Pirates Of The Caribbean - Fremde Gezeiten

Die Pirates Of The Caribbean sind nicht tot zu kriegen - für viele Figuren gilt das sogar im wörtlichen Sinne. Damit das auch so bleibt, machen sich Jack Sparrow, Barbossa und Neuzugang Blackbeard im vierten Teil auf die Suche nach dem sagenumwobenen Jungbrunnen.

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Disneyland war für Jean Baudrillard ein perfektes Modell für sein Simulakrum dritter Ordnung. In der von ihm so bezeichneten „Ära der Simulation“ würden die Zeichen ihre Refereniale aufgeben und Gegensätzlichkeiten  sich damit verlieren. Auch jegliche Ideologien und Erzählungen würden sich aus ihrer ordnungsgebenden Funktion lösen und  im Wirbel der ungebundenen Zeichen frei umher flottieren. Große Ereignisse würden jeder Teleologie entbehren und  wären nur noch ephemere Spektakel. Über die Brauchbarkeit dieser Gegenwartsdiagnose scheiden sich die Geister. Das Inszenierungsprinzip der Pirates of the Caribbean-Filme lässt sich damit allemal erfassen. Treffenderweise ging die Filmreihe aus oben genanntem Lieblingsbeispiel Baudrillards hervor, genauer gesagt aus dem gleichnamigen „Fun Ride“ im weltbekannten Vergnügungspark.

Die Pirates Of The Caribbean-Filmwelt stellt sich als herrlich buntes Konglomerat dar, das Elemente diverser Mythologien, klassischer Seemannsgarne, Piratenlegenden und –romane, selbstironische Stereotype, historische Figuren, Fabelwesen und vieles mehr vereint. Über die ersten drei Teile hinweg entwickelte der Plot um die Abenteuer von Jack Sparrow in dieser Welt zunehmend Verzweigungen, die schließlich in eine kaum noch überschaubare Komplexität ausarteten. Das filmische Zeichenuniversum wurde in seiner freien Verfügbarkeit genutzt und sämtliche Dichotomien wie gut/böse, ehrbar/hinterlistig oder Gemeinwohl/ Partikularinteresse, die eine bestimmte Struktur konstituieren, je nach Bedarf aufgelöst. So wechselten die Figuren ständig die Seiten und Allianzen. Commander Norrington etwa machte im ersten Teil Jagd auf Seeräuber und wurde im zweiten Teil selbst Mitglied einer Piratencrew. Im dritten Teil kehrte er als Admiral zur königlichen Armee zurück, als welcher er letztlich sein Leben lassen musste. Doch wie das Schicksal von Jack Sparrow und Hector Barbossa bewies, hat nicht einmal der ultimative Gegensatz zwischen lebendig und tot noch Bestand.

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Trotz einiger Verwirrungen erfüllte die Piratensaga ihre Hauptfunktion bislang bestens.  Jene bestand darin, immer wieder den Ausgangspunkt für ein unfassbares Spektakel aus perfekt choreografierten Kampfszenen, visuell überbordenden Settings, wild tosenden Materialschlachten und dem State Of The Art der aktuellen CGI-Entwicklung zu liefern. Dadurch wurden die Filme selbst zu einem visuellen „Fun Ride“ entlang der Kinoleinwand.

Nicht das Ziel sei das Ziel, sondern die Reise, erklärt Jack Sparrow in seinem neuesten Abenteuer gewissermaßen dieses Prinzip, das auch hier selbstverständlich beibehalten wird. Diesmal ist der Paradiesvogel gezwungen, sich auf der Suche nach dem Jungbrunnen mit dem berüchtigten Blackbeard (Ian McShane) zusammenzutun. Verfolgt werden sie dabei von Kapitän Barbossa (Geoffrey Rush), der zuletzt noch heldenhaft für die Piratenfreiheit kämpfte und nun im Dienst der Armee von King George steht, wenngleich mit eigenen Zielen. Die Reise zum Jungbrunnen hält erwartungsgemäß etliche aufwendig inszenierte Gefechte und Kuriositäten bereit.

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Zwischen der Handlung des dritten und vierten Teils ist offensichtlich einige Zeit vergangen, auf deren Ereignisse lediglich Spuren, wie Jacks kreuzförmige Narbe oder die knapp gehaltenen Erzählungen Barbossas, Hinweise geben. Vieles bleibt im Ungewissen. Zentrale Charaktere wie Elisabeth Swann und Will Turner, aber auch Jacks Crew sind nicht mehr mit an Bord. Insgesamt arbeitet der neueste Film wesentlich weniger mit Bezügen zu seinen Vorgängern und die Handlung ist geradliniger. Das erleichtert den Zugang, speziell auch ohne Kenntnis der bisherigen Trilogie.

