not That Into You, 2009) oder Brautalarm (Bridesmaids, 2011) setzen darauf, das eigene Genre zu persiflieren und ihr Bewusstsein für dessen Formelhaftigkeit auszustellen.

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Auch die Persiflage gelingt hier im fließenden Übergang zwischen Komödie und Liebesfilm und geht noch dazu eine produktive Allianz mit den Mitteln moderner Kommunikation ein, vom Smartphone über Flash Mobs bis zu YouTube. Ganz nebenbei fragt der Film danach, wie stark unser Alltag dominiert ist von den Medien und liefert zugleich die klare, aber einleuchtende Antwort: Unser ganzes Leben ist medial bedingt – ganz wie die Romantic Comedy.

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Kommentare


Lutz Granert

Abgesehen vom Schlusssatz kann ich zustimmen. Meines Erachtens entsteht ein Genre jedoch nicht durch "die Medien" als nur schwer entwirrbares Konglomerat, sondern aus Affinitäten des Publikums, die sich in Medienprodukten manifestieren. Und dieses beinhaltet den "konservativen Geist" und, dass sich Sie und Er am Ende bekommen. Das reflektiert "Freunde mit gewissen Vorzügen" durch den kitschigen Film im Film vortrefflich, auch wenn das natürlich in Vorhersehbarkeit mündet.






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