Faster

Nach zehn Jahren im Gefängnis will ein Mann den Tod seines Bruders rächen. Dabei wird er von einem Cop und einem Killer verfolgt.

Faster 01

Der Film verliert – passend zum Titel – ebenso wenig Zeit wie seine Hauptfigur, die der Einfachheit halber schlicht „Driver“ genannt wird. Kaum ist der von Dwayne Johnson gespielte Mann aus dem Gefängnis entlassen worden, rennt er durch das Niemandsland bis zu einem Autoschrottplatz, steigt dort in einen bereitgestellten Wagen, rast los, geht schließlich äußerst forschen Schrittes in ein Büro und erschießt dort einen Angestellten. Nicht schlecht für den Anfang.

Auch nicht schlecht: Das Wiedersehen mit zwei in letzter Zeit selten gesehenen Schauspielern. In einer kurzen Rolle gleich zu Beginn von Faster ist Tom Berenger als Gefängnisdirektor zu sehen. Er gibt dem Driver einige warme Worte mit auf den Weg ins Leben in Freiheit, aber der ist bekanntlich in Eile und hat nur eine einzige Frage: „Wo ist der Ausgang?“

Das zweite Wiedersehen ist länger. Billy Bob Thornton ist der Polizist, analog zu seinem Gegenspieler Driver im Drehbuch schlicht „Cop“ genannt. Ein Mann mit den typischen Cop-Problemen: Kettenraucher, Drogen, kaputte Ehe, nur noch wenige Tage bis zur Pensionierung. Thornton spielt das routiniert und überzeugend runter.

Faster 02

Die Handlung ist simpel, schematisch und wenig überraschend. Der Driver befindet sich auf einem Rachefeldzug und arbeitet stur eine Liste von Leuten ab. Er saß zehn Jahre im Gefängnis, nach einem übel schiefgegangenen Bankraub, bei dem eine konkurrierende Bande nach einem Verrat seinen Bruder erschossen hat. Regisseur George Tillman Jr., bekannt geworden durch die ebenfalls nur mäßig gelungene Rapper-Biografie Notorious B.I.G. (2009), inszeniert das in vorwärts preschenden 97 Minuten, ohne zwischendurch nach dem Weg zu fragen. Für diese Art von Geschichte ist das vielleicht nicht die schlechteste Methode, und es kommt auch ein leidlich unterhaltsamer Film dabei heraus.

Aber Faster versucht offenbar, etwas anderes zu sein als Revenge-Movie-Fließbandware, und deshalb lässt das Drehbuch sich Hintergrundgeschichten zu weiteren Charakteren einfallen. Der Driver ist nicht der tumbe Killer, als der er am Anfang erscheint, sondern so etwas wie ein sensibles Muskelpaket mit einer tragischen Familiengeschichte. Dwayne Johnson, früher bekannt als Wrestler unter dem Namen „The Rock“, kann diese Schwebe zwischen Brutalität und Mitgefühl durchaus halten. Dennoch fragt man sich, wie ein solch plumpes Angebot zur Identifizierung funktionieren soll bei einem Kerl, dem man die meiste Zeit dabei zusieht, wie er Leuten ohne mit der Wimper zu zucken in den Kopf schießt. (Übrigens nicht jedem, was im Detail eins der zahlreichen Indizien für das Schematische dieses Films ist: Ein Triebtäter und ein Stripclub-Gangster müssen dran glauben, ein Prediger – ebenfalls auf der Liste – erfährt Gnade.)

Faster 03

Und dann ist da noch ein richtiger Killer, eine in jeder Lebenslage absurd perfekte, aber dennoch mit Minderwertigkeitskomplexen behaftete Figur (Oliver Jackson-Cohen), die an der Grenze zur Satire angesiedelt ist und wirkt, als hätte sie sich aus einem anderen Film verirrt. Die Hintergrundstory hier besteht in Dingen wie Hochzeit, unendlichem Reichtum und Psychotherapie, was zum Rest von Faster partout nicht passen will. Aber kaum hat man das gemerkt, ist dieser schnelle Film auch schon wieder vorbei.

Mehr zu „Faster“

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.