Fanboys
Roadtrip to Neverland. Um ihrem todkranken Freund Linus seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, wagen vier Freunde das Unmögliche: Sie wollen in George Lucas´ Skywalker-Ranch einbrechen, um Episode I zu stehlen.
Halloween 1998: Die vier Freunde Eric (Sam Huntington), Linus (Chris Marquette), Hutch (Dan Fogler) und Windows (Jay Baruchel) haben sich von einander entfremdet. Einst vereinte sie nicht nur das Dasein als große Star Wars-Fans, sondern auch der gemeinsame Traum, später mit ihren eigenen Arbeiten die Comicwelt zu revolutionieren. Doch wie so oft hatte das Leben andere Pläne und die Kontakte brachen ab. Erst als Eric erfährt, dass Linus an Krebs erkrankt ist und den Kinostart von Star Wars: Episode I – The Phantom Menace (1999) am 19.08.1999 wahrscheinlich nicht mehr erleben wird, finden die vier wieder zusammen. Nun vereint durch ihren Plan, von George Lucas persönlich die Rohfassung von Episode I zu stehlen, versuchen sie Linus´ letzten Wunsch zu erfüllen.
Die Handlung des Films ist somit denkbar einfach und folgt dabei den Genrestrukturen des Roadmovies: Die Freunde sind unterwegs, um zu sich selbst zu finden und vielleicht auch, um ein Stück erwachsener zu werden. Das Ziel der Reise tritt dabei oft in den Hintergrund. Die Spannung zwischen naiver Träumerei und der kalten Realität des Arbeitsalltags der Erwachsenen hält der Film lange Zeit aufrecht. Von seinen Protagonisten fordert er eine Entscheidung zwischen diesen Welten, die zu Beginn der Reise als unvereinbar gelten. Die Frage nach dem, was erwachsen ist und was nicht, was man im Leben tun und erreichen muss, was wichtig ist und welche Träume dabei im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben, wird somit selbst zum Teil der Reise.
Über Fanboys zu urteilen ist eine heikle Sache: Wenn Postmoderne im Film verkürzt bedeutet, Anspielungen zu entdecken und sich am eigenen (Film-)Wissen zu erfreuen, dann bildet der Film einen Höhepunkt in dieser Kultur der Zitate. So beschränkt er sich nicht nur auf die unzähligen Anspielungen auf den Star Wars-Kosmos, sondern bezieht sich auch generell auf das Fanuniversum, auf die Science Fiction im Allgemeinen und die moderne Populärkultur als solche. Diese Zitate finden sich nicht nur im Dialog, sondern auch auf der Soundebene (von George Lucas, der im Film leider nicht auftaucht, wurde die Erlaubnis gegeben die Soundeffekte der Originalfilme zu benutzen), in der Wischblende, wie sie in Star Wars als Schnittmittel eingesetzt wurde (so auch in der neuen Trilogie, als der Effekt längst aus der Mode gekommen war), und in den Cameos zahlreicher (deutlich gealterter) Schauspieler der alten und neuen Trilogie oder anderer Helden des Fandoms. Dabei wird der Film für den Star Wars-Fan zur Schnitzeljagd und Selbsttest, bei dem er sich fragen kann, ob er nicht nur die vielen Quizfragen im Film beantworten hätte können, sondern auch, ob er alle Anspielungen versteht und alle Hinweise entdeckt, deren Dichte und Taktung sehr hoch sind.
Gleichzeitig wird aber genau das zum Problem des Films. Der neutrale Zuschauer steht vielen Szenen ratlos gegenüber – wer hätte etwa vor der neuen Trilogie sagen können, wie der Heimatplanet Chewbaccas, Han Solos Copiloten, heißt? Vielleicht findet man die eigenen Vorurteile über die Buffs, Geeks und Nerds bestätigt, spielt der Film doch auch mit den Klischees des asthmakranken Trekkies oder des jungfräulichen Star Wars-Fans, der Monate vor dem Kinostart des neuen Films im Zelt vor dem Lichtspielhaus übernachtet. Man merkt den Schauspielern den Spaß bei der Arbeit stets an, nur kann dieser Funke oft schwer auf den unwissenden Zuschauer überspringen. Dafür bleibt die Geschichte zu einfach. Der Film ist ein Werk von Fans für Fans, das in Kauf nimmt, einen Großteil des sonstigen potenziellen Genre-Publikums auszuschließen.
2009 ist nun selbst die neue Trilogie zum Alten geworden und die Euphorie abgeklungen. Erst als im Film die – nunmehr drei – Freunde im Kino sitzen und die 20th-Century-Fox-Fanfare ertönt, fragen sie sich, was eigentlich ist, wenn der Film „scheiße“ wäre. Doch darum geht es, ohne sentimental zu werden, schon lange nicht mehr.
Und nebenbei: Kashyyyk ist der Heimatplanet des Wookiees.
Filmkritik von Tobias Haupts
Veröffentlicht am 26.06.2009
Kommentare zu Fanboys
Stefan 26.08.2009 16:11
Toller Film, kann ich nur empfehlen. Nebenbei: Kashyyyk war schon vor Episode I durch lizensierte Bücher bzw. Computerspiele bekannt. ;)
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Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Fanboys
USA 2008
Laufzeit: 90 Minuten
Regie: Kyle Newman
Drehbuch: Ernest Cline, Adam F. Goldberg
Produktion: Evan Astrowsky, Dana Brunetti, Matthew Perniciaro, Kevin Spacey
Bildgestaltung: Lukas Ettlin
Montage: Seth Flaum
Musik: Mark Mothersbaugh
Darsteller: Sam Huntington, Chris Marquette, Dan Fogler, Jay Baruchel, Kristen Bell, David Denman, Seth Rogen
Kinostart: 30.07.2009
DVD-Angaben
Titel: Fanboys
Vertrieb: Al!ve AG
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 91 Minuten
Extras: Audiokommentar von Martin Gogulski und Markus Rau (German Garrison); Audiokommentar von Cast & Crew; Interview: Fanboys uber FANBOYS; 6 entfallene Szenen; 7 Webisodes; Featurettes: Die Wahrheit über Fanboys, Die Parallelen zu Star Wars, Vier Fanboys und ein Fangirl, Die Choreographie; Kurzfilm VIDIOTS; Kinotrailer
Verleih ab: 02.12.2009
Verkauf ab: 04.01.2010
Copyright Fanboys
Fotos: © Capelight
BERLINALE 2012

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Mi 08.02, 22:10 Uhr, Kabel Eins
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Nacht von Mi auf Do, 08.02-09.02., 02:00 Uhr, arte
Berlin is in Germany
Do 09.02, 20:45 Uhr, kultur (ZDF digital)
Metropolis - restaurierte Fassung
Do 09.02, 21:00 Uhr, 3sat
Spur der Steine
Fr 10.02, 22:25 Uhr, 3sat

















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