Er steht einfach nicht auf Dich
Liebe in Zeiten des Internet: Ein großes Starensemble steht im Mittelpunkt dieser Literaturverfilmung, die mal als Ratgeber, mal als Komödie vom Suchen, Finden und Verlieren der Liebe berichtet.
Liebe hat viele Gesichter und zeigt sich auf unterschiedliche Weisen. Der Form der romantischen Liebe jagen alle Protagonisten in Ken Kwapis neuem Film nach: Neil (Ben Affleck), der seit sieben Jahren mit seiner Freundin Beth (Jennifer Aniston) zusammenlebt, ohne ihr die alles entscheidende Frage zu stellen, nach der sie sich so sehnt. Janine (Jennifer Connelly), die ihre Jugendliebe Ben (Bradley Cooper) geheiratet hat, sowie die Singles und Suchenden Mary (Drew Barrymore), Conor (Kevin Connolly), Gigi (Ginnifer Goodwin), Anna (Scarlett Johansson) und Alex (Justin Long). Dass viele von ihnen ihre Beziehungen nur noch nach außen hin aufrechterhalten, führt zu Problemen und Tränen. So beginnt Ben eine Affäre mit Anna, die sich, wenn sie von Ben enttäuscht wird, immer wieder ihre Dosis Liebe bei Conor holt, der ihr seit geraumer Zeit hoffnungslos verfallen ist. Und Beth versucht es ohne Neil, denn wie stark kann eine Liebe sein, die nicht in den heiligen Stand der Ehe geführt werden soll? Stehen die Paare für die Routine und den Alltag, die jeder Beziehung zum Verhängnis werden können, so zeigen die anderen Figuren, wie schwer es ist, im Dschungel der modernen Großstadt den Partner fürs Leben zu finden, denn nicht weniger steht hier auf dem Spiel.
Der seltsame, aber richtig übersetzte Titel des Films, der schnell Bilder einer Pennälerkomödie evozieren könnte, verweist auf einen dramaturgischen Kniff: Ähnlich wie Leander Haußmanns Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken (2007) wechselt der Film immer wieder zwischen einfacher, in Episoden erzählter Komödie im Stil von Tatsächlich … Liebe (Love Actually, 2003) und Semidokumentarfilm hin und her. Zwischentitel werden eingeblendet, die eine Lektion aus der vorangegangenen Sequenz rekapitulieren. Kwapis Film bleibt dabei jedoch auf die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen beschränkt und lässt offen, wie die Fallen der Zweisamkeit in einem fortgeschritteneren Alter umgangen werden sollen. Den Zwischentiteln folgen Interviews mit Personen, die wie zufällig befragt erscheinen und für die Handlung des Films keine Bedeutung haben, außer das Geschehene zu abstrahieren und komisch zu untermauern. Hat der Zuschauer sich aber erst einmal in der Handlung und dem großen Figurenkreis zurechtgefunden, wirken diese Einblendungen nur noch störend. Ähnlich wie Warum Männer nicht zuhören ... funktioniert auch Er steht einfach nicht auf Dich! dann am besten, wenn er kein Ratgeber, sondern Komödie sein will. Zwischentitel und fiktive Interviews sind nicht zwingend notwendig, um dem Film einen parabelhaften Charakter zu verleihen.
Wie Liebe und die Eigenheiten der Geschlechter funktionieren, zeigen die Charaktere Gigi und Alex am deutlichsten. Sie ist immer auf der Suche nach einem Date, nicht um des Augenblicks willen, sondern um die große Liebe zu finden. Alex nimmt sich ihrer nach einem ersten Zusammentreffen in einer Bar an, um ihr zu zeigen, wie das vermeintlich stärkere Geschlecht tickt, man (bzw. frau) die Zeichen der Körpersprache richtig liest und den feinen Unterschied erkennt zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was eigentlich gemeint ist. Dass dabei mancher Mythos über die Liebe, den man schon – das zeigt auch der Film – als Kind aufnimmt, wie der oft beschriebene Funken, der überspringen muss, demontiert wird, war zu erwarten. Die rosarote Brille scheint gegen neue Weitsicht eingetauscht zu werden. Denn auch dieser Film zeigt, dass direkte Kommunikation manchmal kaum möglich ist.
