Eine unbequeme Wahrheit
Seitdem ihm George W. Bush den vakanten Posten im Weißen Haus weggeschnappt hatte, tourt Ex-Vizepräsident Al Gore mit seiner multimedialen Präsentation zum Thema „Globale Erwärmung“ rund um den Erdball. Regisseur Davis Guggenheim begleitete ihn dabei mit der Kamera.

Die globale Erwärmung ist ein unumstößlicher Fakt. Das ist - auf den Punkt gebracht - die Botschaft, die Al Gore seinen Zuhörern bei jedem Vortrag nahe bringen möchte. Denn noch immer ziehen selbsternannte Experten und Meinungsmacher den Zusammenhang zwischen steigenden CO2-Emissionen und Durchschnittstemperaturen in Zweifel. Gore, der bereits seit Anfang der 70er Jahre politisch für einen stärkeren Schutz der Umwelt eintritt und seinerzeit auch an der Ausarbeitung des in den USA umstrittenen Kyoto-Protokolls beteiligt war, hat sich nach der gewonnenen und doch verlorenen Präsidentschaftswahl eine wahre Sisyphusarbeit aufgebürdet. Er will bei seinen Landsleuten ein Umdenken in Punkto Klimaschutz erreichen. Denn erst dann werde das Thema, so Gores These, auch auf der politischen Agenda eine höhere Dringlichkeit und Aufmerksamkeit genießen.
Kann eine rund 90minütige Präsentation im PowerPoint-Stil zur Problematik des Klimaschutzes vorgetragen von einem – vorsichtig ausgedrückt – nur wenig charismatischen Dozenten überhaupt zu gleichen Teilen informativ wie unterhaltsam sein? Die Antwort lautet: Auf jeden Fall. Zwar präsentiert Gore keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die vereinfachte aber nie verkürzte Darstellung anhand vieler Schaubilder, Animationen und Charts ist in ihrer Klarheit jedoch mehr als beeindruckend und einleuchtend. Vor allem die drastischen Vergleiche zwischen Aufnahmen schneebedeckter Gletscher und trostloser Steinwüsten dürften ihre Wirkung nicht verfehlen. Es mangelt nicht an dem Wissen über die Zusammenhänge, es ist der politische Wille, der das eigentliche Problem darstellt. Weil Gore diesen Punkt immer wieder herausstellt, gelangt sein Vortrag, ohne dass er es a priori darauf anlegt, in das Fadenkreuz seiner einstigen politischen Gegner. Das ist schade, da die voranschreitende Klimakatastrophe auf Parteigrenzen und Weltanschauungen keine Rücksicht nimmt.

Die Methode, ein brisantes gesellschaftspolitisches Thema mit humoristischen Einsprengseln wie kleinen bewusst simpel gehaltenen Cartoons auflockern zu wollen, ähnelt der Vorgehensweise eines Michael Moore (Bowling for Columbine, 2002; Fahrenheit 9/11, 2004). Abgesehen davon, dass Gore keine Guerilla-Taktiken bei seinen Gesprächen anwendet und auch sonst lieber Fakten sprechen lässt als markige, polemische Statements nach links und rechts auszuteilen, besitzt Eine unbequeme Wahrheit (An Inconvenient Truth) gleichsam den Ansatz, Informationen und Entertainment in eine einzige Gussform fließen zu lassen. Denn für eine reine Reproduktion der Faktenlage hätte es weder einer Vortragsreihe noch eines Dokumentarfilms bedurft. Gore geht es vielmehr darum, bei seinen Zuhörern/Zuschauern eine andere Wertschätzung der Natur, einen „Mind Change“ zu erreichen. Unglücklicherweise schießt der Film jedoch gerade in diesem Punkt über das von Gore verfolgte Ziel hinaus. Aus europäischer Perspektive mag man – leicht überheblich – die platten Handlungsempfehlungen während des Abspanns („Kaufen Sie Sich ein Hybrid-Auto!“, „Nutzen Sie soweit es geht öffentliche Verkehrsmittel!“) mit der Unkenntnis vieler Amerikaner in Umweltdingen entschuldigen. Das ändert allerdings nichts daran, dass ein solch erhobener Zeigefinger dieser ansonsten intelligenten Dokumentation eher schadet denn nützt.

