Ein Trauzeuge zum Verlieben
Stuart Townsend spielt in dieser Komödie den Trauzeugen Olly, der sich in die Braut eines alten Studienfreundes verliebt. Die Verkupplungsversuche seines besten Kumpels Murray stürzen den erfolglosen Schriftsteller ins Liebeschaos.

Eigentlich schade, dass Hugh Grant schon zu alt ist. Sonst hätte er sicherlich die Hauptrolle in Ein Trauzeuge zum Verlieben (The Best Man) übernommen. Stefan Schwartz’ Film erinnert sehr an die britischen Komödien der 90er Jahre, in denen Grant die Rolle des charmanten Losers perfektionierte: ein liebenswürdiger Trottel wirbt mit Hilfe seiner Freunde um ein schönes, für ihn eigentlich unerreichbares Mädchen, die Nebencharaktere sind bis zur Exzentrik überzogen, die situationskomischen Dialoge sind gepaart mit Slapstickelementen. Das klingt zum Beispiel nach Mike Newells Vier Hochzeiten und ein Todesfall (Four Weddings and a Funeral, 1994), aber derlei Exempel lassen sich einige finden.
Leider wirkt Schwartz’ Film größtenteils wie ein netter Abklatsch, der sich zu sehr an den offensichtlichen Vorbildern orientiert und nicht zu einer eigenen Sprache findet. Die Geschichte des Gutmenschen Olly (Stuart Townsend), der als Sekretär einer biestigen Chefin (Anna Chancellor) sein Dasein fristet, obwohl er doch eigentlich ein begabter Schriftsteller ist, und sich auf der Verlobungsfeier seines ehemaligen besten Freundes in die Braut Sarah (Amy Smart) verliebt, ist nicht neu. Sich an einen komödiantischen Hochzeitsfilm zu wagen, ist also durchaus eine Herausforderung, der Schwartz nur teilweise gerecht wird.

Seine Inszenierung eines eher mittelmäßigen Drehbuchs ist häufig einfallslos, zusammengesetzt aus Elementen die Newell und auch Richard Curtis in ihren Filmen verwenden. Anna Chancellors biestige Chefin erinnert sehr an Kristin Scott Thomas’ Charakter in Vier Hochzeiten und ein Todesfall und auch die Idee, Murray und Olly im chaotischen Appartement mitten im illustren Soho leben zu lassen, als Gegensatz zu Sarahs durchgestylter, lebloser Upperclass-Wohnung ist bekannt. Sehenswert ist allerdings Seth Green als Ollys bester Kumpel Murray. Der unaufhörlich plappernde Immobilienmakler ist ständig in Bewegung – irgendeinen Trick, um Sarah Olly näher zu bringen heckt er immer aus – und der Vielfalt der mimischen Ausdrucksmöglichkeiten des Woody Allen-Erprobten Ex-Buffy-Serienstars scheinen wenig Grenzen gesetzt. Sein Murray ist das dynamische Zentrum des Films und der Gegenpart zu dem fast schon lethargisch guten Olly.
Dennoch kann auch sein Spiel nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ein Trauzeuge zum Verlieben, der in seinem Herkunftsland Großbritannien wie den USA bislang noch keinen Verleih gefunden hat, die Bissigkeit im Dialog, den subversiven Humor und den Mut zur penetranten Ausstellung exzentrischer Charaktereigenschaften, der seine erfolgreichen Genrevorgänger auszeichnete, leider vermissen lässt.
Filmkritik von Meike Stolp
Veröffentlicht am 18.01.2006
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Film-Angaben
Titel: Ein Trauzeuge zum Verlieben
Originaltitel: The Best Man
Großbritannien 2004
Laufzeit: 91 Minuten
Regie: Stefan Schwartz
Drehbuch: Ed Roe, Stefan Schwartz
Produktion: Neil Peplow
Darsteller: Stuart Townsend, Seth Green, Amy Smart, Steve John Shepard, Kate Ashfield, Anna Chancellor
Kinostart: 19.01.2006
DVD-Angaben
Titel: The Best Man - Ein Trauzeuge zum Verlieben
Vertrieb: e-m-s new media
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 91 Minuten
Extras: Originaltrailer
Verleih ab: 06.07.2006
Verkauf ab: 28.09.2006
Copyright Ein Trauzeuge zum Verlieben
Fotos: © 3L
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