Elizabethtown

Freude schöner Götterfunken. Cameron Crowe singt eine Ode an das Leben und die Liebe. Wie bereits in Garden Statemuss ein junger Mann einen Elternteil begraben, lernt eine junge Frau kennen und die Fähigkeit zu weinen.

Elizabethtown

Flugbegleiterinnen. Auch in Deutschland haben sie eine große Tradition und einige von ihnen haben beachtliche Lebenswege hinter sich. Eine besonders berühmte diskutiert allsonntäglich bemüht in prominenter Politikerrunde, eine noch populärere stieg gar zur Königin auf.

Auch Claire (Kirsten Dunst) mutet königlich an, eher noch prinzesinnenhaft und engelsgleich. Die Blondine mit gutmütig strahlenden Augen bereist die USA kreuz und quer, was sie zu einer Art nationalgeographischen Koryphäe hat werden lassen. Auf einem dieser Inlandsflüge kümmert sie sich mehr als rührend um den suizidgefährdeten einzigen Gast in der Business-Class. Drew Baylor (Orlando Bloom) hat gerade nicht nur den größten Flop in der Geschichte des Sportschuhs entwickelt, er hat zudem noch seinen ihm fremden Vater verloren, der ausgerechnet auf Besuch in Elizabethtown verstarb, beim von Drew, seiner Mutter (Susan Sarandon) und seiner Schwester (Judy Greer) ungeliebten Teil der Familie. Ursprünglich soll Drew nur den Leichnam nach Oregon überführen, nach der Beerdigung will er seiner Existenz ein Ende setzen. Doch die Leute in Elizabethtown und allen voran die überlebenslustige Claire verändern ihn peu a peu.

Elizabethtown

Die Story ist klassisch, beinahe schon simpel. Regisseur Cameron Crowe arbeitet mit Gegensatzpaaren, was Familiengruppen oder Landstriche angeht. Die gebende Claire fungiert als Gegenentwurf zur berechnenden Ellen (Jessica Biel), Drews Exfreundin. Doch auch die märchenhafte Claire zeigt ihre mysteriösen Seiten, scheint immer wieder von Unsicherheiten, Zweifeln und Ängsten eingeholt zu werden. Wieder einmal beweist Crowe sein außerordentliches Talent in der Inszenierung weiblicher Protagonistinnen. Insgesamt schichtet der Erfolgsregisseur Positionen und Verhältnisse im Handlungsverlauf sukzessive um. Die Trauerfeierlichkeit geriert dabei zum großen Verschmelzungstiegel. Es ist jene Sequenz, die das ungewöhnliche Konzept dieses Films, der äußerlich den Konventionen der Romantic Comedy entspricht, am ehesten verdeutlicht. Anstelle klassischer Dramaturgien wählen Crowe und viele seiner jüngeren Kollegen zunehmend auch innerhalb des höher budgetierten Mainstreamkinos alternative Erzählmodelle. Elizabethtown wirkt dabei extrem episodisch, angefangen mit Drews letztem Arbeitstag, der ganz dominiert wird von seinem patriarchalen Chef (Alec Baldwin), einer Figur, die danach nicht mehr auftritt. Claire wird erst später eingeführt und spielt in der gesamten ersten Hälfte des Films nur eine untergeordnete Rolle. Zwischendurch trifft Drew auf das ominöse, letztlich durchgeknallt-sympathische Brautpaar Chuck und Cindy und jede Menge begeisterter Anhänger seines Vaters, der in der Kleinstadt fast den Status eines Idols genießt. Mit vielen Verwandten macht er erstmals richtig Bekanntschaft und im Hintergrund wirkt die zunächst fast aufdringliche Claire wie ein Integrationsmodul und Lebenselixier. Auch Drews eigenwillige, überdrehte Mutter und die überforderte Schwester tauchen nur episodisch auf, ehe die Trauerfeier alle zusammenführt. Diese Zusammenkunft bläht Crowe mit Musik- und Tanzeinlagen, Stand-Up-Comedy und anderen Gags sowie romantischen Elementen auf.

