Footloose – Kritik

In dem Remake des Kevin-Bacon-Kultfilms von 1984 rebellieren Teenager wieder einmal gegen ein Tanzverbot.

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Wer, während er das Footloose-Remake ansieht, in seiner Erinnerung kramt, kommt zuweilen durcheinander. War das Original damals, 1984, auch schon so affirmativ? War die scheinbare Rebellion der Jugend auch damals schon nicht viel mehr als ein Streben nach Ausgleich mit den Erwachsenen? Hat Ariel, damals von Lori Singer gespielt, Kevin Bacon auch eine Bibel geschenkt, ausgerechnet?

Ja, hat sie. In Wahrheit hat Footloose 2011 bis in die Dialoge hinein sehr viel von Footloose 1984 übernommen, fast alles eigentlich. Mit einigen wenigen Abweichungen. Der berühmte Vorspann mit den tanzenden Füßen ist noch ganz so wie früher, aber eine der Handlung vorangestellte Szene bricht aus dem Muster aus. In aller Ausführlichkeit zeigt Regisseur Craig Brewer den Unfall der Teenager auf der Brücke – die Ursache für das in der Kleinstadt Bonmont ausgesprochene Tanzverbot, gegen das der heute von Kenny Wormald gespielte Ren bekanntlich, nun ja, rebellieren wird.

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Als Ren nach Bonmont kommt, muss er den Verlust seiner gerade verstorbenen Mutter verarbeiten, die er bis zu ihrem Tod gepflegt hat. Der junge Mann erscheint so gleich zu Beginn erwachsener als in der alten Version. Später, im Konflikt mit dem Reverend (Dennis Quaid) baut diese Erfahrung sogar eine Brücke zwischen den beiden unterschiedlichen Männern: ein Kind des Reverends war bei dem Unfall ums Leben gekommen.

Dieser Mann Gottes hatte 1984 von der Kanzel gegen Pornografie gewettert und moderne Literatur (auf der Liste der verbotenen Romane stand unter anderem Kurt Vonneguts Slaughterhouse 5, ein Buch, über das Kevin Bacon in seiner Rolle als Ren verdutzt sagte, aber das sei doch ein Klassiker.). Das Tanzverbot, das die Handlung des Musikfilms vorantrieb, war also eingebettet in eine weitergehende konservative Kulturrevolution mit durchaus bedrohlichen Untertönen, die sogar in eine Bücherverbrennung gipfelte.

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Dieselbe Ansprache von der Kanzel im neuen Film hat ein ganz anderes Thema: das Internet, die Smartphones, die SMS, die ständige Erreichbarkeit. Von Literaturverboten ist nicht die Rede. Der Fortschritts-Skeptizismus, der sich hier äußert, bezieht sich ausschließlich auf Technik und ist über weite Kreise der Gesellschaft konsensfähig. Klar, diese Handys nerven doch irgendwie, oder?

Das macht das Remake zu einem noch braveren Film, als es das Original mit seinem konsenssüchtigen Revoluzzertum ohnehin schon war. Ja, schlimmer noch: Craig Brewer verschenkt die großartige, auf der Hand liegende Chance, die erstarkende Bigotterie im heutigen Amerika – Stichwort: Tea Party Bewegung – zum Thema zu machen.

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Innerhalb dieses nichts riskierenden Rahmens aber – und das ist paradox – lädt Brewer die neuen Bilder mit so viel Sexualität auf wie innerhalb eines Films für Teenager nur irgend möglich (darin gibt es durchaus Parallelen zu Brewers letztem Kinofilm, Black Snake Moan, von 2006.). Das wird vor allem deutlich anhand der Figur der Ariel, der Tochter des Reverends, gespielt von Julianne Hough (Burlesque, 2010). Stets enorm knapp bekleidet, mutiert sie zu einem Pin-up-Girl. Wo Ariel im Original noch akrobatisch von einem rasenden Auto ins andere kletterte, hängt sie hier nur ihren Oberkörper aus dem Beifahrerfenster, um bei einem Wagenrennen die Fahne zu schwenken. Wenn sie tanzt, dann mit dem Hüftschwung einer Stripperin. Das allerdings wirklich gekonnt.

Die Inszenierung der Tanzszenen zeigt überhaupt die deutlichsten Änderungen. Schnell geschnitten, wie heute üblich, lassen sie keine Orientierung mehr zu. Die Choreografien sind zerhackt in einzelne Bewegungen, die Kamera ist eher selbst mittendrin, als dass sie beobachtet. Man kann das bedauern, aber es ist nun mal der gültige Stil, der in anderen modernen Tanzfilmen, der Step-Up-Reihe etwa, noch viel radikaler umgesetzt wird. Die Songs dagegen kehren wieder und werden als Ohrwurm-Material erneuert.

Ein Film also, der sich nahezu sklavisch an die Vorlage hält (er ist übrigens dessen Regisseur Herbert Ross gewidmet), außer Äußerlichkeiten nichts verändert (aus dem Traktor-Duell wird ein Rennen mit Schulbussen) und der keinen neuen Zugang zu der Geschichte findet. Ob er damit die Jugendlichen von heute begeistern kann?

Kurt Vonneguts Slaughterhouse 5, das sei noch nachgetragen, wurde übrigens kürzlich wieder einmal in einer Schule in den USA verboten. 

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