Fasten auf Italienisch – Kritik

Die Verwechslungskomödie der etwas anderen Art sucht eine Antwort auf die Frage: Welcher Einwanderer ist der sympathischere?

Fasten auf Italienisch 01

Die Kapriolen des Großkotz-Italieners stehen am Anfang der französischen Integrationskomödie Fasten auf Italienisch (L’Italien). Mit Splitscreens und Schnulzballade wird die Maskerade des Protagonisten (Kad Merad) eingeführt: Am Morgen rasiert er sich die Glatze, bis sie glänzt, wählt den passenden Designeranzug aus, dazu eine goldene Armbanduhr und die richtige Sonnenbrille. Im blitzblanken Maserati fährt der Verkleidete schließlich mit fröhlicher Leichtigkeit und verspielter Selbstsicherheit zur Arbeit. Nur ist der Wagen heimlich geliehen – wie auch seine Identität als Italiener. Er nennt sich Dino Fabrizzi und ist als Migrant voll in Frankreich integriert: höchst erfolgreich und beliebt in seinem Job als Verkäufer für die italienische Sportwagenmarke und privat mit einer blonden Französin liiert, die sein südländisches Temperament zu schätzen weiß. Seine von der Klischeemaschine Kino geliehene Erscheinung als Italiener verdeckt den ernsteren Familienmenschen Mourad Ben Saoud, Sohn algerischer Einwanderer, der schon vor ein paar Jahren die aussichtslose Integration aufgegeben hat: Als Italiener lebt es sich leichter.

Fasten auf Italienisch wäre aber keine Verwechslungskomödie, wenn es nicht noch deutlich komplizierter würde. Auch seinen Eltern verheimlicht der Protagonist sein Doppelleben, und als der Vater erkrankt, ringt er Mourad das Versprechen ab, an seiner Stelle einen Monat lang den Ramadan zu begehen. Nun, könnte man meinen, wird es heikel für Regisseur Olivier Baroux, der eher für Klamauk bekannt ist (Safari, 2009). Dann nimmt Mourad im Buchladen Der Islam für Dummies aus dem Regal und besucht einen Imam (Karim Belkhadra), der für ein perfektes Gleichgewicht von Ernst und Humor, von Respekt vor der Religion und Bescheidenheit sorgt.

Fasten auf Italienisch 03

Dem Drehbuch von Nicolas Boukhrief und Éric Besnard, die beide bislang für Thriller und Actionfilme verantwortlich zeichneten, gelingt der Spagat fast zu jeder Zeit: Komik zu Lasten von nationalen und religiösen Stereotypen, ohne diese der Lächerlichkeit preiszugeben. Aus deutscher Sicht mag besonders bemerkenswert sein, wie ein französischer Film das Thema Integration zu besetzen weiß und sich dabei die Perspektive der Einwandererkinder zu eigen macht: Fasten auf Italienisch, könnte man sagen, ist der beste Beweis dafür, dass diese in der Mitte der Gesellschaft – als Helden in der Mainstreamkomödie – angekommen sind. Doch das ist erstens nichts Neues und zweitens so einfach nicht. Auch das macht der geschliffene Film in seinen nachdenklicheren Passagen unmissverständlich deutlich. „Ich arrangiere mich mit einer unvollkommenen Gesellschaft“, sagt Mourad am Anfang. Das stimmt am Ende immer noch, und insofern bildet der Film nicht viel mehr ab als einen Status quo. Ganz en passant schildert er dabei, wie komplex das Verhältnis der französischen Gesellschaft zu Arabern ist, und unternimmt fast schon subversiv den Versuch, in der komödiantischen Diskreditierung des Großkotz-Italieners den Muslim als den sympathischeren Einwanderer darzustellen.

Trailer zu „Fasten auf Italienisch“


Trailer ansehen (1)

Neue Trailer

alle neuen Trailer

Neue Kritiken

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.