Elizabethtown

Dennoch ist auch diese überzeichnete Episode nicht Höhepunkt des Films, sondern vielmehr Abschluss des Familienkomplexes. Anschließend führt Crowe die Liebesgeschichte auf ihre Zielgerade und dies in Form eines Roadmovies. Dieses Genre hat in einigen der außergewöhnlichsten Filmen der vergangenen Jahre (Vincent Gallos Brown Bunny (2004), Bruno Dumonts 29 Palms (2003) oder auch den preisgekrönten Produktionen About Schmidt (2002) und Sideways (2004) von Alexander Payne) eine Neuorientierung erfahren und auch Elizabethtown schafft es, seine konventionelle Ausgangskonstellation in einen doch eher individuellen Entwurf münden zu lassen.

Crowes besonderes Markenzeichen, die Zusammenstellung eines gleichwohl musikhistorisch bemerkenswerten wie auch zielgruppenorientierten Soundtracks, nimmt in seinem neuesten Film bombastische Ausmaße an. Das Clip- und Episodenhafte Elizabethtowns wird unterstrichen von einer Vielzahl an Musikstücken, die besonders die Reise am Ende des Films bestimmen.

An Monty Brogan in der Abschlusssequenz von Spike Lees 25th Hour (2002) erinnernd, begibt Drew sich auf eine schicksalhafte Reise und auch hier bricht das Märchenhafte ein. Wie sollte es anders sein, ist die Route durch die Vereinigten Landstraßen von Amerika doch das Arrangement einer liebevollen und detailverliebten Prinzessin. So gehen wir alle frohen Mutes aus dem Kinosaal und blicken sehnsüchtig auf den nächsten Inlandflug, denn nur dort, über den Wolken, können wir ihnen wohl begegnen, den märchenhaften Wesen, die manche so profan Stewardessen nennen.

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Kommentare


Nadine

Hi leute, ich habe diesen Film gesehen, und ich muss sagen, der war nicht wirklich gut. Aber dennoch konnte ich nicht wiederstehen ihn ein zweites mal zu gucken, weil ich Orlando Bloom einfach umwerfend finde, seine ganze Ausstrahlung bringt mich um den Verstand. Er sieht einfach zum anbeißen aus, rrrrrrr


Thorsten Lisker

Da diese wirklich gut gelungene Filmkritik im Moment nur einen User-Kommentar auf Girlie-Niveau enthaelt, sehe ich mich genoetigt, auch meinen Senf dazuzugeben: JA! Der Film ist wunderbar, und laesst sich eben nicht in eine Standard-Schublade stecken. Ein bisschen abgedreht, ein bisschen Roadmovie, ein bisschen Romantik, eine Prise intelligenten Sarkasmus und ehrliche Charaktere. Ich sehe ueberall im Web mittelmaessige bis negative Kritiken... deshalb dies hier als klitzekleiner Gegenpol. Uebrigens: unbedingt die webpage zum Film anschauen (elizabethtown.com), wirklich nett gemacht.

(aber um auf untenstehenden Kommentar einzugehen: in Wirklichkeit habe ich den Film WEGEN ALEC BALDWIN zweimal gesehen! Diese Ausstrahlung, diese schwabbeligen Fettbaeckchen im Gesicht ...hach, ein Traum!)


Tobi

Ich bin wirklich erstaunt und entsetzt über die vielen guten Kritiken.Der Film ist einfach nur schwach, der "Humor" abgedroschen, die Charaktere entwickeln nie eine Tiefe, die Dialoge sind kaum zu ertragen. GardenState fand ich wirklich schön, die Charaktere waren nett verschroben und dennoch sehr liebenswert, aber das hier war, trotz einiger Ähnlichkeiten, einfach schlecht.


Hugo

Film ist einfach nur schlecht! Dialoge wirken aufgesetzt und Orlando Bloom macht den Eindruck als ob er im falschen Film vorkommt oder andersrum.
Bloom trägt den Film einfach nicht, dewegen wird er bestimmt auch nicht vermisst werden sollte er aus Fluch der Karibik rausgeschrieben werden (was angedacht ist). Für Bloom Fans vielleicht noch erträglich, für alle andern gilt Finger weg von diesem Film.






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