Ein verlockendes Spiel

George Clooney und Renée Zellweger als Cary Grant und Katharine Hepburn. Ein verlockendes Spiel möchte die Screwballkomödien der dreißiger Jahre wiederbeleben.

Ein verlockendes Spiel

„Willkommen im Showgeschäft!“ ruft ein Promoter dem Profi-Footballer Jimmy „Dodge“ Connelly zu. Connelly wird verkörpert von George Clooney. Der ist schon lange im Showgeschäft, und zwar mit Haut und Haaren. Zumeist nur als Schauspieler, seit ein paar Jahren auch als Regisseur. Ein verlockendes Spiel (Leatherheads) ist sein dritter selbst inszenierter Film. Und alle drei drehen sich ums Showgeschäft. Confessions of a Dangerous Mind handelte von einem Talkshowmaster, der sich mit Geheimdiensten einlässt, in Good Night, and Good Luck (2005) beschäftigte sich Clooney mit dem Anchorman Edward R. Morrow und dessen Auseinandersetzung mit Kommunistenjäger Joseph McCarthy. Die neueste Regiearbeit verfolgt die Popularisierung des amerikanischen Profifootballs in den dreißiger Jahren.

Ein verlockendes Spiel

Connelly führte einst ein kleines Provinzteam an, das sich mit dem Geld eines Milchprodukteherstellers gerade so über Wasser hielt, sich auf besseren Rübenäckern mit Gleichgesinnten um die charakteristisch geformten Lederbälle prügelte und dabei die Regeln Regeln sein ließ. Als der Sponsor dann seine finanzielle Unterstützung einstellt, unternimmt Connelly einen verzweifelten Versuch, das Team zu retten: Der landesweit bekannte, technisch versierte College-Footballer Carter Rutherford (John Krasinski), der nebenbei auch ein Kriegsheld ist, wird verpflichtet und entwickelt sich rasch zum Zugpferd nicht nur des Teams, sondern der gesamten Liga. Diese wiederum transformiert sich im Windschatten des Jungstars vom anarchischen Proletariervergnügen zum stromlinienförmigen Massenereignis, in dem weder für Flüche in den Reporterkabinen noch für Connellys Tricksereien Platz ist.

So weit, so gar nicht mal uninteressant. Leider jedoch definiert sich der Auteur Clooney nicht nur über Analysen der amerikanischen Unterhaltungsindustrie, sondern auch über willkürliche Stil- und Genrezitate. Während sich Good Night, and Good Luck am Film noir orientierte, greift der Regisseur im Nachfolger noch ein Jahrzehnt tiefer in die Filmgeschichte und inszeniert Ein verlockendes Spiel im Stil der Screwballkomödien eines George Cukor oder Howard Hawks.

Ein verlockendes Spiel

Nun sind Screwball und moderner Profifootball zwar ungefähr zeitgleich entstanden, haben ansonsten aber wenig miteinander zu tun. Oder wenn doch, dann zumindest nicht in Clooneys Film. Dort wird das Genre über einen parallelen Handlungsstrang eingeführt, der mit der eigentlichen Geschichte nur notdürftig verknüpft ist: Lexie Littleton (Renée Zellweger) arbeitet als Reporterin für die „Chicago Tribune“ und soll eine Enthüllungsgeschichte über Carter Rutherford verfassen, dessen Vergangenheit möglicherweise nicht ganz so glorreich ist, wie sie der Öffentlichkeit dargeboten wird. Bald entwickelt sich ein klassisches Dreiecksgeplänkel zwischen Dodge, Carter und Lexi.

Clooney ist also nicht Humphrey Bogart wie in Steven Soderberghs fragwürdiger Vierziger-Jahre-Emulation The Good German (2007), sondern der Cary Grant aus Filmen wie Die Nacht vor der Hochzeit (The Philadelphia Story, 1940) oder Sein Mädchen für besondere Fälle (His Girl Friday, 1940). Rein physiognomisch passt das deutlich besser. Dem Screwballstar und Vorzeigelausbuben des amerikanischen Kinos seiner Zeit sieht der frühere Emergency-Room-Darsteller, trotz unterschiedlichem Körperbau, nicht ganz unähnlich. Und ohnehin inszeniert sich Clooney seit Jahren bewusst in der Tradition der Schauspieler-Entertainer aus dem alten Hollywood.

Ein verlockendes Spiel

Doch nicht nur das Kino hat sich verändert seit den dreißiger Jahren, sondern auch die Welt als Ganzes. Und wie er mit dieser doppelten Differenz umgehen soll, das weiß Ein verlockendes Spiel nicht einmal im Ansatz. Wie in The Good German ist das Stilzitat nicht mehr als nostalgische Dekoration. Dabei hätte Ein verlockendes Spiel, das wird immer dann deutlich, wenn sich der Film auf den Footballplot selbst konzentriert, im Gegensatz zu Soderberghs Werk durchaus etwas zu sagen. Doch zwischen augenzwinkernd verruchten Nachtclubs und pittoresk behäbigen Zeitungsredaktionen verliert sich Ein verlockendes Spiel alsbald in der Beliebigkeit.

Am wenigsten funktioniert die weibliche Hauptfigur. Renée Zellweger soll Katharine Hepburn sein, die sexuell aufgeladenen Anspielungen sind etwas sexueller und weniger anspielend als in den Originalfilmen, aber schon der kokette Knieüberschlag auf dem Schreibtisch des Chefs möchte nicht so recht funktionieren. Das einst durchaus progressive Frauenbild der Screwballkomödie wurde von der gesellschaftlichen Wirklichkeit überholt und ist aus heutiger Perspektive Paternalismus pur. Ein verlockendes Spiel verhält sich zu dieser Problematik ein wenig nostalgisch, selten kritisch und meistens: gar nicht. Renée Zellwegers Figur bleibt Zitat auf der Suche nach dem Original und landet am Ende wie selbstverständlich auf dem Rücksitz von Dodges Moped.

Ein verlockendes Spiel

Wie schon The Good German funktioniert auch bei Clooneys Regiearbeit die Hommage bereits auf der handwerklichen Ebene nicht immer. Vor allem fehlt es seinem Film an Eleganz. Besonders plump ist Ein verlockendes Spiel auf der Tonspur. Ab und an findet sich als Zeitkolorit passabler Swing-Jazz, ansonsten dominiert Bud-Spencer-affine Rummelplatzmusik. Das Rumtata des Soundtracks ist nicht nur musikalisches Leitmotiv, sondern auf allen Ebenen dominant: Rumtata, der Hemdsärmel brennt; Rumtata, George Clooney bekommt eins auf die Nase; Rumtata, dicke Menschen sind lustig. Die subtilere Dialogkomik, eigentlich das A und O der Screwballkomödie, ist nicht wirklich fein ausgearbeitet und verschwindet spätestens in der fürchterlichen Synchronisation. Von der sei dringend abgeraten. Vom zugehörigen Film auch, aber weniger vehement.

Trailer zu „Ein verlockendes Spiel“


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