FC Venus

Pünktlich zum internationalen Großereignis im nationalen Heiligtum Fußball kommt ein deutscher Film zum Thema, basierend auf der gleichnamigen finnischen Produktion, in die Kinos.

FC Venus

Wir sind schon Weltmeister“ verkündet Mia Künzer, Schützin des goldenen Tores, in einem Werbeclip zum Frauenländerspiel. Ja, und die Männer wollen es werden, woran, auch nach einem 1:4 in Florenz, jeder glauben möchte, aber niemand kann. Sind wir also ehrlich: Die Frauenwelt ist nicht nur in die Männerdomäne Fußball eingebrochen, sie hat schon die Führung übernommen.

Nun entmystifiziert auch noch eine weibliche Regisseurin den Männermythos mit einem Film, in dem ausgerechnet die weibliche Protagonistin am besten Fußball spielen soll. Nun gut, an dieser Stelle kann man Entwarnung geben. Nora Tschirner verkörpert die ehemalige Jugendnationalspielerin ebenso wenig glaubhaft wie die Bauingenieurin, die aus ihr geworden sein soll. Die jugendlich wirkende Schauspielerin und MTV-Moderatorin war in Kebab Connection (2005) treffend besetzt, doch Schmollmund und stechender Blick reichen nicht, um eine Powerfrau auf dem Bau zu verkörpern. Das Problem mit dem Fußballspielen ist weniger eines der Darstellerin, als der Regisseurin. Die Fußballsequenzen sind derart lieblos und schlecht choreografiert, als seien nur die Outtakes zu sehen. Zu sehen ist im Übrigen auch das Band, an dem Anneke Kim Sarnau als Torhüterin bei ihren Paraden hochgezogen wird.

FC Venus

Neben Sarnau und Tschirner agieren Christian Ulmen, Florian Lukas, Heinz Hoenig, Jan Henrik Stahlberg, Leslie Malton, Petra Kleinert und andere in diesem folglich namhaft besetzten Klamauk.

Paul (Christian Ulmen) erliegt dem Lockruf seines Freundes und Mitbegründers der Eintracht Imma 1995 e.V., Steffen (Florian Lukas), der dezimierten Truppe als Stoßstürmer hilfreich zur Seite zu springen. Erst nach und nach registriert seine Lebensgefährtin Anna (Nora Tschirner), dass dies der Grund ihres Umzugs in die provinzielle Einöde ist. In Imma dreht sich alles um Fußball und so bleibt den Frauen nur die Wette, ihre Ehegatten im Match auf dem grünen Rasen zu besiegen, um ihnen nach der therapeutischen Niederlage jeglichen Umgang mit dem Hobby zu verbieten.

An einem einfallsreichen Drehbuch orientiert, zeigt Regisseurin Ute Wieland über weite Strecken pointiert das deutsche Männerleben zwischen Kickerstudium und Clubheim. In treffenden Szenen und Dialogen werden die Männermythen dekonstruiert und liebevoll der Lächerlichkeit preisgegeben – mit hohem Wiedererkennungswert. Die Qualität dieses Ansatzes liegt in dem Fokus auf einem in diesem Fall tatsächlich nationalen Phänomen. Die Verbindung von Provinzialität, Traditionalismus, Bürokratie und eben Sportbegeisterung findet exemplarischen Ausdruck im Fußball. In weiterhin steigend besuchten Fußballstadien, die mittlerweile Arenen heißen, sind immer häufiger Frauen anzutreffen. Die Stehplätze sind Sitzschalen gewichen, Fußball ist als gesellschaftliches Ereignis mit wachsender Promipräsenz etabliert. Event und Entertainment rücken in den Vordergrund und gerne wird auch das komische Potential, vor allem bei Ausrutschern und Misserfolg, ausgestellt. Auf Privatsendern dürfen in verschiedenen Formaten altgediente Spieler und Trainer möglichst talentfreie Amateure trainieren und Spielerfrauen wurde eine eigene fiktionale Serie gewidmet.

