Fame

Das Remake des Musikfilmklassikers Fame von 1980 will das Vorbild modernisieren und straffen. Dafür muss man nicht nur auf einige liebgewordene Figuren verzichten.

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Der Sendebeginn von MTV in Amerika am 1. August 1981 war für das Medium des Musikvideos ein äußerst bedeutsamer Moment. Dieser Sender, der sich zunächst nahezu ausschließlich dieser Kürzestform des Musikfilms widmete, hat dessen ästhetische Entwicklung, und damit auch die des Musikfilms insgesamt, massiv beeinflusst und beschleunigt. Musik- und Tanzszenen auch in Langfilmen sind heute oft genug von Musikvideos kaum noch zu unterscheiden.

Die Erwartung, dass sich die Entwicklung der vergangenen fast dreißig Jahre auch im Remake des Klassikers Fame von 1980 niederschlagen würde, ist also nicht weit hergeholt. Und in der Tat ist die Geschichte um die Schülerinnen und Schüler einer besonderen Highschool (der New Yorker LaGuardia High School nachempfunden) filmästhetisch wie musikalisch dem heutigen Zeitgeschmack angepasst. (Dass mit Kherington Payne eine Darstellerin über eine Casting-Show bekannt wurde, ist auch ein Zeichen und Effekt der Zeit.)

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Geblieben ist freilich die Grundkonstruktion der Geschichte: Über vier Jahre hinweg, von den Aufnahmeprüfungen bis hin zur Abschlussfeier verfolgt Fame auch in seiner Inkarnation von 2009 die Geschicke einer Handvoll junger Menschen, die an besagter Highschool nicht nur einen normalen Schulabschluss machen, sondern zugleich in Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel unterrichtet werden. Für den Film wie die Figuren liegt der Schwerpunkt des Unterrichts natürlich auf diesen Fächern – wer will schon vier Jahre Englischunterricht auf der Leinwand sehen?

Auch die Figuren sind dem Original-Fame nachempfunden: Damals wie heute sind die Charaktere ethnisch wie sozial diversifiziert und auch mit unterschiedlichen Begabungen gesegnet. Heute gibt es neben dem schwarzen Rapper Malik (Collins Pennie), dessen Mutter drei Jobs gleichzeitig bewältigen muss, aber eben auch die reiche Denise (Naturi Naughton) aus dem schwarzen Bürgertum, die Konzertpianistin werden soll.

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Von Anfang an ist klar, dass es zwischen diesen beiden zu einer Liebesgeschichte kommen wird: So offen die sozialen Barrieren sein sollen, ethnische Grenzen mag das Drehbuch nicht überschreiten, und auch eine offensive Beschäftigung mit Themen wie Homosexualität findet nicht statt. Für Fame anno 1980 gehörte sie noch zu den wichtigeren Fragen, die (mögliche) Homosexualität des Tänzers Kevin (Paul McGill) wird im Film von 2009 nie thematisiert.

Ob solcher Stoff, der immerhin wohlfeil im Vorbild ausgestellt wurde, letztlich der Schere zum Opfer fiel, um Fame auf leicht verdauliche 107 Minuten zu bringen und damit etwa eine halbe Stunde kürzer zu machen als das Original, sei dahingestellt. Viel schwerwiegender sind die Lücken, die der Film an anderer Stelle lässt.

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Konflikte werden niemals wirklich ausgetragen und durchlitten, sondern entweder nur angedeutet oder doch zugespitzt, dann aber nicht weiter verfolgt. Von Auflösungen oder Lernprozessen erfährt der Zuschauer nichts, und folgerichtig entwickeln sich auch die Figuren nie zu komplexen Charakteren. Malik etwa streitet sich mit seiner Mutter darüber, ob er weiter auf die Schule gehen darf – sie hält das für Zeitverschwendung –, und dann wird der Streit auf später vertagt, weil sie zur Arbeit muss. Später hört man kein Wort mehr davon. Kurz vor Ende des Films schließlich bricht eine Liebesbeziehung zwischen zwei Hauptfiguren auseinander, und weder hat man vorher wirklich etwas von dieser Beziehung erfahren, noch spielt sie irgendeine Rolle, nachdem die junge Frau einmal ihrer Wege gezogen ist.

Im Eifer des Eindampfens vorhandener Handlungselemente aus dem Original wurden für den neuen Fame außerdem Krisen und Konflikte verschiedener, im Remake nicht mehr auftauchender Charaktere auf andere Figuren verschoben. Diese Veränderungen ergeben in ihrem neuen Kontext aber keinen Sinn oder sind innerhalb der Figuren alles andere als schlüssig – und entlarven so nur die Ideenarmut des Drehbuchs von Allison Burnett.

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Und wo Alan Parker in der Version von 1980 auch stets einen Blick für die Stadt New York hatte, für ihre Probleme und rauen Seiten, sieht Regisseur Kevin Tancharoen 2009 nur noch ein paar leichtverdauliche, tourismustaugliche Happen im Vorübergehen.

Auch ästhetisch bewegt sich der neue Fame auf oft beackertem Terrain. Es gibt sehr ruhige Momente in diesem Film, in den Tanzszenen hingegen sind natürlich die Schnitte schneller. Insgesamt sind mehr Szenen mit Handkamera aufgenommen, und gerade die Tanzaufnahmen haben spürbar an Dynamik gewonnen – das haben sie MTV zu verdanken, aber auch schlicht dem technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte. Neues, Aufregendes bekommt man hier nicht zu sehen und zu hören – selbst High School Musical-Tanznummern sind stellenweise origineller.

Die Musik schließlich ist, soweit nicht dem Original entliehen, schnell vergessen. Das eigentliche Problem des neuen Fame aber ist, dass er sich für seine Figuren, ihr Leben und ihre Stadt keine Zeit lässt, und damit für die Geschichten, die es eigentlich zu erzählen gäbe.

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