Eine andere Liga

Bei der fußballbegeisterten 20-jährigen Hayat (Karoline Herfurth) wird Brustkrebs diagnostiziert. Nach ihrer Operation kann sie nicht mehr bei ihrem alten Verein spielen. In einer neuen Mannschaft erwirbt sie wieder Lebenslust und lernt die große Liebe kennen.

Eine andere Liga

Regisseurin Buket Alakus erzählt in ihrem zweiten Spielfilm die Geschichte einer fußballbegeisterten jungen Frau, die gegen zahlreiche Hindernisse ankämpfen muss, bevor sie ihr Talent in einem bunt zusammen gewürfelten Freizeit-Frauenteam erneut unter Beweis stellen kann. Der Plot erscheint wie eine deutsche Variante von Gurinder Chadhas Kick it like Beckham (Bend it like Beckham, 2002). Themenkomplexe und Plot-Entwicklung sind beinahe identisch. In beiden Filmen geht es um die Selbstverwirklichung einer jugendlichen Fußballspielerin gegen die Widerstände von Eltern und Umfeld.

Während Chadha jedoch glaubhaft das Dilemma einer jungen Inderin zwischen traditioneller Frauenrolle und englischer Jugendbewegtheit pointiert herausarbeitet, zeigt die deutsch-türkische Regisseurin Alakus ihre Hauptdarstellerin als deutsch-türkisches Mädchen, ohne aber auf die konfliktträchtigen Inhalte, die vor diesem Hintergrund auftauchen könnten, einzugehen. Hayat revoltiert nicht gegen traditionelle Vorstellungen und gesellschaftliche Konventionen. Ihr Widerstand richtet sich allein gegen das krankheitsbedingte – väterlich auferlegte – Fußballverbot sowie unsolidarische, wenig verständnisvolle Reaktionen ihrer Umgebung.

Hayat, deren Name auf Türkisch „Leben“ heißt, wird aus dem Kreis des leistungsorientierten weißgekleideten Semiprofi-Vereins nach bekannt werden ihrer Krankheit herausgekickt. Sie findet Aufnahme in einer multinationalen Freizeit-Mannschaft, in der selbst ungelenke, übergewichtige Teamplayerinnen ihren Platz finden. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn die Regisseurin darauf verzichtet hätte, die Mädchen völlig zu überzeichnen: Afrodeutsche Mädchen tragen Afrolocken und hören ständig Hip-Hop, untereinander bestehen keinerlei Rivalitäten. Der Darstellung der Freizeit-Kicker fehlt jegliche soziale und politische Brisanz sowie dramaturgische Dichte. Kulturelle Vielfalt und Herkunft wird hier zum reinen Ethno-Kitsch.

Eine andere Liga

Auch die Liebesgeschichte zwischen Hayat und ihrem Trainer Toni (Ken Duken), dem die Wandlung vom Dosenbier trinkenden Macho zum einfühlsamen, sensiblen Freund gelingt, ist vorhersehbar und emotional überfrachtet. Eine Fußballszene, in der Hayat gegen ihren früheren Verein kurz vor Abpfiff noch eingewechselt wird und ein 1:1 erzielt, hinterlässt am Ende des Films einen faden Nachgeschmack sowohl durch die extreme Schwarz-Weiß-Zeichnung der beiden gegnerischen Gruppen als auch durch die Einfallslosigkeit der Handlung.

Der von Arte und ZDF teilfinanzierte Film hat ungeachtet seiner Schwächen bereits zwei Publikumspreise erhalten: unter anderem den Max-Ophüls-Preis. Dies mag nicht zuletzt an den Schauspielern liegen: Karoline Herfurth verkörpert die Rolle der willenstarken Hayat mit großer Intensität. Auch Ken Duken als Toni und Thierry van Werveke als Hayats Vater sind hervorragende Darsteller, denen allerdings vom flach konstruierten Plot und den hölzernen Dialogen schnell Grenzen gesetzt werden. Eine andere Liga richtet sich eindeutig an ein jüngeres Publikum, insbesondere Mädchen, die sich mit Hayat, - ihrem Durchsetzungsvermögen, ihrem Mut, aber auch ihren Ängsten - identifizieren können. Leider verzichtet der in seinem Handlungsstrang vorhersehbare und allzu klischeebeladene Film darauf, in ihm angelegte Motive stärker auszuleuchten.

Kommentare


Trabant -OH-ZS

Herzlichen Glückwunsch.Bin beeindruckt.Ich weiß,ich weiß...aber hab dank trotz allem -für alles.






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