Es begab sich aber zu der Zeit…

Kurz vor Weihnachten kommt die Geschichte von Maria und Joseph ins Kino. Der Film bietet jedoch nur eine gefällige Nacherzählung, die sich wegen ihrer Ideenlosigkeit in erstarrten Bildern verliert.

Es begab sich aber zu der Zeit…

Am Schluss mündet alles in einer Einstellung ungehemmten religiösen Kitsches, nachdem das Jesuskind geboren ist und der Stern seinen Lichtkegel wie ein Studioscheinwerfer in den Stall zu Bethlehem wirft. Regisseurin Catherine Hardwicke hat das inszeniert wie ein Krippenspiel in einer Provinzkirche. Doch auch zuvor schon ist Es begab sich aber zu der Zeit... (The Nativity Story) in seinem naiven Habitus wenig überzeugend.

Die Geschichte von Maria (Keisha Castle-Hughes) und Joseph (Oscar Isaac) wird Station für Station erzählt. Die arrangierte Ehe, der Besuch bei der Cousine Elisabeth, die Volkszählung, der König Herodes und der Kindermord. Dazwischen erscheint der Engel Gabriel, in weißem Gewand und mit schwarzem Bart, während im Hintergrund ein Chor singt. Am Ende wird das musikalische Motiv zum banalen Höhepunkt getrieben, wenn ein zuckersüßer Teppich aus „Stille Nacht“ die letzten Bilder des Films unterlegt. Auch die Prophezeiung im Tempel, die Gott dem Priester Zacharias macht, kommt daher wie Kinder sich das vorstellen mögen, mit elektrisch verstärkter Stimme, und man denkt für einen Augenblick an den Zauberer von Oz (The Wizard of Oz, 1939) und den alten, kleinen Mann, der hinter einem Vorhang die Trickmaschine bediente. Für etwas Komik sorgen die Weisen aus dem Morgenland, die sich im fernen Persien über ihre Karten beugen und dann doch zögern, die Reise anzutreten. Balthasar mag nicht auf sein Lieblingsgericht verzichten.

Es begab sich aber zu der Zeit…

Maria ist ein fröhliches Mädchen, das gerne flirtet und zuweilen bockig ist. Joseph ist ein schüchterner Handwerker mit sanften Augen, der zwar etwas stutzt, als seine noch unberührte Frau schwanger wird, aber schnell von dem göttlichen Auftrag überzeugt werden kann. Die Chance, aus der heiklen Situation dramatisches Material zu schöpfen, der über die Evangelien hinausginge und einen eigenen Zugang zum Thema erlauben würde, bleibt ungenutzt. Ein persönliches Ringen um den Stoff ist bei einer Geschichte wie dieser natürlich immer schwierig, wie die heftige Auseinandersetzung um Martin Scorseses Film Die letzte Versuchung Christi (The Last Temptation of Christ, 1988) gezeigt hat, der das Ende von Jesus’ Leben beschrieb. Mel Gibsons Verfilmung Die Passion Christi (The Passion of the Christ, 2004) ungefähr derselben Zeitspanne ist die Antipode zu Scorsese. Er kam mit seinen aramäischen Dialogen und seinem dem Glauben verpflichteten Pathos bei vielen Kirchen besser an, wurde jedoch wegen der Gewaltdarstellungen kritisiert.

Ein Ziel der Macher von Es begab sich aber zu der Zeit... war es ebenfalls, das Leben der Menschen vor über 2000 Jahren quasi-authentisch, mit Quellenforschung untermauert darzustellen - aber ohne den Zuschauer zu überfordern. Deshalb sieht Nazareth, das Heimatdorf von Maria und Joseph, aus wie ein Freilichtmuseum. Wann immer sich zwei oder mehr Menschen unterhalten, sind sie mit so genannten authentischen Tätigkeiten beschäftigt: mit dem Knüpfen von Teppichen, der Bedienung einer Olivenpresse oder dem Einlegen von Käse in Kräutern. Der Anblick wird vollends absurd, wenn man im Anschluss aus dem Presseheft erfährt, dass das Produktionsdesign von der Touristen-Museumsstadt „Nazareth Village“ in Israel inspiriert wurde. Gedreht wurde allerdings nicht an Originalschauplätzen, sondern in Süditalien und Marokko.

Es begab sich aber zu der Zeit…

Nach Angaben des Studios ist Es begab sich aber zu der Zeit... die erste Verfilmung der Weihnachtsgeschichte fürs Kino. Selbst für einen ersten Versuch ist das gründlich misslungen. Für Agnostiker ist der Film einfach nur albern. Für Gläubige dürfte er wegen seiner Trivialisierung der Religiosität ein Ärgernis sein.

 

Kommentare


Armin Völckers

Beim Ansehen des (englischen) Trailers fiel mir auf, dass alle Darsteller mit Akzenten sprachen, so als seien sie Ausländer. Ich glaube, den Amerikanern fällt so etwas gar nicht auf, weil sie sich grundsätzlich nicht vorstellen können, dass Nicht-Amerikaner in ihrer eigenen Sprache normale Unterhaltungen führen, und nicht mit indischem, arabischem oder russischem Akzent Indisch, Arabisch oder Russisch sprechen. Maria und Josef klingen auf diese Weise ein bisschen wie Asylbewerber, sie sprechen so, wie ein Amerikaner sich vermutlich die Sprache der Terroristen vorstellt. Ich habe mich auf diesen FIlm gefreut, aber vermutlich ist er nur in der deutschen Synchronfassung erträglich.


Sabine Vollmer

Der Film ist einer der bewegendsten Weihnachtsfilme, die ich je gesehen habe. Zudem verzichtet er auf den ganzen Kitsch mit lieblich lächelnden Menschen in heimeligem Stall, und erzählt die Weihnachtsgeschichte wohl so wirklichkeitsgetreu, wie eben möglich. Von wegen ein Ärgernis für Gläubige..... Falsch geraten, Thorsten Funke. Eher Ihre herablassende Kritik ärgert mich ein wenig.






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