Final Call
Eine Frau wird entführt; ihr einziger Kontakt zur Außenwelt ist ein junger Mann, der nicht weiß, wo sie sich befindet. Das Telefon ist in Final Call Dreh- und Angelpunkt einer actionreichen Geschichte, die gute Unterhaltung ohne allzu viele Überraschungen bietet.

Schon zum zweiten Mal in kürzester Zeit steht nach Nicht Auflegen (Phone Booth, 2002) in Final Call (Cellular) das Telefon im Zentrum eines Hollywood-Actionfilms. In beiden Filmen zieht die Handlung ihre Spannung daraus, dass die Person am einen Ende der Leitung nicht weiß, wo sich der andere befindet – eine Struktur, auf die Autor Larry Cohen, der am Drehbuch beider Filme beteiligt war, wieder erfolgreich eine temporeiche Geschichte aufsetzt.
Während sich in Nicht Auflegen hinter dem Anrufer allerdings ein Mörder verbarg, hat der etwas unbedarfte Ryan (Chris Evans) eine Frau am Telefon, die entführt worden ist, aber weder weiß, wo sie sich befindet noch warum sie überhaupt verschleppt wurde. Der Film begleitet beide Protagonisten: Jessica Martin (Kim Basinger) kann die meiste Zeit aber über ein von ihr mühsam repariertes Telefon nur tatenlos zuhören, wie Ryan, stets sein Handy am Ohr, durch Los Angeles jagt, um ihre Entführer (allen voran Jason Statham aus The Transporter [2002]) daran zu hindern, Jessicas Sohn und Mann ebenfalls gefangen zunehmen.

Während Ryans Wettlauf gegen die Zeit und die Tücken der modernen Telekommunikation – Funklöcher und leere Akkus – ist die Kamera selbst in ruhigen Momenten fast ständig in Bewegung, in Jessicas Dachbodengefängnis hingegen steht sie still: Aus dieser von Regisseur David R. Ellis lange gehaltenen Spannung zwischen Ruhe und Bewegung zieht der Film wesentliche Teile seiner Zugkraft: Mit Jessica kann man nur tatenlos zusehen, wie Ryan immer wieder um Momente zu spät kommt.
Basingers Jessica bleibt aber nicht den ganzen Film in der Rolle der passiven Frau hängen; nachdem sie einige Schläge hat hinnehmen müssen und schließlich die Verbindung zu Ryan abgebrochen ist, verwandelt sie sich zu einer Kämpferin, die nahezu kaltblütig über Leichen zu gehen bereit ist. Dem beängstigend real erscheinenden Spiel Basingers kann Chris Evans’ Ryan keine entsprechende Wandlung entgegensetzen: Ryan bleibt so eine relativ blasse Figur, während Basingers Darstellung im Gedächtnis bleibt.

In einem ansonsten fast ausschließlich Männern vorbehaltenen Film und einem immer noch weitgehend männlich dominierten Genre wie dem Actionkino ist Basingers Figur zwar eine positive Abwechslung; allerdings gibt sich Final Call große Mühe, sie nicht mit den Männern auf eine Ebene zu stellen, für die die physische Auseinandersetzung miteinander und der Gebrauch von Waffen ganz normal zu sein scheinen. Jessicas Verhalten wird vielmehr überdeutlich auf ihre Mutterrolle zurückgeführt, auf den Wunsch, ihre Familie zu beschützen wie eine Raubkatze, die ihre Jungen verteidigt.
Diese durch die Hintertür wieder eingeführte Bestätigung naturalisierter Geschlechtszuschreibungen wird allenfalls dadurch ein wenig gemildert, dass – sieht man einmal von dem im Laufe des Films weitgehend geläuterten Ryan ab – die positiven Männerfiguren des Films sich wenig machohaft verhalten, allen voran der von William H. Macy gespielte pflichtbewusste Polizist Mooney, der mit seiner Frau einen Wellnesssalon aufmachen möchte und deshalb zeitweise mit Algenmaske zu bewundern ist. Leider entspricht Macys Rolle wieder einmal allzu sehr seinem Image als sympathischer Verlierertyp.
Unabhängig von diesen Bedenken wird man mit Final Call gut bedient, wenn man wenig mehr als gut gemachtes Popcorn-Kino erwartet; Ryans zunächst zurückhaltenden, dann immer dreisteren Gesetzesüberschreitungen sorgen auch für komische Szenen. Es fällt da nur wenig ins Gewicht, dass einige Wendungen vorhersehbar sind, die Handlung kleine logische Mängel hat und sich eine finnische Mobilfunkfirma nicht nur im Abspann sehr deutlich platzieren ließ.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 03.02.2005
Kommentare zu Final Call
josy 08.05.2005 03:32
Action Thriller ist eine äußerst unpassende Beschreibung für diesen Film. Final Call ist zwar ein recht kurzweiliger Film, jedoch ist die Story extrem flach und vorhersehbar. Der Film ist im Großen und Ganzen sehr überzogen und könnte als Parodie durchgehen, wenn es etwas mehr Witz geben würde.Zudem sind die Schauspieler extrem unglaubwürdig und Kim Basingers Hysterie Anfälle sind unerträglich!
Ich 23.05.2005 20:23
Also,ich fand den Film klasse!Naja,ich würde das jetzt nicht so verallgemeinern,da jeder einen anderen Geschmack hat!z.B. finden auch viele Dirty Dancing gut,und ich kann den Film nicht ab!Aber aus meiner Sicht ist Final Call echt super,besonders Chris Evans;)
marcolaubi 08.06.2005 20:19
Sorry ,ich hätte da mal eine Frage, am Schluss des Filmes !! die end MUSIK vom wem ist die und wie heißt die ? ich wer super dankbar wenn mir einer es sagen könnte.
unter marcolaubi@web.de
MFG:marcolaubi
muelli 14.08.2006 22:49
Vor allen Dingen ist mir unklar, warum die zufällig alle in einer Stadt sind? Aber wenn man solche Sachen ausser Acht lässt...
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Film-Angaben
Titel: Final Call
Originaltitel: Cellular
USA 2004
Laufzeit: 94 Minuten
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Chris Morgan, Larry Cohen
Produktion: Dean Devlin, Lauren Lloyd
Darsteller: Kim Basinger, Chris Evans, Jason Statham, Eric Christian Olsen, Noah Emmerich, William H. Macy
Kinostart: 03.02.2005
DVD-Angaben
Titel: Final Call - Wenn er auflegt, muss sie sterben
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: k.A.
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 93 Minuten
Extras: Alternative Szenen; Audiokommentar: von Regisseur D. Ellis, L. Cohen und C. Morgan; Dokumentationen: Celling out, Schweigepflicht: Der Rampart Skandal; Kinotrailer; Making of; Nicht verwendete Szenen
Verleih ab: 13.05.2005
Verkauf ab: 13.05.2005
Copyright Final Call
Fotos: © Warner Bros.
BERLINALE 2012

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