Frei nach Plan

Drei höchst unterschiedliche Schwestern bereiten zusammen die Geburtstagsparty ihrer Mutter vor. Wie üblich in Filmen über Familienfeiern streiten und versöhnen sie sich, zumeist nicht gerade auf originelle Weise.

Frei nach Plan

Die eine ist verklemmt und pedantisch, die andere herzlich und häuslich, die Dritte ausgeflippt und zügellos. Die Schwestern Iris (Corinna Harfouch), Marianne (Kirsten Block) und Anne (Dagmar Manzel) könnten unterschiedlicher nicht sein. Zwar ist ihre Wiedersehensfreude anlässlich des Geburtstags von Mutter Silvia (Christine Schorn) riesig, aber schnell gerät die familiäre Zusammenkunft zur unangenehmen Herausforderung. Auf zärtliche Liebesbekundungen folgen kränkende Spitzen, keine will so wie die andere und schließlich hintergeht Anne ihre jüngere Schwester Marianne.

Als zusätzlicher dramaturgischer Zündstein befeuert Silvia den Konflikt ihrer Töchter durch ungleich verteilte abfällige oder liebevolle Kommentare. Die Anreise des Vaters und seiner sehr jungen Freundin tut ihr Übriges, um die Stimmung weiter zu verschlechtern – wie könnte es angesichts dieser Figurenkonstellation vom Reißbrett auch anders sein. Denn für ihren zweiten Spielfilm hat Franziska Meletzky (Nachbarinnen, 2004) den Katalog für Familienfeiern-Filme offensichtlich aufmerksam durchgearbeitet und sich für grob gezeichnete Figuren und schwerfällige Plotideen entschieden.

Frei nach Plan

Das mag zweckmäßig sein, um einen handfesten Konflikt zu schüren, das Praktische ist hier jedoch wie so oft der Feind des Schönen. Anstatt die eigentlich interessante, weil psychologisch diffizile Frage zu erforschen, warum Iris und Silvia eine zärtlich-gemeine Hassliebe verbindet – die Tochter pflegt ihre wankelmütige, alkoholkranke Mutter treu und widerwillig zugleich – konzentriert sich Meletzky auf abgedroschene sexuelle Manöver und Pointen. Darüber hinaus frisiert sie die Handlung durch das Setting an der frischen Landluft, ein paar zusammenhangslos skurrile Mitglieder der Dorftheatergruppe sowie penetrant wiederkehrende fröhliche Jahrmarktmusik zur Heimat-Komödie hoch. Aber auch diese größtenteils nachlässig ausgearbeiteten Zugaben reichen nicht aus, um mit Frei nach Plan die Hürde zur gepflegten Unterhaltung zu nehmen.

Stattdessen schleppen sich Meletzkys vier Hauptdarstellerinnen, allesamt gestandene, vorzügliche Schauspielerinnen, in viel zu enganliegenden Rollen als betuliche Stereotypen von einer schwerfälligen Wendung zur nächsten. Gäbe es nicht hin und wieder abgründig fiese Anfeindungen zwischen Iris und Silvia, könnte man Frei nach Plan leicht mit einem seichten Vorabendprogramm im Fernsehen verwechseln.

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Kommentare


Jens Hartung

Frau Seidel hat offenbar den ganzen Film nicht verstanden. So eine aberwitzig-traurig-komische Unterhaltung habe ich lange nicht im Fernsehen gesehen und dazu ist das ganze herrlich ins Bild gesetzt worden. Aber vielleicht muß man ja aus Sachsen-Anhalt kommen um den Film zu verstehen...


Sinikka

Komme zwar nicht aus Sachsen-Anhalt, fand den Film jedoch sehr gut - und die Kritik der Frau Seidel ziemlich stümperhaft. Sie scheint -in der Tat- etweder schlecht gegessen or geschlafen zu haben, oder (einfach) eigenartig oberflächlich zu sein...
Die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarstellerinnen alleine, waren bereits Grund genug, den Film zu genießen.






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