FC Venus

Insofern steckt FC Venus in einem Dilemma: Als Seismograph deutscher Befindlichkeit legt er den Finger an die richtige Stelle und kann in diesen Momenten, als deutsche Komödie, auch überzeugen. Andererseits sind Amateur- und Frauenfußball bereits fernsehtechnisch so ausgeleuchtet, dass der Film keine neuen Ideen oder Bilder zeigt, zumal es ihm nicht gelingt, das Kinoformat zu nutzen.

Dennoch hätte FC Venus vielleicht als kleine Komödie überzeugen können, hätte man sich nicht so sehr am amerikanischen Kino orientiert. Wie in allen bekannten Sportfilmen muss das Frauenteam sukzessive unkonventionell verstärkt werden, Sex spielt eine Rolle und im Match gibt es einen Last-Minute Showdown. Das Klischeegerüst bricht immer dann zusammen, wenn FC Venus zu großen Gefühlen ansetzt. Wo die komödiantischen Elemente noch überzeugen, zeugen die dramatischen und emotionalen von Stilunsicherheit. Die Liebesgeschichte zwischen Anna und Paul fesselt wie das Aufwärmprogramm einer Kreisklassenreserve.

So bleibt der Film in Ansätzen stecken und scheitert wie so viele vor ihm am Versuch, das Kurzpassspiel mit dem Lederball auf die große Leinwand zu bannen. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist…

Trailer zu „FC Venus“


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Kommentare


Katrine Hoop

Seit langem mal wieder eine richtig gute Komödie! Ein unbeschwert komischer Film, der alles hat, was zu guter Unterhaltung dazu gehört – sogar Slapstick, der Dank der hervorragenden Besetzung nie albern wirkt. Die Darstellerinnen und Darsteller überzeugen mit Ironie und Charme. Sie vermitteln das Gefühl, richtig viel Spaß beim Dreh gehabt zu haben. Geschickt werden Klischees aufgegriffen und in unerwartete Bahnen gelenkt. Fast im Vorbeigehen tauchen auch ernstere Themen auf, doch endlich mal ohne dass der sonst im deutschen Kino so typische moralische Pseudoanspruch nervt. Die skandinavischen Nachbarn lassen grüßen ;-)
Die Vorpremiere zur LadiesNight in Hamburg hat mich absolut überzeugt. Ich freue mich schon darauf, den Film demnächst auch in männlicher Begleitung genießen zu dürfen. Ein echter Volltreffer!


S. Schramm

Der erste Film, den ich im Preview mal sehen konnte - und der war klasse!
Feinste deutsche Komödie würde ich mal sagen, Christian Ulmen in einer Rolle, die ihm auf dem Leib geschneidert ist. Als etwas "gemütlich" gewordener Anfang-30-jähriger, der so langsam sein Nest mit seiner Liebsten bauen möchte und trotzdem beim Fussball das Kind im Manne hervorholt.
Die Geschichte bietet einfach ein breites Spektrum an Lachern und Gelegenheiten um nach dem Kino zu diskutieren. Ganz in Freundschaft mit dem anderen Geschlecht. Und klar, auch über Fussball.


Jochen

Was für ein unglaublicher Schwachsinn! Dass sich Männer dazu hergeben um in solch einem "EMMA"-Mist mitzuspielen, ist nicht zu fassen. Aber für Geld macht heute ja Jeder alles. Allerdings sollte sich wenigstens jeder Mann, der Geld ausgibt und zudem Lebenszeit vergeudet um sich diesen Feministinnen-Schrott im Kino anzutun, mal überlegen ob wirklich alles so cool ist was einem gewissen (und äußerst fraglichen) Zeitgeschmack entspricht, sich aber (wenn auch wieder einmal unter dem Deckmänntelchen einer seichten Komödie) gegen alles richtet was er von Natur aus ist. Wenn in diesem Land wenigstens noch ein Restfunke an Niveau herrscht, wird "FC Venus" der größte Flop dieses Kinojahres.






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