Die Beziehung zwischen Gigi und Alex ist der eigentliche Hauptstrang des Films. Man fiebert als Zuschauer mit und erfreut sich an dem Schlagabtausch der beiden, stets die Frage im Hinterkopf, ob sie sich nur als Ratgeber oder beste Freunde näher kommen oder ob da vielleicht doch noch mehr ist. Wechselt der Film dann wieder zu den anderen Figuren, fällt einem erst wieder ein, dass es sich eigentlich um einen Ensemblefilm handelt. Eine ausgewogenere Verteilung der verschiedenen Geschehnisse über die zweistündige Laufzeit des Films hätte dem Fluss der Story sichtlich gut getan.
Die Rolle der Medien wird in Er steht einfach nicht auf Dich! scharfsinnig reflektiert. Mary ist dabei der Charakter, der Beziehungen nur über die neuen Kommunikationskanäle führen kann: „Damals hat man sich eine neue Frisur zugelegt, um attraktiver zu wirken. Heute aktualisiere ich einfach mein Profil“. MySpace, Facebook und StudiVZ sind die Kontaktbörsen der Neuzeit. Der Film zeigt, wie abhängig Mann und Frau von den neuen Technologien sind. Man lächelt leise in sich hinein, oder man versinkt vor Schamesröte im Kinosessel, da man diese Gesten nur zu gut kennt: Der hundertste Blick auf das leere Handydisplay, die unschöne Meldung, dass keine neuen Nachrichten vorliegen, und die Abfuhr, die das stumme Telefon in der Ecke einem mit jeder ruhigen Minute erteilt. Schnell kommt man da auf den Gedanken, dass es nicht nur die Menschen sind, die einen ablehnen, sondern auch die Medien selbst. Macht aber dann die gelungene Beziehung diese Medien alle überflüssig? Kwapis gibt darauf eine positive Antwort.
Erziehen will der Film ebenso wenig, wie er wirklich ein Ratgeber ist. Und auch die im Untertitel der Buchvorlage – Warum Frauen nie verstehen wollen, was Männer wirklich meinen – evozierte einseitige Sicht auf die Geschlechter wird in der Adaption vermieden. Manche Beziehungen überleben, andere nicht; das Ende verhält sich neutral und deutet vielleicht auch nur einen Kreislauf der Ereignisse an, der dann wieder von vorn beginnt, als neue Hoffnung oder neues Spiel. So zeigt der Film fast wie eine Querschnittsstudie, wie sehr sich alles ändert und dennoch gleich bleibt.
Filmkritik von Tobias Haupts
Veröffentlicht am 05.02.2009
Kommentare zu Er steht einfach nicht auf Dich
Flar 05.02.2012 10:30
Der Film ist einfach super und macht richtig Spaß. Natürlich darf man ihn nicht zu ernst nehmen, aber Schauspieler wie Justin Long sorgen für die nötige Leichtigkeit.
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Er steht einfach nicht auf Dich. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Er steht einfach nicht auf Dich
Originaltitel: He’s Just Not That Into You
USA 2009
Laufzeit: 129 Minuten
Regie: Ken Kwapis
Drehbuch: Abby Kohn, Marc Silverstein
Basierend auf dem Buch Er steht einfach nicht auf Dich! (He's Just Not That into You, 2004) von: Greg Behrendt, Liz Tuccillo
Produktion: Nancy Juvonen
Bildgestaltung: John Bailey
Montage: Cara Silverman
Musik: Cliff Eidelman
Darsteller: Ben Affleck, Jennifer Aniston, Jennifer Connelly, Ginnifer Goodwin, Drew Barrymore, Kevin Connolly, Bradley Cooper, Scarlett Johansson, Justin Long
Kinostart: 12.02.2009
DVD-Angaben
Titel: Er steht einfach nicht auf Dich!
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Ungarisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Ungarisch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 124 Minuten
Extras: Audiokommentar; Nicht verwendete Szenen
Verleih ab: 19.06.2009
Verkauf ab: 19.06.2009
Copyright Er steht einfach nicht auf Dich
Fotos: © Warner Bros.
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Captive
R: Brillante Mendoza
Die Wand
R: Julian Pölsler
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Barbara
R: Christian Petzold
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Die Wand
R: Julian Pölsler
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Neandertal
Mo 13.02, 09:25 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR
Schläfer
Mi 15.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
Yella
Mi 15.02, 22:25 Uhr, 3sat
























1 Kommentar