Forbidden Kingdom

Jackie Chan und Jet Li sind endlich gemeinsam in einem Film zu sehen. Forbidden Kingdom ist zwar ein oberflächlicher Genre-Klon geworden, macht aber wegen der beiden Hauptdarsteller trotzdem Spaß.

Forbidden Kingdom

Forbidden Kindgom ist eine Fusion der klassischen chinesischen Erzählung vom Affenkönig (Die Reise nach Westen), die schon die Basis zahlreicher Martial-Arts-Filme war, und ein bisschen amerikanischer Popkultur zwischen Zauberer von Oz und High-School-Film. Mit seiner zurückgenommenen, eher spielerischen Gewalt und seinen schönen computergestützten Naturaufnahmen – ein so sattes, leinwandfüllendes Grün hat man selten gesehen – taugt er sogar zur Familienunterhaltung, ohne Fans des Genres enttäuscht zurückzulassen. Denn so unausgegoren das Drehbuch auch sein mag, das recht hektisch zwischen den typischen Stationen einer Heldenreise hin- und herspringt: Die Präsenz von Jackie Chan und Jet Li und die offensichtliche Freude beider, endlich einmal ausführlich gegeneinander kämpfen zu können, quillt aus der durchschnittlichen Oberfläche des Films hervor wie eine süße Quarkfüllung aus einem unansehnlichen Krapfen.

Forbidden Kingdom

Beide Action-Stars spielen eine Doppelrolle. Chan tritt zuerst als alter chinesischer Ladenbesitzer in Boston auf, der den jungen Jason (Michael Angarano) mit billigen Kung-Fu-Filmen versorgt, und später als ständig betrunkener Unsterblicher und Mentor Jasons. Der ist nämlich aus nicht weiter wichtigen Gründen mittlerweile im alten China gelandet, wo er in die Rolle eines Heilsbringers gerät: Wie man ihm versichert, hat er dank eines Stabes, den er aus dem Bostoner Laden mitgebracht hat, die Fähigkeit, den zu Stein verzauberten Affenkönig zu befreien. Der wiederum wird gespielt von Jet Li, und zwar als komödiantischer, zu stetem Schabernack aufgelegter Schalk mit lustigem Backenbart. Unbesiegbar ist er außerdem, oder war es jedenfalls, bis er, wie gesagt, vor 500 Jahren in Stein verwandelt wurde. Ganz ohne Backenbart und auch mit wenig Haupthaar spielt Li zudem einen schweigsamen Mönch, der sich den Helden anschließt. Weitere Figuren in diesem übervollen Film sind ein nach Rache sinnendes junges Mädchen, das merkwürdigerweise von sich in der dritten Person spricht, und eine peitschenschwingende Kopfgeldjägerin, deren weißes Haar ein gefährliches Eigenleben führt.

Forbidden Kingdom

Handlung und Figurenreichtum ergeben aber zusammen nur ein Konglomerat genretypischer Stereotypen. Viel interessanter ist das Zusammentreffen von Chan und Li, deren erste Zusammenarbeit vor der Kamera lange auf sich warten ließ. Im Hongkong-Kino groß geworden, sind beide seit vielen Jahren auch in Hollywood erfolgreich. Die deshalb enorm hohen Erwartungen an Forbidden Kingdom werden nicht ganz erfüllt, was aber weniger den beiden Darstellern als der unentschiedenen Regie von Rob Minkoff anzulasten ist.

Die Kampfszenen wurden choreografiert von Yuen Wo Ping, der schon Tiger & Dragon (Wo hu cang long, 2000) und Kill Bill (2003-04) zu Tableaus von fast tänzerischer Eleganz gestaltet hat. Hier hält er sich im Sinne der Familienunterhaltung zurück, es werden weniger Knochen gebrochen, und Blut spritzt schon gleich gar nicht. Der zentrale Kampf zwischen Chan und Li hat eher etwas von einem freundschaftlichen Kräftemessen, einer gegenseitigen Respektbekundung – und letztlich sind beide in der Handlung ja auch auf derselben Seite. Hier treffen sich zwei, die niemandem mehr etwas beweisen müssen – am wenigsten dem jeweils anderen – und die mit jedem Schlag, mit jedem Ausfallschritt auf ihre jahrzehntelangen Karrieren verweisen. Chan, der als Drunken Master ständig eine Weinflasche mit sich herum trägt (eine Reminiszenz an seine Rolle in Sie nannten ihn Knochenbrecher, Jui kuen, 1978), ist mittlerweile 54 Jahre alt; Jet Li kommt immerhin schon auf 45.

Forbidden Kingdom

Beide Schauspieler stehen auch für Gegensätze. Chans betont slapstickhafter Schauspielstil besteht wie jeher vor allem aus Grimassenschneiden, seine naive Darstellung von Trunkenheit in diesem Film entlädt sich in geradezu kindlicher Freude. Mit gewohnt steinerner Miene und Phlegma gibt Jet Li als Mönch dazu einen schönen Gegenpart, entblößt aber in seinen Szenen als grotesk maskierter Affenkönig ein überraschendes Talent zur Komik. Schade, dass Jackie Chan und Jet Li nicht schon früher gemeinsame Sache gemacht haben.

Trailer zu „Forbidden Kingdom“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.