Falco – Verdammt, wir leben noch!

Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert because er hatte Flair: Über Österreichs größten Popstar, den 1998 gestorbenen Hans Hölzel, gibt es nun auch ein Biopic.

Falco

Der Mann am Steuer des parkenden Geländewagens ist nervös, raucht eine Zigarette nach der anderen und hört Musik, ordnet die Reihenfolge der Lieder für die neue Platte. Die Bilder sind leicht überbelichtet, die Farben gelblich. Eine schwarze Frau (ist das nicht Grace Jones?) erzählt auf Englisch von diesem Auto, das stundenlang dort stand, neben ihrem Restaurant. Und dann, Wahnsinn, sagt sie (ja, es ist wirklich Grace Jones!), fährt er plötzlich einfach los, ohne auf den Verkehr zu achten, und dann war da dieser Bus, und bumm – war es aus mit Hans Hölzel alias Falco.

Damit, mit dem erzählten Tod des Popstars 1998 in der Dominikanischen Republik, beginnt Falco – Verdammt, wir leben noch von Thomas Roth, er kehrt im Lauf der Handlung noch mehrmals dorthin zurück, bis der Moment des Unfalls endlich kommt, in diesen unwirklichen gelblichen Bildern, die erst viel versprechen, was der Film später nicht halten kann, und dann in Wiederholung erstarren. Das ist symptomatisch für das gesamte Werk – die leidlich interessante Biografie des Österreichers, des bisher einzigen deutschsprachigen Musikers mit einem Nummer-Eins-Hit in den USA, bleibt hängen in der Wiederholung der immer gleichen Muster, der erzählerischen, filmischen und inhaltlichen.

Falco

Das fängt damit an, dass Falco in wirklich jeder Szene eine Zigarette in der Hand hält, setzt sich in der gleichförmigen Abhandlung seiner Ehekrisen fort (Frau zieht aus, Frau zieht wieder ein, Frau zieht aus – übrigens jedes Mal im Minikleid) und endet auch nicht mit der mehrfach illustrierten Angst des Künstlers vor dem weißen Blatt Papier oder mit seinen Drogen-Exzessen. Es mag sein, dass Falcos Leben zum großen Teil aus diesen Rockstar-Klischees bestand, und es mag auch sein, dass er Kettenraucher war. Aber der Film hält sich, bei aller Ähnlichkeit des überzeugend agierenden Hauptdarstellers Manuel Rubey mit Falco, sonst auch nicht sklavisch an die Realität: Er erfindet unter anderem eine Kinderfreundschaft dazu – bringt aber trotz solcher inhaltlichen Freiheiten nicht mehr zustande als einfallslos inszenierte, aneinandergereihte kurze Sequenzen, die jeweils exakt eine Aussage haben. Man merkt, dass eigentlich die Geschichte eines sensiblen Künstlers hinter der Maske des arroganten und unzuverlässigen Mistkerls erzählt werden sollte, eine Geschichte, die aber nur ganz selten hinter dieser Fassade von einem Film hervorschaut.

Falco

Die Stationen von Hölzels Biografie werden nacheinander abgehakt. Die Jugend vor dem Radio, die ersten Auftritte als Bassist der Skandal-Band Drahdiwaberl, der erste Hit, „Der Kommissar“, der wie aus dem Nichts kommt, die Konzerte, die Auseinandersetzungen mit Rundfunk-Redakteuren und Plattenproduzenten. Dann schließlich, endlich, mit „Rock Me Amadeus“ der Nummer-Eins-Hit in den USA – bloß als es so weit ist, kann der Star sich nicht einmal freuen, weil – siehe oben – jetzt wieder so ein Druck auf ihm lastet, immer wieder der Druck, jetzt einen noch größeren Hit zu schreiben.

Falcos Musik steht dabei auf merkwürdige Weise im luftleeren Raum. Weder wird sie in Beziehung gesetzt zur damals vorherrschenden Neuen Deutschen Welle, noch wird der Einfluss durch Hip-Hop thematisiert, damals in Deutschland und Österreich noch eine echte Innovation. Es wird überhaupt nicht gezeigt, wie seine Stücke entstanden. Das ist ärgerlicherweise der einzige übliche Baustein in Musikerfilmen, den Regisseur und Drehbuchautor Roth ausgelassen hat. Das Neue an diesen Songs, die bombastischen Arrangements und die gerappten, pointierten Texte gehen in der geschichtslosen Oldies-but-Goldies-Rückschau verloren. Und die gesellschaftliche Kontroverse, die damals durch „Jeanny“ ausgelöst wurde, als mehrere Radiosender das Lied über ein entführtes Mädchen boykottierten? Eine kurze Zeitungslektüre im Auto, das wars.

Falco

Immerhin kommen die alten Hits dann doch sehr gut zur Geltung. Hauptdarsteller Manuel Rubey singt selbst, die Konzertszenen versprühen viel Falco-Feeling und die Musikvideos von damals, „Jeanny“ oder „Rock Me Amadeus“, wurden liebevoll nachgestellt. Letztlich hat der ganze Film etwas von einem Musikvideo, seine redundante, episodenhafte Erzählhaltung entspricht ziemlich genau dieser Kunstform. Als Spielfilm aber fehlt ihm der kreative Umgang mit den Zwängen des Genres, wie ihn Walk the Line (2005), Control (2007) oder Ray (2004) gezeigt haben.

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