Da das Ausbleiben vieler bekannter Gesichter und deren Eigenheiten Lücken hinterlässt, wurde freilich versucht, diese durch neue zu ersetzen. Neben Blackbeard  übernimmt Penélope Cruz die weibliche Hauptrolle als dessen Tochter und Jacks ehemalige Geliebte Angelica. Anstelle von Will und Elisabeth dürfen der entführte Missionar Philip Swift (Sam Claflin) und die Meerjungfrau Syrena (Astrid Bergès-Frisbey) ihre Liebe füreinander entdecken. Jedoch schafft es keiner der Neuzugänge eine eigenständige Faszination oder Empathie für sich zu erzeugen, letztlich bleiben sie eher belangloses Füllwerk. Wieder ist Johnny Depp als Jack Sparrow Fluchtpunkt des Geschehens. Die von ihm verkörperte Schrägheit gepaart mit Gerissenheit und eigentümlichen Charme garantiert auch ein viertes Mal Vergnügen, bietet aber nichts Neues.

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Auch Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten setzt auf eine Mischung aus Action und Humor, allerdings kommt letztere nicht ganz so beschwingt und ausgeprägt zum Ausdruck, wie bisher. Das mag zum einen am Fehlen wesentlicher Comic-Relief-Figuren, wie etwa dem verlotterten Piraten Pintel und seinem gelegentlich zu überraschend intellektuellen Äußerungen neigenden Kompagnon Ragetti, oder dem Kapuzineräffchen Jack liegen. Hinzu kommt die Intensivierung des düsteren Grundtons, der im vorangegangen Teil schon angeschlagen wurde. Die meisten Partien des Films spielen in finsteren Spelunken, im Dschungeldickicht oder in Höhlen, und Szenen im Freien meist bei Nacht.

Überraschend ist das Fehlen einer weiteren Quasi-Hauptfigur. War die Black Pearl bisher immer ein zentraler Handlungsort, hat sie diesmal nur einen äußerst kleinen Auftritt: als miniaturisiertes Flaschenschiff. Generell tritt das Motiv der See in den Hintergrund. Ungewöhnlich viel Zeit nimmt dagegen die Handlung an Land ein, vor allem die Expeditionen ins Innere der Insel, die den Jungbrunnen birgt. Die pompösen Schiffsschlachten, bisher ein Hauptmerkmal der Reihe, bleiben aus.

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Überhaupt gibt sich die Inszenierung der Action-Sequenzen im vierten Teil vergleichsweise statisch. In den ersten drei Teilen wurden viele Kampfszenen in ihrer berauschenden Wirkung noch potenziert, indem die an sich schon schwindelerregenden Bewegungsabläufe selbst in einem bewegten Umfeld stattfanden. Die eindringlichsten Beispiele sind hier sicherlich das Duell zwischen Sparrow, Turner und Norrington inmitten eines riesigen rollenden Mühlrads oder die finale Schiffsschlacht aus Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt im Auge eines tobenden Malstroms. Eine solche zusätzliche Dynamik fehlt in Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten. Ob das an der Ablösung von Gore Verbinski im Regiestuhl durch Rob Marshall liegt, der sich hier zum ersten Mal im Action-Genre bewegt, sei dahingestellt. Es ist schließlich nicht so, dass Marshall kein durchaus unterhaltsames Piraten-Spektakel auf hohem technischen Niveau und voller sehenswerter Special-Effects gelungen wäre. Aber so bombastisch hohe Wellen, wie das von Verbinski,vermag es nicht zu schlagen.

Trailer zu „Pirates Of The Caribbean - Fremde Gezeiten“

Kommentare


Bamberger

Ich war gerade im Film und bin enttäuscht. Sicher, sehr viel Aufwand, es wurde keine Mühe gescheut.
Aber:
Die Stimme von Jonny ist anders und irgendwie komisch...
Das ganze Spiel wirkt so als ob die darsteller einfach nicht gut drauf wären. Es wird gespiel nach Plan und was verlangt wird. Aber ohne echten witz, ohne Feuerwerk der Begeisterung.
manchmal hat man dasa Gfühl das ein Stück in der Geschichte fehlt, es fehlt der Anschluss, und das obwohl dr Film sehr lang ist.
Auch die Musik mit dem alten Thema aber mehr oder wneiger pflichterfüllt im Hintergrund.

Mein Fazit: Für Fans ist es Pflicht auch auwenig gemacht aber ein Film wie viele andere von der Stimmung. Die Luft ist raus.


