Freiland

Deutschland abschalten! Staatsgründung selbst gemacht.

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Eurokrise, marode Großbauprojekte, Politikübelkeit, Sozialstaatsversagen, Bankenirrsinn, Waffenexporte an Gott und die Welt, das tägliche Fernsehprogramm und die FDP – wer möchte da nicht mal aussteigen? Einfach auf eigenem Grund und Boden eine Mikronation gründen, Bürgerinnen und Bürger suchen, eine Flagge malen und autark leben. Nonkonformisten und Verweigerer, linke und rechte Utopisten träumen immer wieder davon, und manche versuchen tatsächlich ihr Glück als Neumonarchisten oder Anarchisten. Auch Niels Deboos (Aljoscha Stadelmann) in Moritz Laubes Freiland will das System bekämpfen – indem er sein eigenes errichtet. Sein Erweckungserlebnis hat der Lehrer, als er, in Stuttgart-21-Manier, auf die Barrikaden geht und dabei blutig an der Staatsgewalt scheitert. Deboos tut sich mit dem nervösen Eigenbrötler Christian Darré (Matthias Bundschuh) zusammen, der als Krisen-Kassandra durch die Lande zieht, um seinen im Selbstverlag publizierten Untergangs-Ratgeber ans Volk zu bringen. Jetzt muss nur noch ein Grundstück in Brandenburg her, dazu einige Unerschrockene, dann kann die neue Republik ausgerufen werden.

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Freiland ist der erste Spielfilm von Moritz Laube, und es sollte ein Film „zur Lage der Nation“ werden, ein Projekt zur passenden Zeit, das notfalls eben mit eigenem Geld entstehen muss, wenn der mühsame Förderapparat nicht schnell genug zum Laufen gebracht werden kann. So kommt es, dass Freiland voller komischer und lakonischer Einfälle steckt, voller Richtungen, in welche die Geschichte auch hätte gehen können. Gleichzeitig gibt es keine wasserdichte Dramaturgie, dafür sehr viel Spielfreude. Das Schauspielteam improvisierte vor Ort, auf einem verfallenen Gut im Berliner Umland. Kameramann Frank Blau drehte die Szenen, als seien sie dokumentarisch.

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Der Hauptkonflikt entsteht um den Staatsgründer Niels, der sich vom gutmütig bärigen Freigeist zum aufbrausenden Alleinherrscher entwickelt, der wie ein brandenburgischer Käpt’n Ahab nur noch blind seiner Idee nachjagt. Neben dieser sehr präsenten Figur gibt Matthias Bundschuh seinem so ernsthaften Utopisten Christian Darré einsame Größe im langsamen Scheitern. Auch von den anderen Charakteren, die alle als sehr spezielle Typen angelegt sind - von der Späthippiebraut Steffi (Hildegard Schroedter) mit viel Spaß am (verordneten) Sex über den einsilbigen Ein-Mann-Staatsschutz (Thomas Rudnick) oder die schwangere Hanna (Silvia Reichert), die in der Kommune eine Familie sucht – hätte man gern mehr erfahren. Wenn man so weiterfantasiert, ist hier eigentlich der perfekte Boden für eine Aussteigerserie bereitet, mitten in Deutschland. Aber Freiland ist eben ein freies Projekt, mit allen Ecken und Kanten. Da zählt nicht Perfektion, sondern: Anpacken! Loslegen. Selbermachen.

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