Formula 17

Ein taiwanesischer Spartenfilm über eine mögliche Liebe zwischen einem schüchternen romantischen Jungen und einem verletzten Playboy. Formula 17 bietet in eintönig ausgeleuchteten Bildern ein Klischee homosexueller Liebe.

Formula 17

„What else could I say? Everyone is gay“ singt Nirvana-Frontman Kurt Cobain 1993 in All Apologies. Noch heute ist seine Aussage mehr als zweideutig. Das englische Äquivalent für „schwul“ ist zugleich Ausdruck fürs Fröhlichsein, kann aber letztlich auch als Schimpfwort verstanden werden. In Formula 17 geben sich die Männer – im ganzen Film gibt es nur Homosexuelle – auch alle Mühe Fröhlichkeit zu versprühen. Doch Tien ist ein Romantiker, der jungfräuliche 17-jährige vom Land sucht in der Großstadt Taipeh die Liebe seines Lebens, verliebt sich dabei aber – wer hätte das gedacht – in den größten Playboy überhaupt. Bai ist wiederum nicht unempfänglich für den Unschuld ausstrahlenden Tien, doch wurde einst so sehr verletzt, dass er sich auf niemanden mehr einlässt und nur noch zu One-Night-Stands fähig ist.

Die wenig tiefgründigen psychologischen Portraits der Protagonisten werden durch klischeebehaftete Nebenfiguren ergänzt. Das ist aber weniger schlimm als man denken könnte, denn der Film ist als Ganzes ein Klischee - die Situationen, die Charaktere und die Visualisierung der Emotionen sind allesamt überzeichnet. Formula 17, das Erstlingswerk der taiwanesischen DJ Chen, kann aber durch diese extreme Darstellung als Spiegel der oft oberflächlichen Schwulen-Szene verstanden werden. So ist die bisweilen anstrengende Karikatur des naiven Mitbewohners Tiens, der alles daran setzt ihn zum Sex mit dem Erstbesten zu bewegen, nicht unglaubwürdig und auch die Dominanz des Sexuellen in der „Szene“ ist keine Erfindung der Regisseurin.

Formula 17

Die Oberfläche, an der das Drehbuch im Konflikt- und Charakteraufbau fast ausnahmslos bleibt, verstärken die farbenfrohen stilisierten Bilder. In ihnen tritt die Anstrengung der Filmemacher, eine eigene Sprache zu finden, hervor und obwohl sie nicht überzeugen, passen sie sich doch in die Erzählung ein. Von ein paar einfallsreichen Bild-Kompositionen abgesehen, fehlt letztlich sowohl auf der visuellen als auch auf der inhaltlichen Ebene eine klare und kohärente Inszenierung des Bruches mit den Protagonisten.

All Apologies ist nicht zu Ende, Kurt singt weiter: „Everything is my fault. I’ll take all the blame“. Diese Last kann man ihm nicht mehr nehmen, aber für Formula 17 zeichnet doch jemand anderes verantwortlich.

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