Evan Allmächtig

Der mit Steve Carell in der Hauptrolle besetzte Nachfolger zum Box Office-Hit Bruce Allmächtig vermischt eine penetrant vorgetragene Öko-Botschaft mit einer an Comedy-Qualitäten armen Geschichte.

Evan Allmächtig

Das Gesetz der Serie ist nirgendwo so stark wie in Hollywood. Ein Blick auf den aktuellen Spielplan der Multiplexe genügt hierfür als Beleg: Waren Fortsetzungen auch schon in den letzten Jahrzehnten eine wichtige Einnahmequelle für die Studios, scheint gerade der diesjährige Kinosommer von zumeist aufwändig produzierten Sequels überschwemmt zu werden. Kritiker des Studio-Systems werden diesen Umstand vermutlich als weiteres Indiz für die Einfallslosigkeit der Traumfabrik werten.

Vier Jahre nach seinem ersten Einsatz in Bruce Allmächtig (Bruce Almighty, 2003) darf Morgan Freeman nun zum zweiten Mal als der „Schöpfer des Himmels und der Erde“ einem karrierebesessenen Selbstdarsteller eine Lehrstunde in Demut, Nächstenliebe und Altruismus erteilen. Jim Carreys Part übernimmt in der inhaltlich eigenständigen Fortsetzung The Office-Frontmann Steve Carell. Der von ihm verkörperte Nachrichtensprecher Evan Baxter ist soeben in den Kongress gewählt worden, wo er es mit einem äußerst charismatischen Widersacher (John Goodman) aufnehmen muss. Zuhause warten auf ihn seine Frau Joan (Lauren Graham) und die drei Söhne. Eigentlich fehlt ihm nichts zu seinem Glück, bis er eines Tages eine seltsame Bekanntschaft macht. Ein älterer Herr in weißem Anzug (Freeman) fordert ihn auf, eine Arche zu bauen und darin – getreu dem biblischen Vorbild Noah – allerlei Getier und seine Familie zu versammeln.

Evan Allmächtig

Evan Allmächtig (Evan Almighty) kennt im Unterschied zu seinem Vorgänger keinen Super-Helden mit übermenschlichen Fähigkeiten. Wo einst Carreys frustrierter Lokal-Reporter über Nacht zu einem strahlenden Womanizer mutierte, dem es einen Heidenspaß machte, seine gottgleichen Kräfte für infantile Jungenstreiche zu „missbrauchen“, bekommt Evan nur eine Werkzeugkiste und Unmengen Holz vor die Füße geschmissen. Das klingt nicht nur halb so unterhaltsam, das Resultat fällt geradezu schmerzhaft dröge und altbacken aus. Funktionierte Bruce Allmächtig zumindest, solange sich Carrey in den für ihn einst charakteristischen Slapstick-Einlagen austoben durfte, wird seinem Nachfolger Steve Carell selbiges nicht einmal im Ansatz zugestanden. Carell, ein begnadeter Darsteller herzensguter Loser-Typen wie seine Rollen in Jungfrau (40), männlich, sucht… (The 40-Year-Old-Virgin, 2005) und Little Miss Sunshine (2006) beweisen, muss stattdessen die moralische Fackel mitsamt ihrer viel zu plakativ vorgetragenen Öko-Botschaft nahezu über die gesamte Laufzeit des Films hochhalten.

Evan Allmächtig

Mit zunehmender Penetranz propagieren Autor Steve Oedekerk und Regisseur Tom Shadyac ihre religiös eingefärbte und in den von Klimadiskussionen beherrschten Zeitgeist passende Aufforderung zum Schutz der Natur. Das zur Schau gestellte, politisch korrekte ökologische Bewusstsein erscheint angesichts des oftmals nur wenig rücksichtsvollen Umgangs Hollywoods mit der Natur nicht nur reichlich scheinheilig, die Widerholung der Öko-Botschaft kann einen aufgrund ihrer bloßen Redundanz nach kürzester Zeit ungemein anöden. Wenn in dem von CGI-Bombast lächerlich aufgeblasenen Finale die bösen Menschen wie die selbstverliebte Immobilienmaklerin (Molly Shannon) und der skrupellose Kongressabgeordnete ihre gerechte Lektion erhalten und sich die Natur das zurückholt, was man ihr zuvor genommen hat, ist der Film endgültig an seinem kreativen wie didaktischen Nullpunkt angelangt.

Da es den Machern anscheinend bewusst war, wie wenig ihre moralinsaure Geschichte über Comedy-Qualitäten verfügt, griffen sie tief in die Trickkiste der Computeranimation, um mit einem für eine Komödie beispiellosen Aufwand die Schwächen des Skripts zu übertünchen. Die Kosten für die unzähligen Tieranimationen und den Showdown im Stile bekannter Katastrophen-Blockbuster ließen das Budget auf die irrwitzige Summe von 175 Millionen Dollar explodieren. Angesichts des auch in technischer Hinsicht bestenfalls mediokren Endprodukts ist dies die eigentlich beste Pointe des Films. Evan Allmächtig kommt jedoch mindestens 10 Jahre zu spät, um allein aufgrund seiner kalkulierten CGI-Spielereien mit der Gnade des Publikums rechnen zu können. Das hätten auch die Verantwortlichen bei Universal wissen müssen.

Evan Allmächtig

Shadyac, der in den neunziger Jahren mit Jim Carrey und Eddie Murphy so erfolgreichen Nonsens wie Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv (Ace Ventura: Pet Detective, 1994) und Der verrückte Professor (The Nutty Professor, 1996) produzierte und seinen Hauptdarstellern damit innerhalb des Studiosystems einen ersten, respektive wiederholten, Karrieresprung ermöglichte, erleidet mit seiner neuesten Regiearbeit Schiffbruch auf ganzer Linie. Daran ändert auch Hauptdarsteller Steve Carell nichts. Dieser kämpft schon vor Beginn der biblischen Bauaktion einen aussichtlosen Kampf, wenn er in seinem Spiel auf Dr. Dolittle (Doctor Dolittle, 1998)-artige Slapstick-Einlagen reduziert wird. Ähnlich ergeht es Gilmore Girls (seit 2000)-Star Lauren Graham und John Goodman. Sie alle leiden unter ihren uninspirierten Rollen und einem Film, der noch nicht einmal als virtueller Zoobesuch für die Kleinsten überzeugen kann. Schlussendlich werden sich nur die Kritiker Hollywoods in ihrem (Vor-)Urteil bestätigt sehen.

 

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Kommentare


X-tina

Hallo!

Ich habe mir den Film letzte Woche angesehen, zusammen mit meinem Mann und meinem 9- jährigen Sohn. Für uns alle war der Film ein vergnügen. Es ist eine witzige Geschichte, die als Quintessenz ja, so wie viele Hollywood- Streifen aussagt, dass der Zusammenhalt einer Familie ganz wichtig ist. Das ist eine schöne Aussage und wichtig, dass es in Kinofilmen, vor allem für die Kleinen und Großen immer mal wieder thematisiert wird.
Die Effekte waren für mich unglaublich. Ist ja auch kein Wunder, immerhin haben die Macher 175 Mill. Dollar ausgegeben. Es macht Spaß diesen Film zu sehen. EIne Arche wird schließlich nicht jeden Tag gebaut!


Nach-guten-Komödien-Suchender

Einer der zehn schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe.






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