Flash of Genius

Nach einer wahren Begebenheit: Die Geschichte des Intervallscheibenwischers verändert ganze Biographien und muss für die Verfilmung eines langen, zähen Patentstreits herhalten.

Flash of Genius

Detroit ist Motor City, Ford Motor Company ist das institutionalisierte Böse und Dr. Bob Kearns (Greg Kinnear) ein frommer Familienvater, der für seine Ehre und ein paar Millionen Dollar kämpft. Diese american-dream-Variante der 1960er und 1970er Jahre legt die alte Geschichte von David gegen Goliath neu auf: Man muss nur wollen und genug Akten lesen, um juristisch und persönlich Erfolg zu haben. War Marc Abraham bislang vor allem als Produzent bekannt, legt er nun mit in seinem Regieerstling die true story des Hobbyerfinders Kearns vor. Während langer Jahre prozessierte dieser gegen Ford für die Anerkennung seiner Erfindung.

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Ein Intervallscheibenwischer ist schon nützlich, fast wie das Blinzeln eines Auges, befindet Kearns und entwickelt in Eigenregie das Gerät, das nie in die Produktion gehen wird. Von Ford betrogen, findet Kearns sich in einer psychiatrischen Klinik wieder, verliert den Job und fast auch die Familie in seinem einsamen Kampf gegen die Autoindustrie. So einfach ist die Logik des Films: Hofft Kearns bei einem Tischgebet auf Regen, um endlich seinen Scheibenwischer unter realen Bedingungen zu testen, sendet Gott eine Sintflut, die jegliches Intervall zwischen einem Wischvorgang überflüssig macht. Das ist streckenweise ermüdend, vorhersehbar und simpel – der Plot wirkt wegen fehlender Nebenhandlungsstränge ziemlich mager.

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Auch die Nebenfiguren und Kearns selbst bleiben oft eindimensional und lieblos gezeichnet. Der Konflikt zwischen Kearns und seiner Frau Phyllis (Lauren Graham), Hausfrau und sechsfacher Mutter, wird seltsam beiläufig und vorwiegend aus der Perspektive des missverstandenen Ehemanns erzählt. Die Persönlichkeit und die Motivationen der Figuren bleiben dabei meist im Dunkeln. Wenn Kearns am Rande der psychischen Stabilität wandelt, wackelt zwar die Kamera ein bisschen und der Soundtrack dräut, viel mehr wird dem Zuschauer jedoch nicht zugetraut. Das gleiche ästhetische Schema gilt für den angedeuteten Vater-Sohn-Konflikt oder die Beziehung zu Kearns Freund und Mitstreiter Wade (London Angelis).

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Der Film kulminiert in einer Gerichtssequenz, in der zumindest Kinnears Schauspiel zum Tragen kommen darf. Mit pathetischem Schlussplädoyer und einem nicht allzu überraschenden Ende bleibt aber auch hier der Film zu sehr am Klischee haften – das hat Steven Soderbergh mit einer ähnlichen Story in Erin Brockovich (2000) interessanter erzählt. Dort stellte sich tatsächlich die Frage nach Gerechtigkeit und Justiz, nicht das Streben nach persönlicher Bestätigung des Protagonisten stand im Mittelpunkt. So bleibt Flash of Genius ein leicht verdauliches Familiendrama eines daily heros, unterfüttert mit ideenloser Kritik an der Übermacht eines Industriekonzerns.

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Kommentare


amgervinus

Argumentation im Gerichtssaal: "Alles was Dr. Kearnes getan hat, ist diese Bauteile in einer neuen Reihenfolge anzuordnen. Das ist nicht dasselbe, wie etwas vollkommen neues zu erfinden.."
Hier muß als Argument kommen: " Wäre denn dieses Produkt erfunden worden, wenn Dr. Kearnes diese Bauteile nicht in der besagten Reihenfolge angeordnet hätte? " Nein!.. Also, ist diese Erfindung wohl doch etwas neues ?..






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