Final Destination 5

Nach dem Überraschungshit von 2000 wütet zum mittlerweile fünften Mal ein überaus kreativer Tod, dessen Pläne man durchkreuzte, über die Leinwand. Dabei veranschaulicht das Sequel von Steven Quale noch einen ganz anderen Plan.

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Hollywood handelt ökonomisch. Das ist kein Geheimnis. Doch ein Blick auf gewinnorientierte Großproduktionen der letzten Jahre zeigt einen Trend, der konstitutiv für das US-Filmgeschäft der 2000er Jahre geworden ist. Mit unzähligen Sequel-Produktionen durchbricht man die abgeschlossene Form der Trilogie und flutet die Kinos mit vierten Teilen und Endlosreihen. Innovation wird marginal zugunsten einer größtmöglichen Effizienz.

Neben neuen Fortsetzungen erfolgreicher Titel der 1980er und 90er wie Stirb langsam 4.0 (Live Free or Die hard, 2007) setzt man neuerdings auf nicht enden wollende Serien wie Saw (2004 ff.) oder eben Final Destination (2000 ff.). Zwar kennt man derartige Erscheinungen gerade aus dem Bereich des Horrorfilms, doch im Gegensatz zu den Direct-to-Video-Slashern um Michael Myers (Halloween, 1978 ff.) oder Jason Voorhees (Freitag, der 13., Friday the 13th, 1980 ff.) wurden die Blutbäder der letzten Jahre ausnahmslos zuerst auf der großen Leinwand angerichtet. Der Begriff des Franchise gelangte zu neuer Größe und so darf sich Gevatter Tod zum bereits fünften Mal an einer Handvoll Holzschnitt-Charakteren vergehen.

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Dieses Mal trifft es eine Gruppe Büroangestellter um den unglückseligen Vorausahnenden Sam (Nicolas D’Agosto). Auf dem Weg zu einem Meeting rettet er eine Gruppe Kollegen vor einem Brückeneinsturz. Das hat eine höhere Macht jedoch anders vorgesehen, und die Überlebenden wiegen sich in nur scheinbarer Sicherheit. Wer einmal todgeweiht ist, der bleibt es auch.

Um das Phänomen des Franchise im Bereich des Horrorfilms zu verstehen, gilt es einige Grundsätze zu verinnerlichen: Grüne Box-Office-Zahlen durch steigenden Bodycount, so lautet die erste und einfachste Formel. Dieser makabren Logik ist die Reihe bislang konsequent gefolgt. In immer abstruseren Situationen verfolgte man eine spektakuläre Zerstörung der meist jugendlichen Körper. Das fesselnde Moment des ersten Teils, die Verkettung kleiner Ereignisse, die schließlich zum Ableben der Protagonisten führte, wurde in den Sequels bis in die manchmal lachhafte Überkonstruktion erhöht. Sonnenbänke und Autowaschanlagen werden hier zu Folterinstrumenten der bizarrsten Art.

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Da ist es fast verblüffend zu sehen, dass Final Destination 5 einen merklichen Schritt in die andere Richtung tut. Auch der Tod handelt ökonomischer als sonst und betreibt minimaleren Aufwand. Anstatt ganze Einkaufszentren in die Luft zu jagen, setzt man im neuen Teil wieder vermehrt auf kleine, spitze Gegenstände.

Dennoch entspricht dieser Modus Operandi seitens der Macher ganz dem Franchise-Gesetz. Trotz des kommerziellen Erfolgs des vierten Teils wurden bei Fans viele Stimmen laut, das nunmehr hoffnungslos überreizte Konzept endlich ruhen zu lassen. Zur Logik der großangelegten Horrorreihe gehört eben auch, auf die öffentliche Meinung zu reagieren. Doch einfach aufzuhören wäre angesichts der hohen Box-Office-Zahlen ökonomisch unsinnig. Die logischste Konsequenz ist also, sich auf das ursprünglich Reizvolle des Originals zurück zu besinnen. Dies verschafft Final Destination 5 einen höheren Anteil an Gänsehautmomenten als den letzten beiden Fortsetzungen der Serie, die um einiges bunter und knalliger daherkamen.

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Eine weitere Regel besagt, dass die erfolgreiche Weiterführung der Reihe am besten mit minimalen Plotneuheiten zu bewerkstelligen ist. Während man beispielsweise in Final Destination 3 (2006) komplett darauf verzichtete, schickt sich Steven Quales Ableger an, eine kleine Neuheit einzuführen und schließlich auch eine narrative Verbindung zu einem der anderen Teile aufzubauen. Das Redundante mischt sich wieder etwas mehr mit neuen Impulsen, und so keimt in Final Destination 5 zumindest das Bewusstsein um seine Stellung als Teil eines Franchise-Ganzen. Das dürfte seine Anhänger bei Laune halten. Auch die dem Horrorfilm so zuträgliche 3D-Technologie tut das Ihrige, um die Fans zufrieden zu stellen. Die ohnehin schon starke körperliche Affizierung durch die Zeigefreude der Serie wird, wie bereits in Final Destination 4 (The Final Destination, 2009), nochmals gesteigert, und Stahlstäbe und Blutfontänen schießen in unbehagliche Nähe.

Sollte sich ein kommerzieller Erfolg einstellen, werden Teil 6 und 7 angeblich am Stück gedreht. Die Kinozahlen des Startwochenendes in den USA sprechen jedoch eine andere Sprache, der bitterböse Todesreigen blieb hinter den Erwartungen zurück. Auch wenn das Franchise dieses Mal wieder einige Register zieht, sind Ermüdungserscheinungen nach zehn Jahren ungebrochener Zerstörungswut nicht verwunderlich. Sieht so aus, als würde der Zuschauer den ökonomischen Plan hinter der Final Destination-Reihe langsam durchkreuzen.

Trailer zu „Final Destination 5“


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