Erik im Land der Insekten

Mit seiner Romanverfilmung Erik im Land der Insekten verknüpft Regisseur Gidi van Liempd die unterhaltsame cineastische Prämisse, Menschen auf Insektengröße schrumpfen zu lassen, mit einem edukativen Anspruch.

Erik im Land der Insekten

Der 10-jährige Erik Pusteblume (Jasper Oldenhof) hat es nicht leicht. Seit sein Vater gestorben ist, ist er scheu und eigenbrötlerisch geworden. In der Schule gehänselt, ist er auch noch unglücklich in seine Mitschülerin Rosalie (Yale Sackman) verliebt. Zu allem Überfluss muss er in der Schule ein Referat über Insekten halten, jedoch weiß Erik überhaupt nichts zu dem Thema. Dies ändert sich, als er am Vortag seines Referates bei seinem Großvater übernachtet. Auf dem Dachboden werden plötzlich zwei alte Bilder längst verblichener Verwandten lebendig. Seine Ururoma lässt Erik kurzerhand auf Insektengröße schrumpfen und schickt ihn über ein altes Gemälde in die Insektenwelt Wollewei. Mit einem alten Nachschlagewerk über Insekten ausgerüstet, macht sich Erik auf, für sein Referat Informationen aus erster Hand zu sammeln… Soweit die charmante Story des Kinder-Fantasyfilms, deren Vorlage der Roman Erik oder das kleine Insektenbuch (Eric of het klein Insectenboek, 1941) des niederländischen Autors Godfried Bomans ist und dessen Stoff bereits 1979 von Hank Onrust als Fernsehserie verfilmt wurde. Bei seiner Kinoversion hat Gidi van Liempd besonderen Wert darauf gelegt, dass die Zielgruppe - Kinder im Vor- und Grundschulalter – durch den Film einige wissenswerte Sachen über Insekten lernt.

Erik im Land der Insekten

Auf seiner Reise durch Wollewei begegnet Protagonist Erik verschiedenen Insekten, die fast ausschließlich von Schauspielern in Kostümen verkörpert werden. Dies trägt zur besseren Identifikation des Publikums mit den Protagonisten bei, denen zudem sehr menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden: Beispielsweise ist der Totengräberkäfer überaus gierig und immer auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit, der feinfühlige Schmetterling zu schüchtern, um seine Angebetete anzusprechen, und der Regenwurm freundlich und weise. In die Handlung integriert ist dabei die Wissensvermittlung: Wenn Erik neuen Insektencharakteren begegnet, schlägt er manchmal Informationen über diese in seinem Büchlein, das er mit sich herumträgt, nach, und liest diese laut vor. Im Schneckenhaushotel, in dem er Station macht, eignet er sich so schnell den Ruf eines klugen „Bücherwurms“ an und belehrt seine Mitbewohner über die Eigenschaften ihrer jeweiligen Art. Da sein Buch völlig veraltet ist, bringt Erik jedoch auch einige falsche Informationen in Umlauf, die dazu führen, dass eine Mückendame ihren ganzen Nachwuchs verliert und Erik von einem Insektenmob aus dem Hotel gejagt wird. In der freien Natur gerät er in der Folge häufiger als zuvor in gefährliche Situationen und zieht sein Buch seltener zu Rate als zuvor. Dass Erik im Land der Insekten gegen Ende immer mehr zum reinen Fantasyabenteuerfilm wird, macht dramaturgisch insofern Sinn, dass die Geschichte deutlich an Spannung und Schnelligkeit gewinnt.

Erik im Land der Insekten

Obwohl sich das im Film vermittelte Wissen auf eine Handvoll der Bewohner Wolleweis, denen Erik begegnet, beschränkt, kann er Kindern im Grundschulalter durchaus helfen, einen ersten Zugang zum Thema „Insekten“ zu finden - insbesondere in Verbindung mit dem vom Verleih veröffentlichten Heft für den Einsatz des Films im Schulunterricht. Dieses enthält Spiele, Fragen sowie zusätzliche Informationen über Insekten, die das im Film vermittelte Wissen ergänzen. Dass Erik im Land der Insekten nicht mit Informationen überfrachtet wurde, ist dabei durchaus nicht als Manko zu verstehen, richtet er sich doch hauptsächlich an ein sehr junges Publikum.

Freigegeben ist der Films daher auch ohne Altersbeschränkung. Diese Einstufung ist insgesamt sicherlich angebracht. Allerdings fällt eine überaus seltsame Szene aus dem restlichen kinderfreundlichen Rahmen: In dieser verlangt ein Wespenmann namens Von Hautflügel (Alfred van den Heuvel) von Erik, dessen „Stachel“ zu sehen, um zu überprüfen, ob dieser ein Insekt ist. Daraufhin lässt Erik das Insekt - immerhin deutlich sichtbar von einem erwachsenen Mann dargestellt - einen Blick in seine Pyjamahose werfen. Auch wenn besonders jüngere Kinder diese Szene möglicherweise nicht zweideutig interpretieren, hätte ihre unangebrachte sexuelle Konnotation den Machern des Films eigentlich auffallen müssen. Ein unnötiges Ärgernis in einem ansonsten netten Ausflug in die Welt der Insekten.

Trailer zu „Erik im Land der Insekten“


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