Far Cry
Uwe Boll zeigt kein Zeichen von Müdigkeit: Erneut hat er ein Videospiel verfilmt, diesmal mit Til Schweiger in der Hauptrolle. Überdruss angesichts eines derart vorhersehbaren Spektakels wie Far Cry empfindet wohl nur der Zuschauer.
Was einen Film wie Far Cry wirklich zur Kuriosität macht, ist die Tatsache, dass man ihn überhaupt auf der Kinoleinwand bestaunen kann. Der Actionstreifen, der im konzeptionellen und ästhetischen Gewand von dürftigen Produktionen der achtziger oder frühen neunziger Jahre daherkommt, riecht förmlich nach dem Gütesiegel „Straight to video“. Wie der offenbar äußerst geschäftstüchtige Uwe Boll dieses zu umgehen vermochte, mag verblüffen. Dennoch kann und möchte man den gebürtigen Wermelskirchner nicht als tapfer kämpfende Randerscheinung der Kinoindustrie feiern, die einsam und eisern ihren Weg geht. Denn dafür – und man erwartet hier schon gar keinen Trommelwirbel mehr – sind seine Filme einfach zu schlecht.
In Far Cry selbst ist rein gar nichts eine Kuriosität. Die Erzählstrukturen eines Videospiels können oft banal sein, Uwe Boll und seine Drehbuchautoren belassen es dabei. Bleibt ein dramaturgisches Grundgerüst, das hier und da mit weitestgehend unspektakulären Spezialeffekten ausgeschmückt ist. Der Plot: Til Schweiger spielt einen Touristen-Bootsführer an einer amerikanischen Küste. Früher aber war er bei einer Spezialeinheit, zum Glück für die ansehnliche Journalistin (Emmanuelle Vaugier), die auf einer nahe liegenden Insel die große Story wittert und zugleich ihren Onkel (Ralf Moeller) aus den Klauen von Dr. Krieger (Udo Kier) und dessen Supersoldaten retten will. Es kommt zur Auseinandersetzung, deren Parameter jedes Kind kennt.
Rücksichtslos klischeebeladen ist in Far Cry auch so manches: Dr. Kriegers rechte Hand (Natalia Avelon aus [filmid: 768]Das wilde Leben , 2006) ist eine Militäramazone russischer Herkunft, Krieger selbst natürlich Deutscher. Er hört Wagner und malt, sein Gesamtkunstwerk sind die animalischen Zombiekampfmaschinen, die sein Auftragsgeber für den Kriegseinsatz ob ihrer Hirnarmut ablehnt. Hinzu kommen eine holzschnittartige Charakterzeichnung, fatale Schauspielerdarbietungen, flache Dialoge - die Liste der Inszenierungsfehltritte und Konzeptionssünden ließe sich fortführen.
Eigentlich erwartet man in Far Cry ständig ein aufrichtig gemeintes Augenzwinkern. Der teils schlüpfrige, immer peinliche Humor von Boll kommt einem solchen nicht wirklich gleich. Manch ein Kinogänger mag zudem vom Versprechen eines hübsch trashigen B-Movie-Erlebnisses angelockt werden. Aber auch hierzu taugt Uwe Bolls Film nicht, dafür ist Far Cry letztendlich zu unoriginell und darum schlichtweg langweilig.
Filmkritik von Katharina Stumm
Veröffentlicht am 30.09.2008
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Film-Angaben
Titel: Far Cry
Deutschland, Kanada 2008
Laufzeit: 94 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Masaji Takei, Michael Roesch, Peter Scheerer
Produktion: Uwe Boll, Phil Clarke, Shawn Williamson
Bildgestaltung: Mathias Neumann
Montage: Karen Porter
Musik: Jessica de Rooij
Darsteller: Til Schweiger, Emmanuelle Vaugier, Udo Kier, Ralf Moeller, Natalia Avelon
Kinostart: 02.10.2008
DVD-Angaben
Titel: Far Cry
Vertrieb: WVG Medien
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 91 Minuten
Extras: Audiokommentar in englisch und deutsch mit UWE BOL
Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 23.10.2009
Copyright Far Cry
Foto © 20th Century Fox
BERLINALE 2012

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