Following

Christopher Nolans (Memento) Filmdebüt aus dem Jahr 1998 dreht sich um einen erfolglosen jungen Schriftsteller, der aus Neugierde fremden Menschen auf der Straße folgt. Als ihn eines seiner Opfer bemerkt, gerät sein Leben zunehmend aus dem Gleichgewicht. Spannender und trotz seines niedrigen Budgets technisch beeindruckender Thriller.

Following

Als Memento von Christopher Nolan 2001 in die Kinos kam, wurde hauptsächlich das Konstruktionsprinzip des Films, seine Geschichte rückwärts zu erzählen, in den Vordergrund gestellt. Auch wenn nonlineare Erzählweisen nichts völlig Neues waren, schien es doch als wäre mit der umgedrehten Chronologie ein neuer Trend geschaffen worden. Die meisten nachfolgenden Filme konnten das Konzept jedoch nicht überzeugend verwerten, weil sie sich entweder mit pseudo-philosophischen Absichten allein auf die Idee der Unumkehrbarkeit verließen (Irréversible) oder es einfach schleierhaft blieb, warum das Konzept überhaupt verwendet wurde (5x2). Memento schaffte es dagegen seine Struktur von innen heraus zu erklären, nämlich durch die Krankheit seines Protagonisten.

Jetzt startet Nolans Debütfilm Following aus dem Jahr 1998 in unseren Kinos. Und auch bei seinem Erstling steht die Beschäftigung mit verschiedenen Zeitebenen im Vordergrund, wobei der Film nach einem weniger klaren Prinzip strukturiert ist als Memento. Die Handlung erzählt von dem erfolglosen Schriftsteller Bill (Jeremy Theobald), der aus Neugier fremden Menschen auf der Straße folgt. Als er an den Einbrecher Cobb (Alex Haw) gerät, schafft er es endlich seinem langweiligen Alltag zu entfliehen. Bills neues Selbstbewusstsein drückt sich durch eine starke äußere Veränderung aus und bringt ihn mit einer geheimnisvollen Blondine (Lucy Russell) zusammen. Nur langsam bemerkt Bill, dass er für fremde Zwecke instrumentalisiert wird.

Following

Die Handlung ist in zwei Hälften unterteilt, wodurch die eigentlich simple Geschichte zunächst verwirrend wirkt. An einem zentralen Punkt in der Handlung ändert der Protagonist sein Äußeres vom unrasierten Gammler zum Proto-Schwiegersohn im Anzug. Nolan montiert diese beiden Erzählhälften parallel, wodurch bei jedem Szenenwechsel ein Bruch in der Chronologie entsteht bis die Handlungen am Ende zusammenlaufen.

Die Unklarheiten, die im Laufe des Films aufkommen, werden zwar beseitigt, aber auch durch neue ersetzt. Zusammen mit Bill muss der Zuschauer die einzelnen Teile der Geschichte wie bei einem Puzzle zusammen setzen, wobei die Handlung immer neue Wendungen nimmt und dadurch der gesamte Film im Kopf des Betrachters immer wieder neu geordnet werden muss.

Following

Das Geheimnisvolle, das dem Film und seinen Figuren anhaftet und durch das sowohl der Protagonist als auch der Zuschauer immer mehr in die Handlung gezogen werden, erinnert stark an den Film Noir. Figurentypen wie der undurchsichtige Vamp oder der einsame Held zeigen dies ebenso wie die nostalgische visuelle Gestaltung, die sich besonders in der Wahl der Kostüme und Ausstattung bemerkbar macht. Nolans Entscheidung den Film in Schwarzweiß zu drehen bringt noch zusätzlich eine Aura des Vergangenen mit ein.

Obwohl der Film angeblich nur 6000 Pfund gekostet hat, sind besonders die bewegte Kamera und der rasante Schnitt auf hohem technischen Niveau. Man sieht dem Film keineswegs an, dass er im Freundeskreis des Regisseurs entstanden ist. Dass die Charaktere nicht besonders komplex gezeichnet sind oder die Story teilweise etwas abgedroschen klingt, rückt durch die unkonventionelle Erzählweise und die Dominanz des Visuellen in den Hintergrund und stört somit auch nicht. Following bleibt trotz seiner narrativen Abweichungen ein Genrefilm und als solcher weiß er allemal zu überzeugen.

Kommentare


Stefan

Schließe mich der Kritik an. Ein hervorragendes Stück Independent-Kino! Dieser Film beweist - und das gleich zu Beginn - dass Chris Nolan sowohl im Blockbusterkino, als auch im Alternativen Kino neue Maßstäbe setzt. Danke dass dieser Film besprochen wurde!






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