Flutsch und Weg

Die Toilettenspülung als Tor zu einer anderen Welt: Die Maus Roddy gerät auf diesem Weg in ein Undergrund-London, für das die Macher von Wallace & Gromit und Shrek ihre sehr unterschiedlichen Qualitäten zusammengetan haben.

Flutsch und Weg

Nach Hennen Rennen (Chicken Run, 2000) und Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen (Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit, 2005) ist Flutsch und Weg (Flushed Away) die dritte Kooperation zwischen der britischen Firma Aardman des Knetgummi-Visionärs Nick Park und dem Hollywood-Studio DreamWorks Animation. Park macht seit Jahren Filme auf altmodische und zeitraubende Art: Er formt Figuren und Kulissen aus Knetmasse und filmt sie mit der Stop-Motion-Technik, einem Verfahren, in dem schon die Trickaufnahmen von King Kong und die weiße Frau (King Kong, 1933) gedreht wurden. Zusammen mit Tim Burton (Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche, Corpse Bride, 2005) hält Park die Stellung, ungeachtet der Tatsache, dass sich mit wenigen Mausklicks am Computer Welten schaffen lassen, für die er sich monatelang in seine Werkstatt zurückziehen muss.

Flutsch und Weg

DreamWorks, die seit Shrek (2001) an der Spitze der computergenerierten Filme agieren, haben sich bisher mit der Rolle des stillen Geldgebers begnügt, um Aardmans erfolgreiche Extravaganzen zu ermöglichen. Für ihr drittes gemeinsames Projekt haben beide Firmen nun ihr Know-How zusammengetan. Aus dem ursprünglichen Plan, Computertechnik und Stop-Motion zu kombinieren, ist ein vollständig digitales Produkt entstanden, in dem es deutlich mehr DreamWorks-Spuren gibt als Reste von Wallace & Gromit.

Ähnlich wie bei Shrek steckt der Film voller popkultureller Referenzen, einschließlich eines Winks an die Konkurrenz von Pixar: „Hast du meinen Vater gesehen“, fragt da ein kleiner Clownfisch mit großen Augen in die Kamera. Die Handlung ist eine bis ins Detail stimmige, spannungsgeladene und rührende Abfolge beeindruckender Bilder, und wenn der Film seine Schurken ins Licht rückt (eine rassistische Amphibie mit Armageddon-Fantasien sowie ein französischer Profikiller namens Le Frosch), dann verbeugt er sich vor dem Expressionismus.

Flutsch und Weg

Die Maus Roddy, in der deutschen Synchronfassung gesprochen von Ralf Bauer, lebt ein luxuriöses, aber einsames Leben in einem Haushalt in Kensington. Als sie durch die Toilette gespült wird, landet sie in den Abwasserkanälen Londons, wo sich für den verwöhnten Roddy eine ganz neue Welt eröffnet. Wie schon in Bernard & Bianca (The Rescuers, 1977) haben die Tiere sich ihr eigenes Paralleluniversum geschaffen. In diesem Fall geht das so weit, dass fast ganz London im Untergrund nachgebaut wurde, samt Piccadilly Circus, Big Ben und Untergangsprophet im Hyde Park. Roddy staunt also nicht schlecht und wird an der Seite von Rita, einer Art Tank Girl in Gestalt einer Maus, in eine abenteuerliche Geschichte hineingezogen.

Die ausufernden Sets wären mit Nick Parks Plastillin kaum zu modellieren gewesen, allein schon das Haus, in dem Roddy zu Beginn des Films lebt, ist zu groß für die Stop-Motion-Technik. Die Charaktere selbst erinnern mit ihrem Zähne zeigenden Grinsen deutlich an die Knetfiguren, aber ihre Textur ist nun glatt und makellos. Selbst die Toilettenspülung, eigentlich eines der unappetitlichsten Mittel zur Fortbewegung in der Filmgeschichte, ist hier so sauber wie in einer Ajax-Werbung.

Flutsch und Weg

Flutsch und Weg ist bestimmt einer der besseren Trickfilme der letzten Jahre und hat gute Chancen, der Weihnachtsfilm 2006 zu werden. Durch die Zusammenarbeit zwischen Aardman und DreamWorks geht aber mehr verloren als der knautschige Charme von mit der Hand geformten Figuren, auf denen zuweilen noch die Fingerabdrücke ihrer Schöpfer zu sehen waren. Mit seinen atemberaubenden Verfolgungsjagden, den zahlreichen Gags und der Tom-und-Jerry-Gewalt hat Flutsch und Weg alles, was ein fesselndes und lustiges Trickabenteuer braucht. Einschließlich der Familienwerte, die auf eine fast Disney-hafte Weise ins Licht gerückt werden. Das geschieht nicht allzu aufdringlich, weil Ritas Großfamilie eine zwar liebenswerte, aber auch dysfunktionale Sippe ist. Doch in der Welt des ewigen Junggesellen Wallace, der als Gesellschaft seinen Hund Gromit vorzieht, gab es so etwas nicht. Die beiden wären niemals auf den Gedanken gekommen, mit ihrer Lebensform könnte irgendetwas nicht stimmen.

Trailer zu „Flutsch und Weg“


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