Regisseur Davis Guggenheim unterbricht die mit viel Wortwitz und Leidenschaft vorgetragene Liebeserklärung an unseren blauen Planeten immer wieder mit Aussagen des Privatmenschen Gore. 1989 markierte der schwere Unfall seines Sohnes den für ihn einen entscheidenden Wendepunkt. Die Motivation, die Menschen für die Problematik der Erderwärmung zu sensibilisieren, bestimmte fortan noch stärker sein Handeln und Denken. Für kurze Augenblicke tappt Guggenheim dabei in die Sentimentalitätsfalle, wenn er private Schicksalsschläge mit Gores politischen und gesellschaftlichen Anliegen vermischt.
Eine unbequeme Wahrheit erzählt – abgesehen von der Umweltpolitik der USA – auch fast beiläufig die Geschichte einer ganz anderen „Tragödie“. Wie sähe unsere Welt heute wohl aus, wenn nicht George W. Bush sondern dieser umsichtige Mann seinerzeit in das Weiße Haus eingezogen wäre? Auch dieser Gedanke wird einen nach Verlassen des Kinos so schnell nicht loslassen.
Filmkritik von Marcus Wessel
Veröffentlicht am 29.09.2006
Kommentare zu Eine unbequeme Wahrheit
diana 18.01.2007 17:18
Diesen Film sollte jeder anschauen, damit jeder versteht was mit unserer Welt passiert. Ich frage mich wirklich wie unsere Eltern uns so eine Welt hinterlassen konnten und noch viel mehr frage ich mich wieso sie jetzt nichts dagegen tun um ihren Kindern die Welt zu erhalten. Ich möchte keine Kinder in so eine Welt hineingebären. Wir sollten endlich anfangen etwas zu tun!!!! Jeder einzelne von uns!! und zwar SOFORT!!!!!!
sabsi 31.01.2007 18:08
Hey!! Schaut euch diesen brillianten Film umbedingt an! Ich hätte wirklich in meinen Träumen nie gedacht, dass die Klimaerwärmung schon solche Ausmaße hat! Die Gletscher schmilzen, Grönland gibt es in 30 Jahren wahrscheinlich gar nicht mehr, Überflutungen und zugleich im selben Land Dürreperioden, unzählige Tierarten sterben aus, neue Krankheiten werden hervorgerufen, ... etc!(Es gibt schon erste Malaria Fälle in Deutschland! Nicht von Urlaubern in anderen Ländern mitgebracht!!)Die Anzeichen dafür sind doch schon gigantisch, oder?? Man muss einfach der Wahrheit ins Auge sehen! Es ist an der Zeit, dass wir aufwachen!! (wie auch der Titelsong zu diesem Film lautet)und es ist wahr! WIR können noch was ändern!Ich hab den Film mit der Schule angeschaut und kann ihn nur weiterempfelen! Das gute daran ist, dass "eine unbequeme Wahrheit" nicht in einer komplizierten wissenschaftlicher Fachsprache, sonder sehr gut, auch für eine 14 jährige, zu verstehen war!!
lol 02.02.2007 14:16
der film ist ganz ok aber sehr interesant
Caro89 20.05.2007 18:18
Also ich fand den Film einfach nur hammer!
Das ist mal interesant zu sehen wie der Klimawandel wirklich ist.
Kritiker 04.03.2008 18:28
Ich find den film einfach nur schwachsinnig !!!
Al gore verfälscht Daten und verschweigt wichtige Aussagen !
Für einen, der sein Lebensschickssal in einem Klimafilm darstellt und den Menschen Angst einjagt mit der angeblichn Klimakathastrophe, sollte es keinen Nobelpreis geben !!
Elementa 10.06.2010 11:43
Ich finde den Film sehr sehenswert. Ich glaube es ist sehr wicktig das wir alle etwas tun, den wenn die Welt am gleichen Strang ziehen werden die Politiker auch begreifen das es Zeit ist etwas zu tun.
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Film-Angaben
Titel: Eine unbequeme Wahrheit
Originaltitel: An Inconvenient Truth
USA 2006
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Davis Guggenheim
Produktion: Lawrence Bender, Scott Burns, Laurie David
Darsteller: Al Gore
Kinostart: 12.10.2006
Copyright Eine unbequeme Wahrheit
Fotos: © UIP
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