Wolfgang

Toll wie teuer ist das


ranaDatra

Die Schauspieler geben meiner Meinung nach ihr bestes, aber der Regisseur hat einfach kein händchen für die abgedrehten und fliegenden Szenen der ersten 3 Teile. Er versucht zwar merklich, die Action zu überdrehen, aber im vergleich der ersten 3 Filme fehlt ihnen einfach das Feuer.
Am besten ist der Film dann, wenn er sich an die Stärken der ersten Teile entsinnt, aber alles, was er selbst einführt, ist schlicht schwach. Die Meerjungfrauen sind da noch das beste. Blackbeards Zombies werden zu keiner zeit so bedrohlich wie Barbossas Untote oder Davy Jones Crew, sein Schiff ist eher Kulisse als Teil der Handlung (wenn man mal bedenkt, was die Flying Dutchman drauf hatte oder was die Black Pearl alles aushalten musste. Sogar die kleine Interceptor aus dem ersten Teil hatte mit ihrem Halsbrecherischen Wendemanöver mehr Charme bekommen als Blackbears Pott.). Die Krönung aber ist die völlig bekloppte Rolle der Spanier, die enorm wichtig für die Handlung sind, aber, wie soll man sagen, eher lachhaft inszeniert werden. Generell muss man stellenweise eine Menge Geduld mitbringen, da sich der Film oft in Belanglosigkeiten verliert und anscheinend hier und da gestreckt wurde.

Schlussendlich ist es den Machern zwar gelungen, nach der Trilogie ein neues Fass aufzumachen, aber das nächste mal muss einfach wieder mehr Tempo und Fantasy rein. Das hier war ein eindeutiger Fehlschuss.


Schaeuffelchen

DER DA VINCI CODE, INDIANA JONES, SHANGHAI NOON, BUFFY THE VAMPIRE SLAYER und die Muppets-Version der SCHATZINSEL. Wer den vierten Teil der Disney-Piratensaga um Capt. Jack Sparrow sieht, der wird sich automatisch an all die oben genannten Filme erinnert fühlen. Zu keinem Zeitpunkt steht der Film für sich, und was noch viel schlimmer ist: Auch mit den ersten drei Teilen hat er wenig zu tun. Es ist schon beschämend, dass Drehbuchautoren für einen solchen Plot Geld bekommen.
Einen positiven Aspekt muss man erwähnen: Johnny Depp. Hier hört es aber auch schon auf. Und sogar Jack Sparrow wirkt ohne Will Turner und Elizabeth Swann irgendwie blass. Teile 2 und 3 haben bereits vermuten lassen, dass der Fluch der Karibik nicht mehr ganz so heftig ausfallen wird wie im ersten Teil, aber mit "Fremde Gezeiten" geht die Swashbucket-Reihe in die Geschichte der Filme ein, von denen es besser keine Fortsetzung gegeben hätte.


Lynn

Also ich war auch unheimlich enttäuscht..
Habe extra mit Freunden einen Film-Marathon veranstaltet und sind danach ins Kino!
Hat sich nicht rentiert.

Der Film mag zwar eine riesen Produktion gewesen sein. Doch ist das für das Endprodukt keine Entschuldigung!!
Der Film ist zu dunkel teilweise sind Sequenzen kaum erkennbar und mit der Meinung stehe ich nicht alleine.
Durch die neue Stimme zerstört Witz und Charme.. Womit ich nicht ausdrücken möchte das es keine angenehme Stimme war. Doch war es nicht die, mit der sonst der Charakter des Protagonisten transportiert wird.
Meiner Meinung war der Film halbherzig und die Spannungskurve unheimlich verkürzt usw.

Mehr ist mir dieser Film auch nicht wert zu schreiben obwohl ich an sich sehr große Sympathie für die Reihe sowie die Darsteller hege.

Außer noch:

Weitere FORTSETZUNGEN wie diese sind
NICHT ERWÜNSCHT!!

NUR MEINE MEINUNG!


Kibo

Durch die neue Synchronstimme von Jack verliert der Film seinen leisen, charmanten Humor.
Schade, das hier mal wieder nur nach Geld entschieden worde.
Bin sehr enttäuscht, da gerade die leicht tuntige Stimme von Jack die vorherigen Episoden so lustig machten.


Name

Ich finde den Film nicht so schlecht wie viele schreiben. Die ersten 3 Teile waren ''Ausgezeichnet'' und der 4. war einfach nur ''Gut''.
Es haben unter anderem die ganzen alten Charaktere wie Cotton, Cotton's Papagei, Pintel, Ragetti, der Liliputaner, Jack der Affe usw.
Will und Elizabeth haben meiner Meinung nach nicht unbedingt gefehlt.
Ich will wenigstens ein paar dieser Charaktere im 5. Teil wiederhaben, sonst ist Fluch der Karibik für mich gestorben.






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