Freedom Writers
Hilary Swank als engagierte junge Lehrerin, eine Schulklasse voller Probleme und ein Vorort von Los Angeles, in dem Gewalt und Rassismus den Alltag beherrschen.

„Basierend auf wahren Tatsachen“ heißt es zu Beginn des Films – damit wird nicht nur auf die Wiedergabe eines authentischen Geschehens hingewiesen, diese Information lässt einen zudem bereits bereits die Auflösung des Films erahnen. Denn reale Begebenheiten würde man nicht verfilmen, wenn ihnen nichts Außergewöhnliches innewohnte. Eine junge, aus einem bürgerlichen Milieu stammende Lehrerin (Hilary Swank) unterrichtet an einer Schule in einem heruntergekommen Vorort von Los Angeles. Gang-Gewalt und Rassismus stehen an der Tagesordnung und machen auch vor den Türen der Klassenzimmer keinen Halt. Der weitere Verlauf der Handlung wird dabei wohl niemanden überraschen: Die Lehrerin meistert die Herausforderung, schafft es durch unorthodoxe Unterrichtsmethoden rassistische Vorurteile abzubauen und den Schülern damit ein Stück Hoffnung zu geben. So fordert sie ihre Schüler auf, ihren Alltag in Tagebüchern zu verarbeiten. Die gesammelten Texte wurden dann in „The Freedom Writers Diary“ veröffentlicht, auf denen der Film und Hilary Swanks Rolle basieren.

Regisseur und Drehbuchautor Richard LaGravenese scheint sich der Problematik im Umgang mit einer auf realen Ereignissen basierenden Erzählung bewusst gewesen zu sein und interessiert sich in Freedom Writers mehr für den Weg zum erfolgreichen Ende als für das eigentliche Resultat. Dabei greift er auf ein bewährtes dramaturgisches Konstrukt zurück: Spannung wird nicht durch die künstliche Dramatisierung der Frage nach dem Ende, sondern durch die Konzentration auf einzelne Protagonisten erzeugt. Was in Filmen wie Schindlers Liste (Schindler’s List, 1993) oder Flug 93 (Flug 93, 2006) bereits funktionierte, gelingt so zu Beginn auch in Freedom Writers.
Die Schule wird dabei als ein Abbild der (Gang-)Welt inszeniert, und die verschiedenen Gruppen unterhalten kaum Beziehungen untereinander. Bei einem Überfall zu Beginn des Films wird Eva (April Lee Hernandez) Zeuge wie ein Freund von ihr einen Asiaten erschießt. Die Polizei verdächtigt jedoch einen Afroamerikaner, ganz im Einklang mit ihrer Gang bestätigt Eva entgegen dem tatsächlichen Tatgang den Verdacht. LaGravenese verfolgt diesen Subplot bis zum Ende und illustriert daran das gefährliche Umfeld in dem die Jugendlichen aufwachsen.

Der Club der toten Dichter (Dead Poets Society, 1988), Dangerous Minds (1995) oder Spiel auf Bewährung (Gridiron Gang, 2006) sind nur einige Beispiele für Filme, die auf dieselbe Formel zurückgriffen: Ein Lehrer, oder im Falle von Dangerous Minds eine Lehrerin, schaffen es mittels mehr oder minder originellen Methoden ihren Schülern aus unterschiedlich schwierigen Situationen zu helfen. Gleichzeitig verstehen sich diese Filme immer auch als eine Parabel auf unsere Gesellschaft.
Freedom Writers knüpft genau an diesen Punkten an, schafft es auf die gesamte Dauer jedoch nicht, Stereotypen auszuweichen, die man bereits in Filmen wie Dangerous Minds gesehen hat. So stößt die Lehrerin mit ihren Lehrmethoden erwartungsgemäß nur auf Unverständnis seitens ihrer Kollegen und auch die anfänglich spannenden Nebenstränge verlieren immer mehr an Interesse.

Die Wahl neben Mark Isham zusätzlich noch Wu-Tang Clan Mitglied RZA zu verpflichten – MTV ist ein Co-Produzent des Films – verstärkt zudem den Eindruck, es mit einer Neuauflage von Dangerous Minds zu tun zu haben. Gerade in musikalisch stark begleiteten Teilen verliert der Film dabei noch den letzten sozial rauen Anstrich, ohne den Freedom Writers lediglich nur noch als ein leichter sentimentaler Film wirkt, der in einem Hiphip-Hurra-Finale endet.
Zum Schluss unterstreicht LaGravenese dann noch einmal die Tatsache, dass der Film auf realen Ereignissen basiert. Vom nachgestellten Abschlussfoto der Filmklasse blendet er zum Bild der tatsächlichen Schulklasse über. Trotz dieser Authentizitätsbezeugung schafft es Freedom Writers paradoxerweise nicht, eine glaubhafte Geschichte zu erzählen. Auch wenn sich alles genau so abgespielt haben soll wie im Film gezeigt, so bleibt der Eindruck zurück, es mit einer naiven Tagträumerei zu tun zu haben. Genau wie dies bereits der Fall in Dangerous Minds war, wirkt in Freedom Writers die nachgestellte Handlung letztendlich zu kitschig und perfekt.
Filmkritik von Hannes Brühwiler
Veröffentlicht am 30.03.2007
Kommentare zu Freedom Writers
Gerhild Tieger 31.03.2007 06:55
Das Buch "Freedom Writers" gibt es auch auf Deutsch und eine informative Wesite mit viel Hintergrund: http://www.freedom-writers.de
hannes & Marius 30.05.2007 10:18
ey yo lets go,
der film zeigt meine gangsta niggha in new york - peace ihr niggha
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Freedom Writers. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Freedom Writers
USA 2007
Laufzeit: 123 Minuten
Regie: Richard LaGravenese
Drehbuch: Richard LaGravenese
Produktion: Danny DeVito, Michael Shamberg, Stacey Sher
Darsteller: Hilary Swank, Patrick Dempsey, Imelda Staunton, Scott Glenn, April Lee Hernandez, Mario
Kinostart: 05.04.2007
DVD-Angaben
Titel: Freedom Writers
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DTS 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 117 Minuten
Extras: Audiokommentar mit Richard LaGravenese & Hilary Swank; Entfernte Szenen; Making A Dream; Freedom Writers Familie; Kinotrailer; Freedom Writers: Die Story hinter der Story; Fotogalerie
Verleih ab: 09.08.2007
Verkauf ab: 23.08.2007
Copyright Freedom Writers
Fotos: © Paramount
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Die Wand
R: Julian Pölsler
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Beauty
R: Oliver Hermanus
Barbara
R: Christian Petzold
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Neandertal
So 12.02, 23:50 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR
Schläfer
Mi 15.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
Yella
Mi 15.02, 22:25 Uhr, 3sat













2 Kommentare