Evil

Evil ist eine tragische Coming-of-age Geschichte im Schweden der 50er Jahre, ein Film über Ursache und Wirkung körperlicher und seelischer Gewalt in der Familie und der Schule. Die Adaption der Autobiographie Ondskan des schwedischen Bestsellerautors Jan Guillou ist in Skandinavien der größte kommerzielle Kinoerfolg der vergangenen Jahre. Spannend, aber klischeebehaftet.

Evil

Verängstigt, blutverschmiert und kurz vor der Ohmacht winselt ein geschundener Junge um Gnade, aber Eric (Andreas Wilson) schlägt weiter zu. Gnadenlose Bösartigkeit der menschlichen Natur. Evil (Ondskan) ist das Böse und diese Brutalität ist die Ausgeburt einer traumatischen Kindheit. Nach dem Tod seines Vaters wird Eric von seinem Stiefvater (Johan Rabeus) für Nichtigkeiten bestraft und körperlich misshandelt. Die hilflose Mutter (Marie Richardson) steht zwischen den Fronten, ohne Courage und Rückgrat. Damit verliert der Teenager seinen familiären Schutzraum und prügelt sich an schwächeren Mitschülern den Schmerz aus der Seele. Ein Kreislauf der Gewalt, mit psychologischem Muster und ernüchternder Konsequenz: er wird der Schule verwiesen. Um seine letzte Chance auf einen Abschluss und ein Studium zu wahren, schickt ihn seine Mutter auf das Elite-Internat Stjärnsberg.

Evil

Dort herrschen angeblich Kameradschaftsgeist, Ehrenkodex und Tradition. Die feine Internatsgesellschaft schmückt sich mit Ruhm und Stolz auf den Geist dieser Kaderschmiede, aber unter dem Deckmantel des oberflächlichen Renommees existieren keine Ehre und Moral. Stattdessen offenbart sich ein Schulsystem der Erniedrigung und Missachtung, ein elitärer Mikrokosmos der Reichen und Adligen mit eigenen Regeln: die älteren Schüler schikanieren die Jüngeren. Die Macht des Primanerrates ist allgegenwärtig, dem Wort der blasierten aristokratischen Zöglinge hat sich jeder bedingungslos unterzuordnen. Die feige Lehrerschaft duldet die Missstände. Der rebellische Eric hingegen widersetzt sich den willkürlichen Erziehungsmethoden der Primaner und verbüßt Wochenendarrest und Strafarbeiten. Unterstützung und Freundschaft für sein passives Aufbegehren findet er nur bei zwei Menschen, bei seinem Zimmergenossen Pierre (Henrik Lundström) und seiner heimlichen Geliebten, der finnischen Küchenhilfe Marja (Linda Zilliacus). Außenseiter, die sich nahe sind. Aus Angst vor dem drohenden Schulverweis verweigert sich Eric zunächst der direkten körperlichen Gegenwehr und lässt sich sogar misshandeln, hin- und hergerissen zwischen Wut, Aggression und Selbstdisziplin. Beim schulinternen Schwimmwettkampf entlädt sich dieser aufgestaute Zorn. Er bricht den Schulrekord und trägt seinen ersten beeindruckenden körperlichen Sieg gegen die Oberschüler davon. Leider verschafft ihm diese physische Überlegenheit aber keinen Respekt, sondern Missgunst und Hass. Verzweifelt versucht er, eine gewalttätige Konfrontation zu vermeiden. Aber als die Oberprimaner auch noch den hilflosen Pierre drangsalieren, schwört Eric Rache.

Evil

Evil zeigt zwischenmenschliche Formen der Gewalt und greift die Frage nach Moral und Gerechtigkeit auf, nach Hierarchie, Autorität und Integration. Ist Gewalt ein legales Mittel, um Unrecht zu bekämpfen? Im Mittelpunkt stehen die Suche nach der eigenen Identität, die Problematik des Heranwachsens und der Kampf um die Freiheit des selbstständigen Denkens und Handelns. Der Film weist inhaltliche und atmosphärische Parallelen zu Peter Weirs bewegendem Drama Club der toten Dichter (Dead Poets Society, 1990) auf, in dem ein Literaturlehrer (Robin Williams) die Knaben eines streng geführten Internates durch unorthodoxe Unterrichtsmethoden zu freiem Denken ermutigt. Weir inszenierte die Thematik allerdings vielschichtiger, charakterorientierter und visuell schöner. Die Kamerabilder des schwedischen Erfolgsfilmes sind vergleichsweise nüchtern und weniger poetisch. Das geht aber nicht zugunsten der Story, da zudem viele Charaktere sehr plakativ und stereotyp gezeichnet sind: ein Alt-Nazilehrer, ein kumpelhafter Sportlehrer, die verschworene Bande der brutalen Oberschüler sowie der sensible intellektuelle Außenseiter Pierre. Unglaubwürdig ist zudem, dass Eric mit seinem Schicksal trotz seiner physischen Stärke so lange hadert und sich derart demütigen lässt. Hauptdarsteller Andreas Wilson spielt die Figur des rebellischen Teenagers aufgrund seiner emotionalen Energie, Melancholie und physischen Präsenz beeindruckend gut. Für diese Leistung kürte ihn das schwedische Film Institut zum European Shooting Star 2004. Für den Regisseur Mikael Hafström, Ko-Autor von Josef Fares’ Erfolgskomödie Kops (Kopps, 2003), war Evil der internationale Durchbruch. Ursprünglich wollte er die autobiografische Bestseller-Buchvorlage von Jan Guillou als TV-Serie realisieren. Sein Drama wurde in der Kategorie Bester ausländischer Film 2004 für den Oscar nominiert.

 

Kommentare


nina

Ich hab mir Evil gestern im Kino angeschaut und ich muss sagen, ich mehr als nur beeindruckt!!!
Ich finde dass, das Thema Gewalt in diesem Film von allen Seiten und die Aktionen bzw. Reaktionen der Personen gut gezeigt/ dargestellt wird!!!!
zu Andreas Wilson brauch ich nicht viel sagen, er hat etwas an sich was ich bis jetzt nur bei wenigen Männern sehen durfte und war wohl die perfekteste Besetzung für die Rolle des Erik Ponti.
Bravo






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